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Google Fotos ausprobiert: Gute Suche, abgespeckte Bildbearbeitung

Googles neue Fotos-App ist von Google+ getrennt. Sie bringt neue Optionen wie die Suche nach Motiven und den unbeschränkten Upload großer Bilder. Wir haben aber auch einiges auszusetzen.
/ Tobias Költzsch
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Google hat auf der I/O seine neue Fotos-App veröffentlicht. (Bild: Golem.de)
Google hat auf der I/O seine neue Fotos-App veröffentlicht. Bild: Golem.de

Wie im Vorfeld bereits spekuliert wurde, hat Google auf der diesjährigen Entwicklerkonferenz Google I/O seine überarbeitete Fotos-App vorgestellt . Es gibt eine neue App für Android(öffnet im neuen Fenster) und iOS(öffnet im neuen Fenster) , zudem ist der jetzt von Google+ getrennte Dienst auch über ein Web-Interface(öffnet im neuen Fenster) erreichbar. Die neue App hat neben einigen neuen, guten Funktionen auch ein paar Nachteile, wie Golem.de im ersten Test festgestellt hat.

Nach der Installation synchronisiert die neue Fotos-App erst einmal den vorhandenen Fotobestand. Wer seine Bilder nicht synchronisieren lassen möchte, kann dies natürlich auch ablehnen. Wir haben bereits beim Vorgänger eingestellt, dass nur Kamerabilder hochgeladen und angezeigt werden sollen; diese Einstellung hat die neue App übernommen. Wer möchte, dass etwa auch Fotos aus dem Whatsapp-Ordner in der Cloud gesichert und in der App angezeigt werden, kann dies einfach über die Seitenleiste einstellen, die ähnlich aussieht wie bei der vorigen Fotos-App.

Neu ist die Möglichkeit, unbegrenzt Bilder bis zu einer Größe von 16 Megapixeln und Videos in Full-HD-Auflösung in Googles Cloud hochzuladen, ohne dass sie verkleinert werden, wie es vorher der Fall war. So können insbesondere große Smartphone-Bildsammlungen jetzt in unveränderter Qualität gespeichert werden. Als bei uns die Synchronisation startete, wunderten wir uns über die Anzahl der zu synchronisierenden Bilder: Googles neue Fotos-App hat uns direkt nach dem Start über 3.000 zu synchronisierende Fotos angezeigt – obwohl wir nur knapp 900 auf dem Smartphone haben. Grund dafür ist, dass die bisher bei Google gespeicherten Bilder in die Rechnung miteinbezogen werden.

Erste Synchronisierung dauert lang

Der erstmalige Synchronisierungsprozess hat bei uns lange gedauert: Erst im Laufe der Nacht hat die App ihre Aufgabe beendet. Ist erst einmal alles synchronisiert, funktioniert der Abgleich etwa zwischen dem Android-Smartphone und dem Web-Interface sehr schnell: Bearbeiten wir ein Foto im Browser, erscheint die neue Version umgehend auf unserem Smartphone.

Foto-Übersicht ähnelt der von iOS

Von der Aufmachung her ist die neue Fotos-App in drei Hauptbildschirme geteilt: den Assistenten, die Foto-Übersicht und die Sammlungen. Der Assistent gibt Hinweise in Form von Karten, die wie bei Google Now weggewischt werden können. Dies betrifft Einstellungsmöglichkeiten, den aktuellen Upload-Status, aber auch Vorschläge zu neuen Geschichten, wenn der Nutzer etwa Fotos während einer Reise macht.

Die Foto-Übersicht ähnelt jetzt etwas dem Layout der Galerie von iOS: Per Zwei-Finger-Geste können Nutzer in die Sammlung hinein- und herauszoomen, entsprechend ändert sich die Sortierung von Tagen zu Monaten und Jahren. So ist es einfach, auch bei großen Sammlungen den Überblick zu behalten. Geschichten und Filme lassen sich jetzt einfach und übersichtlich selbst anlegen. Dazu muss der Nutzer nur die beispielsweise in der Geschichte gewünschten Fotos markieren und eine neue Geschichte erstellen.

Gute Suche mit automatischer Erkennung

Google legt bei der neuen Version Wert auf das einfache Verwalten und Auffinden von Fotos. Dazu steht eine Suchfunktion zur Verfügung, die Bildinhalte automatisch erkennt und findet. Einige Suchbegriffe stellt die Anwendung automatisch zur Verfügung, in unserem Fall beispielsweise Hunde, Berge oder Essen sowie verschiedene geografische Orte. Der Nutzer kann aber auch nach eigenen Begriffen suchen: Geben wir etwa Strand ein, bekommen wir tatsächlich Bilder von Stränden zu sehen, die wir vor Monaten in Florida aufgenommen haben.

Die Suche funktioniert erstaunlich gut, ganz zuverlässig ist sie aber noch nicht: So wird uns in der Rubrik Essen auch der verbundene Finger eines Freundes angezeigt oder ein Fahrrad mit einer Pflanze auf dem Gepäckträger. Andere Rubriken finden teilweise viel zu wenige Fotos – offenbar ist die Funktion noch ausbaufähig. Ist ein Foto falsch einsortiert, können wir die Rubrik manuell ändern – wenngleich dies nicht besonders intuitiv ist: Das betreffende Foto muss markiert werden, anschließend müssen wir auf die Zahl am oberen Rand des Displays klicken. Jetzt können wir die Rubrik ändern und einfach eine neue eingeben. Dies funktioniert auch mit Orten.

Das Retagging funktioniert aber nur, wenn das Foto direkt aus einer Suchrubrik angewählt wird. Aus der normalen Fotoübersicht heraus können wir keine Tags vergeben. Diese manuelle Option vermissen nicht nur wir, auch zahlreiche Nutzer erwähnen diesen Punkt im Play Store als Nachteil.

Bildbearbeitung stark vereinfacht

Ein weiterer Kritikpunkt an der neuen App ist die Bildbearbeitung: Google hat das Bearbeitungsmenü für Fotos stark überarbeitet und vereinfacht. Mit den angebotenen Optionen lassen sich immer noch gut Bilder bearbeiten, wir erhalten auch mit der automatischen Verbesserung merklich schönere Fotos. Auch Filter stehen wieder zur Verfügung. Die Bearbeitungsoptionen wurden aber insgesamt stark eingeschränkt.

Deutlich weniger Möglichkeiten bei den Werkzeugen

So steht jetzt etwa nur noch ein Schieberegler für den Kantenkontrast zur Verfügung, der ein Bild knackiger macht; Google nennt diese Option Pop. Bei der vorigen Fotos-App konnten hier noch verschiedene Grundoptionen ausgewählt werden, die sich auf die Stimmung des Bildes auswirkten. Zudem ist es nicht mehr möglich, im gleichen Bearbeitungsschritt beispielsweise die Sättigung anzupassen.

Auch lokalisierte Bearbeitungen sind nicht mehr möglich. So können wir zum Beispiel nicht mehr nur Teile des Bildes aufhellen oder weichzeichnen – ein Weichzeichner fehlt sogar komplett. Zwar ist zu bedenken, dass die jetzt veröffentlichte Fotos-App nur die erste Version ist, trotzdem ist die stellenweise Entrüstung im Play Store über die fehlenden Optionen verständlich. Verglichen mit der alten Fotos-App ist die Bildbearbeitung in der neuen weniger leistungsfähig. Dies mag Nutzer, denen die Editieroptionen in der Vorgängerversion zu kompliziert waren, freuen; für Anwender, die die Bearbeitungswerkzeuge gerne genutzt haben, ist die neue Fotos-App ein Rückschritt.

Fazit

Googles neue Fotos-App macht einiges anders als der Vorgänger. Viele neuen Funktionen gefallen uns gut, wie etwa die Suchfunktion und die übersichtliche Ansicht der Fotosammlung. Auch die Möglichkeit, Bilder jetzt bis zu einer Größe von 16 Megapixeln unverkleinert in Googles Cloud zu speichern, finden wir praktisch.

Allerdings gibt es auch noch berechtigte Kritik: Das umständliche Umetikettieren der Fotorubriken und das Fehlen einer einfachen Tagging-Möglichkeit stören uns. Den Grundgedanken hinter der Vereinfachung der Bildbearbeitung können wir erkennen: Nutzern soll es leichter gemacht werden, ihre Bilder zu bearbeiten. Dass dabei allerdings die bisherigen umfassenden Optionen derart auf der Strecke bleiben, ist für uns unverständlich.

Die neue Fotos-App ist erst in der ersten Version erschienen. Es ist denkbar, dass Google in den nächsten Versionen auf Kritik reagiert und einiges verändert. Google schlägt mit der App die richtige Richtung ein; an den Details kann allerdings noch gefeilt werden.


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