Google: Chinesische Suchmaschine Dragonfly ist faktisch beendet

Das wichtigste Werkzeug darf nicht mehr genutzt werden, das Team wird verkleinert: Google fährt die Arbeit an der chinesischen Suchmaschine Dragonfly stark zurück. Intern wird davon ausgegangen, dass das Projekt damit beendet ist.

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Demonstration gegen Google und Dragonfly (Ende November in Madrid): Die Entwickler erstellten eine Liste mit blockierten Websites.
Demonstration gegen Google und Dragonfly (Ende November in Madrid): Die Entwickler erstellten eine Liste mit blockierten Websites. (Bild: Oscar del Pozo/AFP/Getty Image)

Das war es dann wohl mit Dragonfly: Google hat eine chinesische Website und ein System zur Datenanalyse geschlossen. Beide waren wichtige Komponenten für die Entwicklung von Googles neuer chinesischer Suchmaschine Dragonfly. Diese dürfte sich damit erledigt haben.

Google hatte 2008 die Website 265.com gekauft, auf der Nutzer unter anderem Nachrichten, Börsenkurse, Horoskope sowie Reiseanzeigen finden. Außerdem hat die Seite eine Suchmaske, die Suche wird allerdings an die Suchmaschine Baidu weitergeleitet.

Google habe aber die Suchmaske zur Erforschung des Nutzerverhaltens benutzt, berichtet das US-Onlinemagazin The Intercept. Die Stichworte seien gespeichert worden, um auszuwerten, wonach chinesische Internetnutzer suchen. Anschließend hätten sie die Ergebnisse ihrer eigenen Suche mit den Ergebnissen aus China verglichen, um zu sehen, welche Websites in China blockiert sind.

Eine Zensurliste für den Prototyp

Auf diese Weise hätten die Entwickler eine Liste mit mehreren Tausend in China blockierten Websites erstellt. Darauf basierend sei dann der Prototyp von Dragonfly entstanden, sagten zwei Quellen bei Google dem Onlinemagazin. Darin tauchten die gelisteten Seiten nicht auf.

Daraufhin gab es intern Proteste. Mitglieder von Googles Datenschutz-Team seien sehr verärgert gewesen und hätten sich an das Google-Management gewandt. Das habe daraufhin den Dragonfly-Entwicklern die Nutzung der Daten von 265.com untersagt, teilten die beiden Quellen mit.

Die Dragonfly-Entwickler seien angewiesen worden, andere Quellen für Suchen auf Chinesisch zu nutzen, etwa aus den USA oder Malaysia. Die unterschieden sich aber stark von Suchen in Festlandchina, entsprechend seien die Datensätze auch schlechter, mit denen die Entwickler arbeiten müssten.

Google zieht Entwickler aus dem Dragonfly-Team ab

Die Daten von 265.com seien sehr wichtig für die Entwicklung von Dragonfly. Dass die Daten nicht mehr genutzt werden dürften, habe den Fortschritt an der chinesischen Suchmaschine stark behindert, sagte eine der Quellen. Zudem habe Google das Dragonfly-Team verkleinert und diverse Entwickler in andere Teams versetzt. Damit sei, so sagen beide Quellen, die Arbeit an der umstrittenen chinesischen Suchmaschine praktisch beendet.

Im August war bekanntgeworden, dass Google eine neue Suchmaschine für China plant, die nach den Vorgaben der Behörden Suchergebnisse zensiert. Die für Mobilgeräte entwickelte Suche Dragonfly sollte sogar eine Suchanfrage mit der Telefonnummer des Nutzers verknüpfen. 2010 hatte das Unternehmen sein chinesisches Angebot abgeschaltet, weil es Suchergebnisse nicht mehr filtern wollte.

Über Details zu Dragonfly schweigt Google beharrlich. Die neuen China-Pläne hatten bereits die Politik alarmiert. In der vergangenen Woche musste Google-Chef Sundar Pichai zu einer Anhörung ins US-Parlament. Auch intern hatte das Projekt Proteste ausgelöst. Google-Angestellte hatten kürzlich gefordert, das Projekt zu beenden.

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