Klamauk mit Videospiellogik
Der Mann aus der Zukunft ist trotzdem fest davon überzeugt: nur mit der einen richtigen Kombination von Restaurantbesuchern als Begleitgruppe, kann er alle Hürden überwinden und sein Ziel erreichen. Er muss es bloß oft genug mit verschiedenen Begleitern ausprobieren.
Good Luck, Have Fun, Don't Die zeigt in seinen 134 Minuten allerdings nicht mehrere Varianten dieser Zeitschleife, wie es Und täglich grüßt das Murmeltier oder Palm Springs gemacht haben. Sondern zum allergrößten Teil nur den 117. Versuch. Und sobald dessen widerwillig zusammengestellte Heldengruppe loszieht, verliert das aus Elementen von Terminator , Matrix und Twelve Monkeys zusammengebastelte Szenario dann leider auch sogleich jegliche Spannung.
In Good Luck, Have Fun, Don't Die entsteht nie das Gefühl einer glaubwürdigen Welt, mit drängender Gefahr und dichter Atmosphäre. Oder eines intelligenten Konzepts, das humorvoll zum Mitdenken anregt. Hier stolpern die Protagonisten eher im Stile einer Slapstick-Komödie von einem albernen Moment zum nächsten, während unser Hirn sich im Kino getrost eine Auszeit gönnen darf, ohne beim Zuschauen vermisst zu werden.
Eine später offen im Film gestellte Frage, ob die Rettungsmission selbst längst Teil einer KI-Simulation sei, erschien uns überflüssig, da wir den Film vorher schon als Klamauk mit Videospiellogik empfunden haben. Ob nun wirklich alles nur eine Art Matrix ist, verraten wir natürlich nicht.
Wir hatten nach Filmende sowieso den Eindruck, Gore Verbinski wollte sich so viele doppelte Böden in seiner Handlung offen lassen, dass seine Zuschauer den Überblick verlieren, wie viel an seinem Film überhaupt stimmig ineinandergreift.
Teilweise sehen wir Vorgeschichten der Charaktere wie kleine Kurzfilme eingestreut. Separat betrachtet sind zwei davon gelungener, als Satire viel bissiger als der eigentliche restliche Film. Eine kurze Episode über alltäglich stattfindende Amokläufe an US-Schulen und trauernde Eltern, die sich schon daran gewöhnt haben, ihre Kinder als Designerklon immer wieder neu herstellen zu lassen, hätte sogar glatt die Funny-or-Die(öffnet im neuen Fenster) - oder Saturday-Night-Live(öffnet im neuen Fenster) -Parodie einer Black-Mirror -Folge zum Thema sein können.
Der Film wirkt, als hätten die Macher selbst KI-Generatoren angeworfen
Mit Sicherheit wird besonders dieses Segment nachträglich noch als Clip im Internet erfolgreich die Runde machen. Wäre doch der ganze Film genauso gut.
Was Verbinski und sein Autor Matthew Robinson nämlich ansonsten nur lose zusammengekleistert haben, erweckt den Eindruck, als hätten sie fürs Drehbuch und ihre visuelle Gestaltung heimlich selbst ein paar KI-Generatoren angeworfen. Allerdings auf Basis von Datensätzen, die schon viele Jahre nicht mehr aktualisiert wurden.
Grenzenlos übertriebene Katzen-Memes, Simulationstheorie, Mobilfunkwellen-Allergie und – ganz wichtig: Smartphones, die unsere Jugend hypnotisieren! Worauf Good Luck, Have Fun, Don't Die seinen technologiekritischen Fokus am stärksten legt, sind allesamt nicht mehr ganz so aktuelle Unterthemen, die entweder schon seit Jahren vielerorts ausdiskutiert wurden oder die so weit hergeholte Science-Fiction-Fantasy sind, dass ein Gegenwartsbezug schwerfällt. Und das dann durcheinander gemischt.
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