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Goodgame Studios: Hamburger Spielehersteller kämpft gegen Betriebsrat

Rund 40 Mitarbeiter sollen beim derzeit größten deutschen Spielentwickler Goodgame Studios eine fristlose Kündigung bekommen haben – weil sie sich für die Gründung eines Betriebsrats eingesetzt haben. Die Firma selbst spricht von Entlassungen wegen "Leistungsdefiziten" .
/ Peter Steinlechner
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Artwork von Goodgame Big Farm (Bild: Goodgame Studios)
Artwork von Goodgame Big Farm Bild: Goodgame Studios

"Hier gibt es zweifelsfrei sehr gute Führungskräfte. Es gibt aber auch sehr schlechte Führungskräfte. An dieser Stelle macht sich der fehlende Betriebsrat massiv bemerkbar" : Das hat bereits im März 2015 ein Mitarbeiter des Hamburger Spielentwicklers Goodgame Studios auf der Arbeitgeber-Bewertungsplattform Kununu.com geschrieben(öffnet im neuen Fenster) . Seitdem hat sich offenbar nicht viel verändert bei dem Unternehmen, das derzeit mit über 1.200 Angestellten der mit Abstand größte Spielentwickler in Deutschland ist.

Wie Golem.de aus mehreren Quellen erfahren hat, mussten rund 40 Mitarbeiter die Firma sofort verlassen, weil sie sich für die Gründung eines Betriebsrats starkgemacht haben. Es habe Kündigungen gegeben, außerdem seien einige zum Jahresende auslaufende Verträge nicht verlängert worden. Rund 15 der Betroffenen sollen direkt für die Mitarbeitervertretung gekämpft, die anderen bei Infoveranstaltungen kritische Fragen gestellt haben.

Auf Nachfrage von Golem.de hat ein Sprecher von Goodgame Studios erklärt: "Nach eingehender Prüfung hat das Unternehmen entschieden, sich aus betrieblichen Gründen, wie zum Beispiel Leistungsdefiziten, von 28 Mitarbeitern aus unterschiedlichen Abteilungen mit umgehender Wirkung zu trennen."

Nicht gut für das Image der Spielebranche

Falls es zu einer rechtlichen Auseinandersetzung über die Kündigungen kommt – was wohl der Fall sein dürfte -, hätte es Goodgames Studios mit dieser Art von Argumentation schwer. Die Arbeitsgerichte sehen bei Begründungen wie "Leistungsdefiziten" eher die Vorgesetzten in der Pflicht und wollen echte Nachweise sehen, etwa schriftliche Abmahnungen. Falls ein Arbeitgeber mit vorgeschobenen Begründungen einfach nur versucht, einen Betriebsrat zu verhindern, drohen sogar Strafen.

In jedem Fall wirft der Fall kein gutes Licht auf die deutsche Spieleindustrie, die seit längeren unter einem Fachkräftemangel leidet. Viele Programmierer und Softwareingenieure machen wegen vergleichsweise niedriger Gehälter und schlechter Arbeitsbedingungen einen Bogen um die Branche. Goodgame selbst listet auf seiner Webseite derzeit selbst rund 100 offene Stellen auf.

Die inhabergeführten Goodgame Studios(öffnet im neuen Fenster) wurden 2009 gegründet. Das Unternehmen vermarktet Free-to-Play-Titel wie Empire Four Kingdoms, Goodgame Empire und Shadow Kings. Außerdem hat Goodgame angekündigt, auch an Spielen für den Hardcore-Gaming-Markt zu arbeiten. Dabei kommt die Unreal Engine 4 mit eigens zugeschnittener Lizenz zum Einsatz. In Planung sind Spiele für den PC sowie mittelfristig auch für verschiedene Konsolensysteme.


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