Steuerverlagerung verzerrt Wirtschaftsstatistiken

Das Ausmaß der Gewinnverlagerungen ist so groß, dass nicht nur in den Steueroasen die Wirtschaftsstatistiken dadurch massiv verzerrt werden. In Irland haben die Schwankungen des Wirtschaftswachstums im teilweise mehr als zweistelligen Prozentbereich inzwischen dazu geführt, dass die Statistiker zusätzlich ein um die Effekte der Gewinnverlagerungen bereinigtes Bruttoinlandsprodukt berechnen. In anderen Ländern gibt es auch die entsprechenden Gegeneffekte, die in den Statistiken aber verteilter auftreten.

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In Deutschland zum Beispiel war nach den Berechnungen des Ökonomentrios der Anteil der Kapitaleinkommen am Volkseinkommen 2015 mit 31 Prozent um zwei Prozent höher als ausgewiesen. Für Europa insgesamt ermitteln sie, dass der Anstieg des Kapitalanteils sei Anfang der 90er Jahre doppelt so kräftig war wie in den offiziellen Statistiken ausgewiesen. Der deutsche Handelsüberschuss, der ja durch imaginäre Dienstleistungsimporte aus Steueroasen gedrückt wird, war danach 2015 mit 9,2 Prozent um 1,2 Prozentpunkte höher als in der offiziellen Statistik. Dabei bezeichnen die Autoren ihre Schätzungen der Gewinnverlagerungen als "konservativ".

Zucman und seine Koautoren haben auch eine Erklärung, warum die Steuerbehörden dem Treiben scheinbar tatenlos zusehen. Ihre Auswertung zeigt, dass in den meisten Streitfällen gar keine Steueroasen involviert sind. Sie erklären das damit, dass es für die Steuerbehörden erheblich leichter ist, Gewinne zu reklamieren, die möglicherweise zu Unrecht einem anderen Normalsteuerland überwiesen wurden, als wenn der Gegenpart ein Steuerparadies ist. Es gibt im ersten Fall die nötigen Informationen und eingespielte Verfahren, im zweiten nicht. Außerdem zeigt sich sehr viel mehr Widerstand von den betroffenen Unternehmen, wenn die Steuerzahlung an eine Steueroase infrage gestellt wird, und sehr viel weniger Kooperation vom Empfängerland. Dabei wäre es unter Wettbewerbsgesichtspunkten besonders wichtig, der Gewinnverlagerung in Niedrigsteuerländer zu begegnen. Denn sie bewirkt, dass heimische kleine und mittelgroße Unternehmen erheblich mehr Steuern zahlen als konkurrierende international tätige Konzerne. Dadurch geraten sie in einen Wettbewerbsnachteil.

Trotzdem gehört die Bundesregierung nicht gerade zu den Vorreitern für gesetzliche Gegenmaßnahmen. Diskutiert wird zum Beispiel, den Unternehmen vorzuschreiben, dass sie ihre Steuerzahlungen nach Empfängerländern aufschlüsseln, oder Konzerngewinne nach Umsatzanteilen auf beteiligte Länder aufzuteilen.

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Man kann mutmaßen, dass das an der Sorge liegt, andere Länder, auch Entwicklungs- und Schwellenländer, könnten sich dann einen größeren Teil des Steuerkuchens aus den Auslandsgeschäften deutscher Unternehmen holen.

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 Google, Facebook & Co.: Konzerne lenken 40 Prozent der Gewinne in Steuerparadiese
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phade 11. Jul 2018

Wenn man sich über die abnormen Gewinne dieser multinationalen Unternehmen aufregt...

Apfelbaum 10. Jul 2018

Aber so ein Gewaltvorgehen kostet auch Opfer. Und man wäre technisch und militärisch den...

treysis 10. Jul 2018

Was der Kunde mehr zahlen muss, kann die Firma weniger verlangen.

mvg 10. Jul 2018

@letz: Geringverdiener mit mehreren Jobs gibts hier auch genug und ich hab nie gesagt...

letz 10. Jul 2018

Auf jeden Fall. Es sind ja auch nicht die Kleinen, die soviel Mist anrichten. Wenn man...



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