Google-Suchergebnisse: Medien beklagen sich über Recht auf Vergessen
Erste Medien bekommen die Auswirkungen des sogenannten Rechts auf Vergessenwerden(öffnet im neuen Fenster) zu spüren. Mehrere internationale Portale zitieren aus von Google verschickten Mitteilungen, laut denen der Suchmaschinenkonzern mehrere Artikel aus Suchergebnislisten entfernt hat.
Hintergrund ist, dass seit einer Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes vom Mai EU-Bürger Verweise auf Inhalte aus den Google-Ergebnislisten entfernen lassen können, wenn sie Persönlichkeitsrechte oder Datenschutz verletzen. Ein Antrag über ein Web-Formular(öffnet im neuen Fenster) mit einer einfachen Begründung reicht dafür. Am ersten Tag nach Inkrafttreten der Regelung hatte Google mehr als 12.000 Anträge erhalten.
Unter den ersten Betroffenen sind Medienhäuser in Großbritannien – der Guardian(öffnet im neuen Fenster) , die Daily Mail(öffnet im neuen Fenster) und die BBC(öffnet im neuen Fenster) . Sie könnten gegen die Löschung nicht vorgehen, sie erhielten auch keine Begründung, hieß es in mehreren Blogposts. Redakteure rätseln über die Hintergründe. Beim Guardian sind drei Artikel betroffen. Sie handeln von einem Schiedsrichter der schottischen Premier League.
Das Widersprüchliche sei, dass die von Google nun unterdrückten Inhalte ja noch immer vorhanden seien, schreibt Reporter James Ball. Über Links in Artikeln fände man sie nach wie vor. Und keiner habe die Artikel beanstandet, weil sie Unwahres enthielten oder fehlerhaft seien.
Ein weiterer der unterdrückten Artikel(öffnet im neuen Fenster) handelt vom Rauswurf eines Investmentbankers bei Merril Lynch, den die Bank wegen rücksichtsloser Investments feuerte. BBC-Wirtschaftsressortchef Robert Peston verdächtigte den Banker zunächst, die Löschung des Artikels aus den Ergebnislisten beantragt zu haben. Er sei die einzige namentlich erwähnte Person.
Damit erschwere das Recht auf Vergessenwerden die öffentliche Meinungsbildung und das Treffen informierter Entscheidungen, beklagt Peston. Jetzt bestätige sich die Befürchtung, das Löschen lasse sich missbrauchen, um das Recht auf Meinungsäußerung zu beschneiden und wahrheitsgetreuen Journalismus zu unterdrücken.
Der Artikel ist jedoch auffindbar, wenn man nur Stan O'Neal, den Namen des Bankers, in die Google-Suche eingibt. In einer späteren Ergänzung schreibt Peston, möglicherweise habe einer der Kommentatoren im Kommentarbereich des Artikels die Löschung bei Google beantragt.
Wie Bücher verbrennen
Auch mehrere Artikel der Daily Mail über den Banker unterdrückt Google, wie der Konzern der Zeitung mitteilte. Redakteur Martin Clarke bezeichnete(öffnet im neuen Fenster) das Recht auf Vergessenwerden als "Unsinn" und verurteilte das Vorgehen Googles. "Das ist, als wenn man in Bibliotheken gehen würde, um Bücher zu verbrennen" , schrieb er.
MailOnline erwägt nun, Listen mit Artikeln zu veröffentlichen, die in den europäischen Suchergebnissen von Google nicht mehr auftauchen. Auch Clarke beklagt, an den unterdrückten Artikeln habe keiner Fehler beanstandet.
Nachtrag vom 3. Juli 2014, 18:15 Uhr
Google erhielt europaweit mehr als 70.000 Anträge auf die Entfernung von Links aus seinen Suchergebnissen. Insgesamt wollen Bürger mehr als 267.000 Links streichen lassen, wie Google am Donnerstag auf Anfrage von Golem.de bestätigte. Aus Deutschland kämen mehr als 12.000 Anträge.
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