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Tag 1

Es ist allerdings nicht mehr das originale Android darauf installiert, sondern Version 2.2.1 alias Froyo - ursprünglich kam das Nexus One mit 2.1 (Eclair). Angeblich soll es sich bis auf Version 2.3.6 (Gingerbread) aktualisieren lassen, es gibt sogar Berichte von Nutzern, die im Jahr 2013 Version 4.4 (Kitkat) installiert haben.

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Als Erstes versuche ich, einige Apps herunterzuladen. Dabei fällt mir auf, dass auf dem gelobten AMOLED-Display die Matrix für den Touchscreen zu erkennen ist. Der Bildschirm ist zwar hell, trotzdem kann ich zumindest im Freien nicht allzu viel darauf erkennen - er spiegelt stark und zieht Fingerabdrücke an. Zum Glück ist Winter, da ist es meistens dunkel.

Was mir beim Navigieren durch Homescreens und Menüs auffällt: Die Bildwiederholrate ist niedriger als bei modernen Smartphones. Dadurch wirkt es, als würde das System leicht ruckeln. Das hätte mich vor zehn Jahren absolut nicht gestört, weil damals alle Systeme außer iOS eine wesentlich schlechtere Perfomance aufwiesen. Der Standardbrowser startet in unter einer Sekunde, bis die Golem.de-Seite geladen ist, dauert es ungefähr 4 Sekunden. Das ist für heutige Verhältnisse lang, aber insgesamt reagiert Android fix und wirkt auch im Jahr 2019 nicht träge. Alle Menüs sind schwarz hinterlegt, im Jahr 2010 gab es offenbar nur Dark Mode und nichts anderes.

Market statt Play Store

Da die Version des Android Market auf dem Nexus One nicht mehr funktioniert, will ich versuchen, ihn per Sideloading - also am Appstore vorbei - zu aktualisieren. Dabei ruiniere ich mir zunächst eine 64-Gbyte-SDXC-Karte, weil das Telefon lediglich SDHC beherrscht. Egal: Es funktioniert ohnehin nicht auf Anhieb, weil es keinen Dateibrowser gibt. Zweiter Versuch: Download der APK per Browser, dann direkt starten, unzertifizierte Apps erlauben, presto. Aus dem Store ist jedoch fast nichts mehr installierbar, die Apps sind zu meinem alten Android inkompatibel. Ich frage mich, warum sie trotzdem angezeigt werden.

  • Das Nexus One sieht einem modernen Smartphone eher unähnlich. (Bild: Martin Wolf / Golem.de)
  • Das Gerät wurde von HTC für Google gefertigt. (Bild: Martin Wolf / Golem.de)
  • Natürlich hat das Nexus One eine Klinkenbuchse. (Bild: Martin Wolf / Golem.de)
  • Das Scrollbällchen leuchtet bei Benachrichtigungen auf. (Bild: Martin Wolf / Golem.de)
  • Wir hatten einge Mühe, noch funtkionierende Software zu finden. (Bild: Martin Wolf / Golem.de)
  • Auf der Rückseite ist die einzige 5-Megapixel-Kamera verbaut. (Bild: Martin Wolf / Golem.de)
  • Die Fotos werden aber weder bei Tageslicht ... (Bild: Martin Wolf / Golem.de)
  • ... noch im Dunklen sonderlich gut. (Bild: Martin Wolf / Golem.de)
  • Natürlich lässt sich der Akku wechseln und es gibt einen SD-Kartenslot. Im Jahr 2010 war die Welt noch in Ordnung. (Bild: Martin Wolf / Golem.de)
Wir hatten einge Mühe, noch funtkionierende Software zu finden. (Bild: Martin Wolf / Golem.de)

Merkwürdigerweise wird der Play Store nach einigen Tage nur noch kompatible Programme auflisten. Soweit sind wir aber noch nicht, also weiter Sideloading. Ein Dateibrowser, ein Feedreader, Opera Mini, Angry Birds, aktuellere Versionen von Gmail und Maps landen nach und nach auf dem Nexus One. Von den vorinstallierten Programmen läuft lediglich Facebook noch ohne Probleme. Die Küchenschabe unter den Apps, denke ich.

Nach einer Stunde Installationsmarathon bekomme ich die erste Warnung, dass der Speicher knapp wird. Kein Wunder, 512 MByte sind wirklich wenig. Trotzdem fehlen mir noch einige Apps: ich habe keinen Reddit-Client und ich bekomme es nicht hin, Musik zu streamen. Meine Versuche, diese beiden Probleme per Opera-Mini-Browser zu lösen, scheitern. So kann ich zwei meiner Hauptnutzungsszenarien schon mal nicht abdecken. Fehlt noch Youtube - aber das läuft per Browser.

Mein Bällchen leuchtet

Dafür blinkt das kleine Bällchen unter dem Display plötzlich blau auf - ich habe eine SMS von meiner Frau bekommen. Ich bin entzückt und schreibe ihr, dass sie mein Bällchen zum Leuchten gebracht hat! Sie fragt etwas verstört, ob das eine romantische Anspielung sei? Tatsächlich ist diese Form der Benachrichtigung ziemlich praktisch, weil man sie auch von der Seite erkennen kann, wenn das Telefon auf dem Tisch liegt. Sonderlich viele Nachrichten werde ich aber in den nächsten Tagen ohnehin nicht bekommen, denn meine Messenger-Apps laufen nicht auf dem Nexus One: Signal, Hangouts und Hipchat sind inkompatibel. Das kann man aber wohl kaum dem Smartphone vorwerfen.

Auf der Heimfahrt in der S-Bahn stürzt das Gerät mehrmals ab und startet mit einem freudigen Ton neu. Vielleicht ist der Akku nicht mehr ganz in Ordnung? Andererseits versprechen 1.400 mAh Kapazität auch keine Langläuferqualitäten. Dafür lädt er in 20 Minuten 20 Prozent auf - und das ohne Fast-Charging. Hätte mir mein Freund damals statt seines Motorola-Knochens das Nexus One gezeigt, wäre ich definitiv begeistert gewesen.

Abends spiele ich im Bett noch etwas mit dem Telefon und bemerke, dass sich das Bällchen zum Scrollen in Webseiten eignet. Leider wird ein kleiner Mauszeiger eingeblendet, der bei dem winzigen Display schon mal einige Buchstaben überdeckt. Ich freue mich schon darauf, was ich morgen noch alles entdecken werde und finde das Retro-Smartphone gerade um einiges spannender als jedes moderne Gerät, das ich in den vergangenen Monaten in den Händen hatte.

 Android-Smartphone: 10 Jahre in die Vergangenheit in 5 TagenTag 2 und 3 
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