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Google Books: Google setzt sich im Streit mit Autoren durch

Im jahrelangen Rechtsstreit mit Autoren hat Google einen wichtigen Sieg errungen. Für Google Books dürfen Auszüge aus Büchern im Netz gezeigt werden. Die Begründung ist zum Teil überraschend. Der Deutsche Kulturrat kritisierte das Urteil.

Artikel veröffentlicht am ,
Erspart manchen Gang in die Bibliothek: Büchersuche mit Google Books
Erspart manchen Gang in die Bibliothek: Büchersuche mit Google Books (Bild: Justin Sullivan/Getty Images)

Für seinen 2004 gegründeten Dienst Google Books darf der Internetkonzern ohne Zustimmung der Autoren Bücher einscannen und Auszüge daraus veröffentlichen. Das hat das Bezirksgericht von New York am Donnerstag entschieden und damit Google in einem seit 2005 währenden Rechtsstreit recht gegeben. Nach Ansicht von Richter Denny Chin liefert Google mit seinem Dienst "bedeutenden öffentlichen Nutzen". Er diene dem Fortschritt von Kunst und Wissenschaft und nehme respektvoll Rücksicht auf die Rechte der Autoren. Google soll in Kooperation mit Bibliotheken bislang 20 Millionen Bücher eingescannt haben.

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Google hatte in dem Fall stets argumentiert, dass sein Dienst lediglich "Schnipsel" der eingescannten Werke darstelle und deren Darstellung durch das Gebot des "Fair Use" erlaubt sei. Diese "angemessene Verwendung" umfasst das deutsche Zitierrecht und die Nutzung von Werken für wissenschaftliche Zwecke. Das US-Recht sieht vor, dass der "Fair Use" nach vier Kriterien beurteilt wird, darunter die Frage, ob er zu kommerziellen oder nichtkommerziellen Zwecken geschieht. Nach Ansicht von Richter Chin wird diese "angemessene Verwendung" nicht dadurch eingeschränkt, dass Google ein kommerzielles Unternehmen ist und durch die Büchersuche Nutzer auf seine Seiten bringen will. Auch die Art der geschützten Werke, in diesem Falle Bücher, spräche nicht gegen die Darstellung bei Google Books. Für die Einschätzung von "Fair Use" muss auch das Verhältnis vom zitierten Ausschnitt zum Umfang des Gesamtwerks gewertet werden. Der Richter sieht es eher kritisch, dass Google alle Bücher komplett einscannt. Für das Unternehmen spreche hingegen, dass nur Auszüge dargestellt würden.

Das vierte Kriterium ist höchst umstritten: Dabei geht es um die Frage, ob der Marktwert eines Werkes durch "Fair use" beeinträchtigt wird. Nach Ansicht der Kläger, darunter der frühere Baseball-Spieler Jim Bouton, leidet der Verkauf von Büchern darunter, dass die Leser schon große Auszüge des Buches im Internet finden können. Zudem bestehe die Möglichkeit, durch veränderte Suchanfragen aus unterschiedlichen Schnipseln das Gesamtwerk zusammenzusetzen. Diesen Einwand ließ der Richter nicht gelten. Google verkaufe seine Scans nicht und die Scans könnten auch kein Buch ersetzen. Es sei auch nicht sehr wahrscheinlich, dass sich ein Nutzer aus zahlreichen Suchanfragen das gesamte Buch zusammenkopiere. Dazu müsste er ohnehin den kompletten Inhalt des Buches kennen.

Richter: Google Books fördert den Verkauf

Das Gericht ist sogar der gegenteiligen Überzeugung. Die Suche diene dazu, die Bücher überhaupt bekanntzumachen, was ein wichtiger Faktor sei, um ein Werk verkaufen zu können. Gerade das vierte Kriterium spreche daher stark für eine Einschätzung als "Fair use". Chins Einschätzung wird dadurch unterstützt, dass die Verlage in Deutschland beispielsweise Google Books ausgiebig nutzen, um ihre Werke darin auszugsweise als "Leseprobe" zu präsentieren. Üblich ist etwa, vollständige Passagen eines Buches anzeigen zu lassen. Dies umfasst je nach Verlag und Absprache beispielsweise 10 oder 20 Prozent eines Werkes. Von den übrigen Seiten werden dann nur noch "Snippets" angezeigt.

Google begrüßte das Urteil: "Das war ein langer Weg und wir sind absolut erfreut über die heutige Entscheidung", teilte der Konzern laut Medienberichten mit. Ein Vertreter der Autorengilde, die ebenfalls gegen Google geklagt hatte, zeigte sich hingegen enttäuscht. "Diese massenhafte Digitalisierung und Ausnutzung übersteigt bei weitem die Grenzen der angemessenen Verwendung", sagte deren Direktor Paul Aiken. Er kündigte an, das Urteil anfechten zu wollen. Sollte das Urteil das Berufungsverfahren überstehen, könnte dies Google auch hohe finanzielle Entschädigungen ersparen. Die Autorengilde hatte laut Reuters ein Honorar von 750 Dollar gefordert, was eine Gesamtforderung von drei Milliarden Dollar für Google bedeutet hätte.

Nachtrag vom 15. November 2013, 18:00 Uhr

Beunruhigt von dem Urteil zeigte sich der Spitzenverband der Bundeskulturverbände, der Deutsche Kulturrat. "Es ist schon naiv zu denken, dass die Digitalisierungskrake Google aus rein altruistischen Motiven Millionen von Büchern einscannt und der Menschheit kostenfrei zur Verfügung stellt", sagte dessen Geschäftsführer Olaf Zimmermann laut Mitteilung. "Selbstverständlich sollte der Inhalt von Büchern allen auch in digitaler Form zugänglich sein. Dafür ist es aber notwendig, dass zum einen die Rechte der Urheber und der Verlage geachtet werden und zum anderen nicht kommerzielle Anbieter diese Inhalte zur Verfügung stellen." Das Urteil sollte den Politikern in Deutschland einmal mehr Mahnung sein, "endlich die Deutsche Digitale Bibliothek und die Europeana in die Lage zu versetzen, diese Aufgabe auch in Konkurrenz zu einem kommerziellen Anbieter wie Google erfolgreich erledigen zu können".

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gorsch 18. Nov 2013

Urheber unflätiger Kommentare in Internetforen, oder was? Das ist natürlich ein sehr...

Switchblade 18. Nov 2013

G**gle ist genauso bescheuert wie M$. Alle User die so einen Mist schreiben landen bei...

Anonymer Nutzer 18. Nov 2013

Sarkasmus ? Ansonsten muss ich Ihnen Recht geben, einige wenige Auszüge ergeben noch...

Gl3b 15. Nov 2013

Ich finde die richterliche Entscheidung richtig


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