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Google, Facebook & Co.: Konzerne lenken 40 Prozent der Gewinne in Steuerparadiese

Multinationale Konzerne verlagern einen großen Teil ihrer Gewinne in Steueroasen, wie Ökonomen herausgefunden haben. Die EU ist dabei die große Verliererin.

Ein Bericht von Norbert Häring/Handelsblatt veröffentlicht am
Bermuda gehört zu den Steuerparadiesen.
Bermuda gehört zu den Steuerparadiesen. (Bild: South Shore/CC-BY 2.0)

Die Körperschaftsteuer ist keine sehr einträgliche Steuer. Und das, obwohl der Anteil der Gewinne am Volkseinkommen zulasten der Arbeitnehmer immer weiter steigt. Im Jahr 2016 brachte sie dem deutschen Fiskus 27 Milliarden Euro. Lohnempfänger zahlten direkt 184 Milliarden Euro und als Verbraucher 217 Milliarden Euro an Umsatzsteuern.

Inhalt:
  1. Google, Facebook & Co.: Konzerne lenken 40 Prozent der Gewinne in Steuerparadiese
  2. Steuerverlagerung verzerrt Wirtschaftsstatistiken

Seit den 80er Jahren versuchen immer mehr Unternehmen, ihre Gewinne dort zu versteuern, wo besonders geringe Steuersätze greifen. Auch in Reaktion darauf wurden die Sätze der Unternehmenssteuern in den letzten Jahrzehnten fast überall massiv gesenkt. Von 1985 bis 2018 fiel der weltweite Durchschnittssatz von knapp 50 Prozent auf nur noch 24 Prozent. Erst vor Kurzem haben die USA ihren Satz von 35 auf 21 Prozent gesenkt.

Ein dänisch-amerikanisches Ökonomentrio hat nun in einem Arbeitspapier ermittelt, welches Ausmaß die Gewinnumlenkung zur Steuervermeidung inzwischen angenommen hat. Thomas Tørsløv und Ludvig Wier von der Copenhagen Business School und dem dänischen Finanzministerium, sowie Gabriel Zucman von der Universität Berkeley in Kalifornien machten sich dafür zunutze, dass die meisten Steuerparadiese auf Druck der Industrieländer dazu übergegangen sind, aggregierte Daten zu veröffentlichen, aus denen sich ablesen lässt, wie hoch die deklarierten Gewinne von Unternehmen in ausländischem Besitz sind.

Diese Gewinne klassifizierten die Ökonomen nicht per se als steuerflüchtig. Sie verglichen die Relation von Gewinnen zu Kapital- und Arbeitseinsatz mit den entsprechenden Relationen bei heimischen Firmen und von Firmen in anderen Ländern. Nur die über das Normalmaß hinausgehenden Gewinne klassifizierten sie als verlagert aus steuerlichen Gründen.

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Sie finden spektakuläre Relationen. In normalen Ländern sind ausländische Unternehmen systematisch weniger profitabel als die einheimischen. In Steuerparadiesen wie Irland oder Bermuda ist das Gegenteil der Fall. Dort machen bei heimischen Unternehmen die Gewinne 30 bis 40 Prozent der Lohnsumme aus. Bei ausländischen Firmen ist es ein Vielfaches. In Irland zum Beispiel betragen die erklärten Gewinne der ausländischen Unternehmen das Achtfache von deren Lohnsumme.

Insgesamt, so schätzen die Autoren, verlagern multinationale Unternehmen rund 40 Prozent ihrer Gewinne künstlich in Steueroasen. Ein Blick auf einige amerikanische Unternehmen unterfüttert das. So habe Apple 2016 immerhin 19 Milliarden Euro Gewinn auf der kleinen Karibikinsel Bermuda gemacht, wo das Unternehmen fast kein physisches Kapital und fast keine Beschäftigten hat. Aber der Steuersatz liegt bei null Prozent. Die bekannten Gesamtgewinne von Facebook, Google und Nike ließen sich allenfalls zu kleinen Bruchteilen Konzernunternehmen in bestimmten Ländern zuordnen, und zwar hauptsächlich aus dem Grund, dass die nötigen Informationen in Steuerparadiesen nicht verfügbar sind.

Mithilfe der Zahlungsbilanzstatistik verfolgen die Autoren die in den Steueroasen deklarierten Gewinne zu Ländern zurück, in denen sie tatsächlich erwirtschaftet wurden, und zu Niederlassungen in den Steueroasen. Ersteres gelingt anhand der statistischen Spuren der konzerninternen Verrechnungen, die getätigt werden, um die Gewinnverlagerung zu bewerkstelligen.

Wenn etwa Gewinne aus dem Geschäft in Deutschland nach Irland verlagert werden sollen, stellt das irische Konzernunternehmen dem deutschen hohe Lizenzgebühren oder Zinsen für interne Kredite in Rechnung. Das schlägt sich als Dienstleistungsexporte Irlands nach Deutschland und in den aus Deutschland erhaltenen Zinszahlungen nieder. Das Land derer, dem die verlagerten Gewinne eigentlich zustehen, ermitteln die Datendetektive anhand der statistischen Ströme von Erträgen aus Direktinvestitionen. Sie fließen aus Steueroasen wie Irland in andere Länder, also gezahlte Dividenden und reinvestierte Gewinne.

Das Ergebnis ist, dass die EU-Staaten etwa ein Fünftel ihrer Körperschaftsteuereinnahmen verlieren, weil Gewinne künstlich in Steueroasen verlagert werden. Und das ist nur der direkte Effekt. Der indirekte Effekt aus den zur Begrenzung der Steuerflucht gesenkten Steuersätzen ist darin nicht enthalten. Bei den Betrachtungen der Einzelfälle stellte sich heraus, dass die multinationalen US-Konzerne besonders umtriebige Steuerflüchtlinge sind.

Steuerverlagerung verzerrt Wirtschaftsstatistiken 
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phade 11. Jul 2018 / Themenstart

Wenn man sich über die abnormen Gewinne dieser multinationalen Unternehmen aufregt...

Apfelbaum 10. Jul 2018 / Themenstart

Aber so ein Gewaltvorgehen kostet auch Opfer. Und man wäre technisch und militärisch den...

treysis 10. Jul 2018 / Themenstart

Was der Kunde mehr zahlen muss, kann die Firma weniger verlangen.

mvg 10. Jul 2018 / Themenstart

@letz: Geringverdiener mit mehreren Jobs gibts hier auch genug und ich hab nie gesagt...

letz 10. Jul 2018 / Themenstart

Auf jeden Fall. Es sind ja auch nicht die Kleinen, die soviel Mist anrichten. Wenn man...

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