GNU: GCC verzichtet auf Rechteübertragung an FSF

Eigentlich müssen GNU-Projekte ihre Urheberrechte an die FSF übertagen. Die GCC-Community beendet das und löst sich damit weiter ab.

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Das Maskottchen des GNU-Projekts wie auch von GCC ist ein Gnu.
Das Maskottchen des GNU-Projekts wie auch von GCC ist ein Gnu. (Bild: Mark Kolbe/Getty Images)

Das technische Leitungsgremium der GNU Compiler Collection (GCC) hat sich dazu entschieden, künftig die Bedingung für Beiträge zum Projekt zu lockern, wie das Team auf der Mailing-Liste des Projekts mitteilte. Eine Übertragung der Urheberrechte an die FSF ist demnach nicht mehr notwendig.

Das ist insofern ein eher ungewöhnlicher Schritt, da diese Bedingung zur Übertragung an die FSF grundsätzlich für alle GNU-Projekte gilt. Dazu heißt es in der E-Mail nur kurz, dass GCC zwar als Teil des GNU-Projekts gegründet worden sei, die Community dem inzwischen aber entwachsen sei und nun selbstständig agiere.

Die Entscheidung sorgt in der Community für Diskussionen darüber, welche rechtlichen und auch rein praktischen Implikationen dies für das Projekt hätte. So zeigt sich etwa der Entwickler Mark Wielaard wenig überzeugt von der Änderung. Er könne zwar verstehen, dass Beitragende ihre Urheberrechte nach den Entscheidungen des FSF-Vorstands nicht mehr an die Organisation übertragen wollten, sehe mit dem Wechsel künftig aber vor allem ein Problem bei der Rechtsdurchsetzung.

Diskussion in der Community um Rechtsfragen

Geplant ist, statt der Rechteübertragung von nun an ein kollektives Modell des Urheberrechts zu nutzen, das so ähnlich auch für den Linux-Kernel oder einige andere Projekte umgesetzt wird. Als Basis dazu soll das Developer Certificate of Origin (DCO) dienen. Die Idee dahinter ist, dass damit das Projekt und auch dessen Lizenz nicht von einem einzigen zentralen Unternehmen oder Verein kontrolliert werden kann.

Letzteres ist aber genau die Idee der Rechterübertragung, denn so könnten mögliche Urheberrechte deutlich einfacher durchgesetzt werden. Für Code im Linux-Kernel etwa müssen Urheber ihre jeweils einzelne Beiträge nachweisen, was unter Umständen für Probleme sorgen kann. Werden die Rechte dagegen zentral gesammelt, lässt sich immer das Urheberrecht am gesamten Werk durchsetzen. Ähnliches gilt etwa für eine mögliche Relizenzierung der Codebasis.

Die Lizenz von GCC selbst soll dabei trotz der Änderung beibehalten werden, wie das Leitungsgremium versichert. Auch künftig werde das Projekt weiter unter der GPLv3 "entwickelt, verteilt und lizenziert".

Uneinigkeit im GNU-Projekt

Ob und inwiefern die Entscheidung weitere vom Urheberrecht unabhängige Auswirkungen auf GCC haben könnte, ist derzeit noch offen. So könnte es etwa dazu kommen, dass GCC deshalb künftig nicht mehr offiziell die Internet-Infrastruktur von gnu.org nutzen dürfte. So sieht sich Richard Stallman als Gründer des GNU-Projekts weiter selbst als Projektleiter, der formal die Kontrolle über die einzelnen Teilprojekte ausübt.

Das führte in der Vergangenheit immer wieder zu Problemen mit einzelnen Teilprojekten. Nach der überraschenden und kontroversen Rückkehr von Stallman in den Vorstand der FSF, die die rechtliche Vertretung des GNU-Projekts übernimmt, haben einige GNU-Projektbetreuer angekündigt, sich unabhängig zu organisieren. Auch die GCC-Community entfernte den ohnehin nur formal als Mitglied im Leitungsgremium geführten Stallman offiziell aus der Liste der Mitglieder.

Das GNU-Projekt existiert seit fast 40 Jahren, auf die mittlerweile in vielen andere Projekten umgesetzten formalen Richtlinien zu Aufbau, Organisation oder auch Leitung des Projekts selbst, verzichtet es aber bisher.

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