Google: Chromebooks für Linux-Bastler
Auf Googles Chromebooks wird neben der GPL-lizenzierten Firmware Coreboot noch viel weitere freie Software verwendet: der Linux-Kernel, der X.org-X-Server und natürlich Eigenentwicklungen aus dem Chromium-Projekt(öffnet im neuen Fenster) . Das ist für die einen ein Segen, für andere ein Fluch. Auf dem Linuxtag haben wir mit dem Linux-Entwickler Matthew Garrett und Beteiligten des Coreboot-Projekts über Vor- und Nachteile der Chromebooks aus Sicht der Programmierer gesprochen.

Freiheit statt Sicherheit?
Obwohl auf den Chromebooks Coreboot statt UEFI als Firmware verwendet wird, führen die Laptops zunächst nur Code aus, der von Google signiert ist. Das ist für Garrett durchaus vergleichbar mit der UEFI-Funktion Secure Boot, an deren Linux-Unterstützung er gearbeitet hat.
Die Geräte seien wohl darauf ausgelegt, vermutet Garrett, etwa unter Mitarbeitern austauschbar zu sein und alle Daten in Googles Cloud zu speichern. Könnte ein Nutzer schnell und einfach selbst signierte Software starten, wäre dies ein Sicherheitsrisiko in dem intendierten Nutzungsszenario.
Um dennoch jede beliebige Software auf den Chromebooks ausführen zu können, lassen sich diese in den sogenannten Developer-Modus versetzten. Das erzwingt Garrett zufolge von Nutzern aber eine schwierige Entscheidung, denn Google erlaube "entweder Freiheit oder Sicherheit, nicht beides."
Völlig zutreffend ist diese Beschreibung nicht, das weiß auch Garrett. Eigene Schlüssel lassen sich zwar in der Chromebook-Firmware hinterlegen, das ist jedoch alles andere als einfach und benutzerfreundlich. Denn zuvor sei es notwendig, die Laptops auseinander zu schrauben und die Position eines Jumpers auf dem Mainboard zu verändern, um Schreibzugriff auf einen Teil der Firmware zu bekommen, sagte Garrett im Interview.
Einfache Frickelei
Im Fokus der Kritik Garretts steht also der zu hohe Schwierigkeitsgrad für Nutzer, wenn sie jene Software auf den Chromebooks ausführen, die sie wollen, und gleichzeitig Funktionalität wie die Sicherheit durch signierte Software nicht verlieren wollen.
Einer der Coreboot-Entwickler, der nicht namentlich genannt werden wollte, sagte zu Golem.de, dass er das Argument schwer nachvollziehbar finde. Wolle ein Nutzer eigene Software ausführen, müsse er das Gerät lediglich in den Developer-Modus versetzen, um zum Beispiel Root-Zugriff zu erlangen.
Auf dem ARM-Chromebook von Samsung lassen sich so etwa Distributionen wie Ubuntu oder Opensuse(öffnet im neuen Fenster) als Dual-Boot einrichten. Auf x86-basierten Chromebooks wie dem Pixel ist mit Seabios(öffnet im neuen Fenster) sogar eine Bios-Emulation enthalten, wodurch sich nahezu jede Distribution starten lassen sollte. Noch einfacher sei, die Chroot-Umgebung Crouton(öffnet im neuen Fenster) zu benutzen. Das so auf dem Chromebook genutzte Ubuntu verwendet dann etwa Kernel- und X-Server-Treiber des Chromebooks, was zum Beispiel die Nutzung des Pixel Touchscreens einfach ermöglicht.
Die Coreboot-Entwickler wissen selbstverständlich auch um die Sicherheitsrisiken, die der Developer-Modus birgt. Diesen zu entgehen, sei aber einfach, dazu müsse das Gerät lediglich wieder in den Normzustand zurückversetzt werden. Er kenne sogar einige Entwickler, die dies exakt so handhaben, etwa wenn sie in ein anderes Land verreisten, sagte uns der Coreboot-Entwickler.
Die gegenseitigen Argumente zeugen von verschiedenen Sichtweisen der Computernutzer. Garrett vertritt eher die ethischen Grundideen der freien Software, Nutzern möglichst einfach Hoheit über ihre Geräte zu ermöglichen. Den Coreboot-Beteiligten scheint das nicht so wichtig, solange die Software frei zur Verfügung steht. Wollen Interessierte an den Chromebooks herumbasteln, haben sie die Möglichkeit dazu, wie Coreboot oder andere Projekte beweisen. Erklärungen dazu bietet zudem Google selbst auf den Seiten von Chromium-OS(öffnet im neuen Fenster) .
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