Google-Ranking: Wie ein Erpresser einem Onlineshop schadete

Ein Gutachten zeigt, wie das Ranking von Webseiten bei Google negativ beeinflusst werden kann. In Auftrag gegeben wurde es von einem deutschen Onlineshop, der einen Erpresser nicht bezahlte und dafür deutliche Umsatzeinbußen hinnehmen musste.

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Holzspielzeug-Discount.de wurde offenbar wegen tausender Badlinks abgestraft
Holzspielzeug-Discount.de wurde offenbar wegen tausender Badlinks abgestraft (Bild: Holzspielzeug-Discount.de/Screenshot Golem.de)

Das Google-Ranking fremder Webseiten lässt sich offenbar ohne große Hürden schädlich beeinflussen. Das musste die Betreiberin des deutschen Onlineshops Holzspielzeug-Discount.de erfahren, die einem Erpresser nichts zahlen wollte und seitdem massive Umsatzeinbußen erleidet; im Dezember 2011 in Höhe von 60 Prozent und im Januar 2012 von 75 Prozent.

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Kürzlich hat Holzspielzeug-Discount.de das Gutachten eines selbständigen Sachverständigen und Experten für Suchmaschinenoptimierung (SEO) veröffentlicht. Der analysierte die Backlinkstruktur der Domain Holzspielzeug-Discount.de und konnte "eine massive Verlinkung der Seite mit teilweise für Google negativ besetzten Wörtern" feststellen. Die Linktexte enthielten beispielsweise Wörter wie Sex, Porno und Viagra.

Badlinks per Forenspam

Als Linkquellen dienten laut Gutachten überwiegend russische, osteuropäische, arabische und asiatische Foren, in denen der Profilspam oder Forenspam offenbar automatisch generiert wurde. Derartiges wäre mit Tools wie Xrumer möglich. Es wurden mehr als 500 Nutzerprofile und durch mehrfache Verlinkung aus einzelnen Domains tausende der schädlichen Links ("Badlinks") erzeugt.

Zum schlechteren Google-Ranking seit Dezember heißt es: "Es kann vermutet werden, dass dies teilweise durch die massive Verlinkung mit negativ besetzten Wörtern zustande gekommen ist."

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Interessant ist, dass die Links laut Gutachter bereits am 18. November 2011 zwischen 18 und 19 Uhr erzeugt wurden. Der Erpressungsanruf erfolgte jedoch laut Holzspielzeug-Discount.de erst am 6. Dezember 2011 um etwa 10 Uhr morgens. Das lässt darauf schließen, dass der Erpresser erst das Ergebnis der Verlinkungsaktion abwartete.

Der Erpresser konnte bisher laut Suma e.V. nicht identifiziert werden. Und auch eine eindeutige Identifizierung der Ersteller der Forenprofile ist dem Gutachten nach nicht ohne weiteres möglich. Es wurden unterschiedliche Namen, E-Mail-Adressen, ICQ-Nummern und Herkunftsangaben verwendet.

Komplizierte Rehabilitation bei Google

Die schädlichen Links wieder loszuwerden, ist keine einfache Angelegenheit. Es gibt keine direkte Schnittstelle bei Google für solche Angelegenheiten, sondern nur einen Umweg über die Google Webmaster Tools. Dort müsste jeder negativ besetzte Link einzeln identifiziert und anschließend als Spam gemeldet werden.

"Dazu müssen Sie zunächst mit Ihrem Google-Account eingeloggt sein. Anschließend gehen Sie auf die Seite 'Es liegt ein anderes Problem vor' und versuchen, die verlinkende Seite gänzlich aus dem Index auszuschließen", so der Gutachter.

Transparenzforderung

Für den Suma e.V., zu deren Mitgliedern die Holzspielzeug-Discount.de-Gründerin zählt, ist das ein untragbarer Zustand. Es könne "nicht weiterhin so sein, dass in dieser für das wirtschaftliche Überleben von Firmen wesentlichen Frage des Google-Ranking lediglich Orakel und Vermutungen das Sagen haben!", heißt es in einem Suma-Newsletter vom 3. Februar 2012.

Der Suma kritisiert deshalb wiederholt Google, da der Suchmaschinenanbieter selbst in seinen Antworten zu dem Thema vage bleibe. Während es Google für so gut wie ausgeschlossen halte, dass man mit schlechten Links die Position einer Website manipulieren kann, würden SEO-Experten derartiges nicht grundsätzlich ausschließen. Die Erpressungsnachricht wurde in verschiedenen SEO-Foren diskutiert.

Weiter heißt es seitens Suma e.V., dass es möglich werden müsse, "dass in solch entscheidenden wirtschaftlichen Fragen ein Mindestmaß von Transparenz hergestellt wird". Das habe der Suma auch schon gegenüber der Internet-Enquete Kommission des Deutschen Bundestages gefordert und in seinen Leitlinien verankert: "Wenn sich daher Quasi-Monopole für den Wissenszugang etabliert haben, dann müssen die Maßstäbe der Wissensbewertung für solche Monopole transparent gemacht werden: demokratisch legitimierte Kontrollgremien müssen sie überprüfen können."

Im Suma sind auch verschiedene deutsche Suchmaschinenbetreiber und Suchmaschinenoptimierer (SEO) versammelt, die sich laut Vereinszielrichtung für einen freien Zugang zu Wissen einsetzen.

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pholem 21. Feb 2012

Eigentlich wollte ich damit sagen "ja". Und ich hatte in Erinnerung, dass die Verlage...

format 07. Feb 2012

Da werden ja nicht mal formale Selbstverständlichkeiten wie Inhaltsverzeichnis...

cry88 06. Feb 2012

und wie genau soll ne deutsche vorratsdatenspeicherung bei verbrechern helfen, die auf...

Bouncy 06. Feb 2012

Aber genau das ist Google's Bestreben - es ist aktuell nicht immer so, aber es ist das...



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