SoC-Hersteller haben kaum Interesse an langem Support
Denn derzeit deutet nichts darauf hin, dass Google seinen zahlreichen OEMs irgendwelche Vorgaben in Bezug auf die Upgrades geben wird. Das hat das Unternehmen auch bisher augenscheinlich vermieden und stattdessen auf seine Beispielwirkung gesetzt und darauf, etwa mit den Apex-Modulen sehr schwerwiegende Probleme im Zweifel selbst patchen zu können.
Dass nun außerdem mit Google und Samsung ausgerechnet jene Hersteller vorangehen, die eigene SoCs in ihren Smartphones verbauen, und ein Hersteller wie Asus mit seinem über 1.000 Euro teuren ROG Phone 8 Pro weiter nur zwei Jahre Upgrades und weitere zwei Jahre Sicherheitsupdates liefern will, verheißt nichts Gutes.
Asus setzt weiter auf ein SoC von Qualcomm, ebenso wie Xiaomi. Letztere bieten aber auch Smartphones mit Mediatek-SoC an, mit maximal vier Jahren Android-Upgrades.
Für einen langen Upgrade- und Update-Zeitraum sind außerdem die Macher des Fairphone auf ein dediziertes IoT-SoC von Qualcomm gewechselt, für das längerer Support angeboten wird. Damit sollen immerhin fünf Android-Upgrades möglich werden. Und mindestens drei weitere Jahre Sicherheitsupdates.
Derzeit ist nicht abzusehen, dass sich an dieser Praxis etwas grundlegend ändern wird. Dafür sind die Geschäftsmodelle von SoC-Produzenten wie Qualcomm und Mediatek sowie den OEMs wohl schlicht zu festgefahren. Für seine A-Serie verspricht Samsung etwa fünf Jahre Sicherheitsupdates auch nur für ausgewählte Geräte. Üblicherweise erhalten Geräte der Serie aber weniger Pflege und meist auch nur zwei Upgrades. Die Kosten für einen längeren Support im unteren Preissegment stehen wohl auch schlicht dem Gewinninteresse der Unternehmen entgegen.
Sieben Jahre Upgrades bleiben wohl Nische
Nicht zuletzt ist es insbesondere für die SoC-Hersteller ohne entsprechende Vorgaben von Google auch künftig weiterhin extrem einfach, eine bessere Upgrade-Politik aus geschäftlichen wie auch aus technischen Gründen, schlicht nicht umzusetzen und das Ziel der besseren Updates von Google zu unterlaufen. Das liegt wiederum an den trotz Einheitskernel weiterhin zahlreich vorhandenen externen Kernel-Treibern für einzelne Bauteile der Geräte.
Für Upgrades der Android-Plattform unterstützt Google derzeit nur jene Kernel-Versionen, die in den zwei vorhergehenden Android-Versionen unterstützt werden. So sind derzeit immerhin vier Android-Upgrades möglich. Kernel-Upgrades, die dann zusätzlich weitere Android-Versionsupgrades ermöglichen vermeiden die OEMs jedoch bisher quasi völlig. Einige SoC-Hersteller lassen sie sich sogar extra bezahlen. Auch das führt zu einer prohibitiven Upgrade-Politik. Wie Google und Samsung hier vorgehen wollen, ist derzeit noch nicht bekannt.
Spannend daran ist aber, dass das Pixel 8 Pro mit Linux 5.15 zur Veröffentlichung bereits eine rund zwei Jahre alte Kernel-Version nutzt. Und dass Samsung für das S24 in den USA weiterhin nicht auf das eigene Exynos-SoC setzt, sondern auf ein Qualcomm-SoC. Ob die Beteiligten hier wirklich weiter auf Kernel-Upgrades verzichten können, um ihren langen Support-Zeitraum aufrechtzuerhalten, bleibt abzuwarten.
Der Verzicht auf Kernel-Upgrades wäre aber eine Abkehr von der bisher gültigen Android-Richtlinie in Bezug auf die Kernel-Versionen. Es würde die Unternehmen, also Google und Samsung, zudem noch mehr Arbeit, Zeit und Geld für den Kernel-Support der veralteten Versionen kosten. Aber auch Kernel-Upgrades dürften ähnlich viel Aufwand bedeuten oder schlicht Geld kosten, weil diese beim OEM eingekauft werden.
Die sieben Jahre währende Upgrade-Garantie im Android-Bereich wird angesichts der beschriebenen Produktpolitik also mit vergleichsweise hohen Kosten verbunden sein. Dass sich zusätzlich zu Google und Samsung zahlreiche weitere Hersteller dazu durchringen werden, ist insbesondere für günstigere Geräte nicht zu erwarten. Das heißt dann auch für Nutzer hohe Kosten bei der Auswahl ihrer Geräte, wenn sie lange Upgrades haben wollen.