Google Übersetzer: Der Babelfisch ist Realität und hat Schluckauf
Zu Beginn des Romans Per Anhalter durch die Galaxis(öffnet im neuen Fenster) von Douglas Adams bekommt der Protagonist bei seiner Reise durchs All einen kleinen Fisch(öffnet im neuen Fenster) ins Ohr gesetzt. Er übersetzt fortan auch die absonderlichsten Sprachen ins Englische.
Autor Douglas Adams erklärte das damit, dass der Fisch sich von den Gehirnwellen seines Wirtes ernähre: So "... scheidet er in das Gehirn seines Trägers eine telepathische Matrix aus, die durch die Kombination der Frequenzen bewusster Gedanken mit Nervensignalen gebildet wird, die von den Sprachzentren des Gehirns, das sie geliefert hat, aufgenommen wurden".
Ganz so esoterisch geht Google mit der Betaversion(öffnet im neuen Fenster) seiner Übersetzer-App nicht vor, vielmehr genügt ein aktuelles Android- oder iOS-Telefon und ein Bluetooth-Headset. Eine Netzverbindung muss dauerhaft vorhanden sein.
Das Ergebnis ist aber nicht weniger erstaunlich. Statt wie zuvor auf den Bildschirm zu starren und der Übersetzung visuell zu folgen, lässt sich das Gesagte nun fast in Echtzeit per Audio verfolgen.
Dabei ertönt eine mit dem Geschlecht der Sprechenden korrespondierende Stimme, die sehr unmittelbar und gut verständlich wie ein Simultanübersetzer agiert und zumindest teilweise auch Feinheiten wie Emotionalität beachtet.
Uns fielen trotzdem kleinere Ungereimtheiten auf, die aber allesamt nicht schwerwiegend waren, zu gut ist die Funktion als Ganzes.
Latenz vs. Kontext
Einer der ersten Punkte ist die Latenz. Auch wenn man gefühlt den Gesprächen ziemlich unmittelbar folgen kann, gibt es eine Verzögerung von ungefähr sechs Sekunden. Das hat zwar kaum Auswirkungen auf das Verständnis, bedeutet aber auch, dass das Zeitfenster für das Erkennen von inhaltlichen Zusammenhängen für die Software sehr eingeschränkt ist.
Das kann je nach Sprache mehr oder minder gravierende Auswirkungen auf die Qualität der Übersetzung haben. So funktionierte Englisch erwartungsgemäß recht gut. Fachbegriffe werden meist sinnvoll übertragen und ihre Aussprache ist stimmig. Finnisch hingegen funktionierte eher schlecht.
Woran das System scheiterte, waren Randszenarien, in denen etwa ein Video zu Retrospielen(öffnet im neuen Fenster) übersetzt werden sollte und statt C64 ein Nintendo 64 im Text auftauchte. Aus dem Spiel Giana Sisters wurde Genesis System. Das zeigt, dass ein Grundverständnis für den Kontext existiert, dieser aber nicht immer korrekt erkannt wird.
Selbst Gesang wird übersetzt
Erstaunlicherweise klappte die Simultanübersetzung sogar bei einem auf Arabisch gesungenen Gebet(öffnet im neuen Fenster) recht gut. Hier wurde passenderweise auch eine Kinderstimme eingesetzt. Die Qualität der virtuellen Sprecherinnen und Sprecher ist durchweg gut.
Die Stimmen wechseln jedoch mitunter sehr unvermittelt. Ein Gespräch zwischen mehreren Menschen unterschiedlichen Geschlechts ist so schwer zu verfolgen, weil die Wahl der Stimme nicht konsistent mit den sprechenden Personen übereinstimmt. Sobald in so einem Fall der visuelle Part fehlt, kann man nur noch schwer auseinanderhalten, wer gerade was gesagt hat. Hilfreich ist hingegen, dass gleichzeitig immer eine Transkription mitläuft.
Eine weitere Besonderheit, die uns auffiel, ist der Hang zu Wortwiederholungen. Ohne erkennbaren Anlass werden einzelne Wörter mehrfach hintereinander gesagt.
Es mag zwar praktisch sein, dass man nicht mehr dauerhaft auf den Bildschirm starren muss, sondern nebenbei andere Dinge erledigen kann und trotzdem noch alles Gesagte mitbekommt. Aber das gilt nur, solange man auf der App bleibt. Sobald man etwas anderes auf dem Telefon machen will oder es gesperrt wird, stoppt die Übersetzung.
Fazit
Auch wenn die Live-Audio-Übersetzung von Google noch an einigen Stellen hakt, ist der praktische Nutzen bereits jetzt enorm. Wer schon immer einmal wissen wollte, was die Durchsagen auf dem Bahnhof im Ausland bedeuten, oder einem Gespräch in einer fremden Sprache folgen will, kann nun den Babelfisch in der Betaversion nutzen.
Derzeit ist die Funktion allerdings noch nicht in Deutschland verfügbar. Sobald sie in der App integriert wird, erscheint ein Hinweis darauf beim Start von Google Translate.
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