Lob vom KI-Trainer
Ohne Premium (also nur mit dem Kauf von Fitbit Air) bekommen Nutzer viele Funktionen. Dazu gehören Schritte, Distanz, Schlafanalyse, Ruhepuls, HRV, Atemfrequenz, Sauerstoffsättigung, Aktivitätserkennung und Ernährungstracking inklusive Kalorien, Fett, Eiweiß und Kohlenhydraten – keine Ballaststoffe.
Lebensmittel lassen sich per Barcode oder manuell eintragen. Wer einfach nur seine Vitalwerte möglichst unkompliziert und unauffällig erfassen möchte, kann Fitbit Air deshalb auch komplett ohne Abo sinnvoll nutzen.
Mit Premium wird aus der Plattform ein KI-Coach-System. Google liefert personalisierte Trainingspläne, deutlich ausführlichere Schlafanalysen, proaktive Gesundheits-Insights und den eigentlichen Google Health Coach. Dieser analysiert langfristige Trends, bewertet Belastung und Erholung und versucht daraus konkrete Empfehlungen abzuleiten.
Premium bedeutet also nicht einfach mehr Statistiken, sondern praktisch den Zugriff auf die gesamte KI-Ebene der Plattform. Genau hier konkurriert Google direkt mit Whoop MG.
Hey, ich bin echt gut!
Während Whoop teilweise fragwürdige Werte wie Bioalter oder Beta-Blutdruckschätzungen präsentiert, bleibt Google etwas näher an nachvollziehbaren Gesundheitsdaten. Der Coach erkennt beispielsweise einen auffällig niedrigen Ruhepuls nach mehreren Trainingstagen oder weist nachvollziehbar auf Erholung hin.
Der KI-Coach fällt außerdem durch seinen Tonfall auf. Google formuliert auffallend positiv, motivierend und teilweise fast schon menschlich. Nach anstrengenden Tagen gibt es Lob, kleine Aufmunterungen oder eben Sätze wie den Hinweis, dass jetzt die Couch der wichtigste Ort sei. Das wirkt manchmal fast etwas kitschig, hebt sich aber angenehm von vielen anderen Fitnessplattformen ab.
Gerade Garmin zeigt oft das Gegenteil. Dort absolvieren wir eine lange Wanderung oder harte Trainingseinheit und bekommen anschließend trocken mitgeteilt, die "Trainingsbelastung ist ausreichend". Sachlich mag das korrekt sein, motivierend wirkt es aber selten.
Google versteht offensichtlich besser, dass Gesundheits- und Fitnessplattformen eben nicht nur Zahlen liefern, sondern Nutzer auch emotional abholen sollen.
Der Coach übertreibt allerdings manchmal mit seinem Kontextverständnis. Während einer Tour in den Alpen erkannte die KI etwa eine "Schneewanderung" und gratulierte – obwohl ich unten bei Hochsommertemperaturen schwitzte und Schnee nur weit oben lag. Das wirkt eher amüsant als problematisch, zeigt aber, wie aggressiv die Plattform Wetter- und Standortdaten interpretiert.
Auch manche abgeleiteten Fitnesswerte wirken derzeit noch unausgereift. Besonders auffällig war die Kalorienberechnung. Während Garmin für unsere Tour knapp 400 Kilokalorien schätzte, kam Google auf fast 1.200 Kilokalorien. Das erscheint deutlich zu hoch.
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