Good Luck, Have Fun, Don't Die: Ein Film, so blöd wie der KI-Slop, den er kritisiert
Ein Ehepaar besucht sein Lieblingsrestaurant und bestellt das Übliche. Im ersten Moment wirkt alles so wie immer – doch dann großes Entsetzen. Das Essen ist versalzen, alle Zutaten riechen verdorben. Der herbeigerufene Küchenchef lächelt zufrieden und erklärt: "Ich wollte Ihnen mal demonstrieren, wie es in schlechten Restaurants schmeckt. Damit sie mehr zu schätzen wissen, wie lecker es bei mir normalerweise ist."
Wir beschreiben damit zwar keine Szene aus dem Film Good Luck, Have Fun, Don't Die, aber ungefähr so, wie das Ehepaar aus unserer kleinen Parabel, fühlen wir uns als Zuschauer von Gore Verbinskis neuem Sci-Fi-Werk verschaukelt.
Der frühere Erfolgsregisseur (Fluch der Karibik, The Ring) möchte uns nach etwa zehn Jahren Schaffenspause satirisch vor einer bald drohenden(öffnet im neuen Fenster) KI-Hölle warnen. Er geht dabei aber so uninspiriert vor, dass wir seinen Film am Ende genauso blöd finden wie den AI-Slop, den er kritisieren will.

Wenigstens mit seiner verrückten Einleitung hat uns Good Luck, Have Fun, Don't Die noch Spaß gemacht. Ein exzentrisch gekleideter Mann (Sam Rockwell) stürmt brüllend ein typisch amerikanisches Diner im Los Angeles der nahen Gegenwart.
Unter seinem durchsichtigen Regencape trägt er ein Outfit, das wie ein aus Sperrmüll gebasteltes Astronautenkostüm aussieht. Per Handzünder droht er, alle Anwesenden in die Luft zu sprengen, wenn sie ihm nicht zuhören. Dann trägt er lebhaft einen langen Monolog vor, läuft und springt durch den ganzen Laden, als hätte er seine Rede als richtige Show einstudiert. Einzelne Personen spricht er immer wieder direkt an, als würde er sie persönlich kennen.
Er behauptet außerdem, aus einer dystopischen Zukunft zu kommen, in der eine mächtige AGI(öffnet im neuen Fenster) fast die gesamte Menschheit in virtuellen Welten gefangen hält. In einer perfekten Simulation ohne Schmerz und Leid. Doch haben die Menschen in dieser Zukunft eben keine Wahl mehr, ob sie das überhaupt wollen oder nicht.
Ein Soldat des Widerstands gegen den AI-Overlord
Unser mysteriöser Protagonist präsentiert sich als Soldat des Widerstands gegen die Herrschaft des AI-Overlords. Seine Mission sei die letzte Chance für uns Menschen, nicht in ein ewiges VR-Traumland gezwungen zu werden. Vorausgesetzt, er erreicht innerhalb der nächsten Stunde einen kleinen Jungen, der in seinem Kinderzimmer kurz davor steht, die erste selbstbewusste Super-KI zum Leben zu erwecken.
Eine mögliche Zukunft, in der die AGI gar nicht erst in Betrieb geht, gebe es nicht. Er trage aber ein Programm bei sich, das viele wichtige Sicherheitsbarrieren im KI-Code implementiert, um die künstliche Intelligenz unter Kontrolle zu halten.
Doch nicht ohne Grund ist sein Unterfangen bereits 116 Mal gescheitert. Von Auftragsmördern bis zu Polizei-Brigaden und wild gewordenen Jugendlichen, die per Social-Media-Apps zu Zombie-Drohnen hypnotisiert wurden, gleicht der Weg vom Diner bis zum Zielort einem tödlichen Spießrutenlauf unter Zeitdruck.
Klamauk mit Videospiellogik
Der Mann aus der Zukunft ist trotzdem fest davon überzeugt: nur mit der einen richtigen Kombination von Restaurantbesuchern als Begleitgruppe, kann er alle Hürden überwinden und sein Ziel erreichen. Er muss es bloß oft genug mit verschiedenen Begleitern ausprobieren.
Good Luck, Have Fun, Don't Die zeigt in seinen 134 Minuten allerdings nicht mehrere Varianten dieser Zeitschleife, wie es Und täglich grüßt das Murmeltier oder Palm Springs gemacht haben. Sondern zum allergrößten Teil nur den 117. Versuch. Und sobald dessen widerwillig zusammengestellte Heldengruppe loszieht, verliert das aus Elementen von Terminator, Matrix und Twelve Monkeys zusammengebastelte Szenario dann leider auch sogleich jegliche Spannung.
In Good Luck, Have Fun, Don't Die entsteht nie das Gefühl einer glaubwürdigen Welt, mit drängender Gefahr und dichter Atmosphäre. Oder eines intelligenten Konzepts, das humorvoll zum Mitdenken anregt. Hier stolpern die Protagonisten eher im Stile einer Slapstick-Komödie von einem albernen Moment zum nächsten, während unser Hirn sich im Kino getrost eine Auszeit gönnen darf, ohne beim Zuschauen vermisst zu werden.
Eine später offen im Film gestellte Frage, ob die Rettungsmission selbst längst Teil einer KI-Simulation sei, erschien uns überflüssig, da wir den Film vorher schon als Klamauk mit Videospiellogik empfunden haben. Ob nun wirklich alles nur eine Art Matrix ist, verraten wir natürlich nicht.
Wir hatten nach Filmende sowieso den Eindruck, Gore Verbinski wollte sich so viele doppelte Böden in seiner Handlung offen lassen, dass seine Zuschauer den Überblick verlieren, wie viel an seinem Film überhaupt stimmig ineinandergreift.
Teilweise sehen wir Vorgeschichten der Charaktere wie kleine Kurzfilme eingestreut. Separat betrachtet sind zwei davon gelungener, als Satire viel bissiger als der eigentliche restliche Film. Eine kurze Episode über alltäglich stattfindende Amokläufe an US-Schulen und trauernde Eltern, die sich schon daran gewöhnt haben, ihre Kinder als Designerklon immer wieder neu herstellen zu lassen, hätte sogar glatt die Funny-or-Die(öffnet im neuen Fenster)- oder Saturday-Night-Live(öffnet im neuen Fenster)-Parodie einer Black-Mirror-Folge zum Thema sein können.
Der Film wirkt, als hätten die Macher selbst KI-Generatoren angeworfen
Mit Sicherheit wird besonders dieses Segment nachträglich noch als Clip im Internet erfolgreich die Runde machen. Wäre doch der ganze Film genauso gut.
Was Verbinski und sein Autor Matthew Robinson nämlich ansonsten nur lose zusammengekleistert haben, erweckt den Eindruck, als hätten sie fürs Drehbuch und ihre visuelle Gestaltung heimlich selbst ein paar KI-Generatoren angeworfen. Allerdings auf Basis von Datensätzen, die schon viele Jahre nicht mehr aktualisiert wurden.
Grenzenlos übertriebene Katzen-Memes, Simulationstheorie, Mobilfunkwellen-Allergie und – ganz wichtig: Smartphones, die unsere Jugend hypnotisieren! Worauf Good Luck, Have Fun, Don't Die seinen technologiekritischen Fokus am stärksten legt, sind allesamt nicht mehr ganz so aktuelle Unterthemen, die entweder schon seit Jahren vielerorts ausdiskutiert wurden oder die so weit hergeholte Science-Fiction-Fantasy sind, dass ein Gegenwartsbezug schwerfällt. Und das dann durcheinander gemischt.
Wird selbst nach zweimal gucken nicht besser
Zweimal konnten wir den Film vorab sichten. Geholfen hat es nicht. Ob mit seinen Gags, seinen satirischen Motiven oder all den Klischees, die sich durch das gesamte Drehbuch ziehen. Inhaltlich passt hier wirklich nichts zusammen.
Wir ahnen, dass dies hier vor Jahren mal, als erste Idee, ein fulminanter, ganz aktueller Anti-KI-Film werden sollte. Heraus kam heute jedoch nicht bloß ein viel zu oberflächliches, nur alte Ideen recycelndes Sci-Fi-Werk. Sondern auch eines mit kontraproduktivem Effekt.
Wenn derart beliebig zusammengesetzte Filme von Menschen schon so wirken, als hätte eine KI sie ohne tieferes Verständnis für die Materie grob zusammengeschustert, werden wir es dem Kinopublikum in Zukunft kaum übel nehmen können, sollte es ihm egal sein, ob Filme tatsächlich komplett von KI generiert wurden oder von Menschen produziert.
Je mehr generische, uninspirierte große Filme es in Kinos und bei Streaming-Plattformen zu sehen gibt, desto übergangsloser werden Konsumenten KI-Filme als gleichwertig akzeptieren.
Falls Gore Verbinski und Matthew Robinson uns absichtlich vor Augen führen wollten, wie blöd KI-Slop als Kinofilm rüberkommen würde, indem sie ihn nachahmen, hat das nicht funktioniert. Dafür hätten sie eine solche bewusste Aussage wesentlich intelligenter, vor allem lustiger, pointierter erkennbar machen müssen. So haben sie ihrer eigenen Message durch plumpes Imitieren unterm Strich nur einen Bärendienst erwiesen.
Good Luck, Have Fun, Don't Die ist am 12. März 2026 regulär in den deutschen Kinos erschienen, nachdem er vorher bereits auf Festivals wie der Berlinale lief.
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