GNSS-Frequenzen: Russisches Satellitennetz sendet Störsignale
Ein Forschungsteam der University of Texas in Austin(öffnet im neuen Fenster) sowie der Stanford University in Kalifornien, beide USA, hat eine seit 2019 auftretende Störung sämtlicher GPS-Empfangsstationen in Europa und teils bis nach Kanada untersucht. Durch das gleichzeitige, regelmäßige Auftreten auf einem derart großen Gebiet konnte die Ursache nur im Erdorbit oder noch weiter entfernt liegen.
Nachdem zunächst Störungen durch Strahlung der Sonne als wahrscheinlichste Ursache für ein derart flächendeckendes Phänomen in Betracht gezogen worden war, zeigte eine Analyse der Signalstörung, dass es sich um eine präzise Frequenzstörung innerhalb des von der Satellitennavigation genutzten Bandes handelt.
Es musste sich demnach um eine künstliche Quelle handeln und die geometrische Betrachtung der Region ergab eine Höhe von mindestens 1.200 km über der Erdoberfläche.
Suche mit neuem Datensatz
Das Forschungsteam durchsuchte daraufhin Datenbanken mit den bis 2019 gestarteten Satelliten, die sowohl hoch genug über der Erde stationiert als auch mit der nötigen Technik ausgerüstet sind. Allerdings gibt es mehrere Hundert solcher Satelliten.
Mit den Daten einer im Februar 2026 aufgezeichneten GPS-Störung konnte der Bereich, in welchem der Satellit sich befinden musste, schließlich auf einen kleinen Bereich im Orbit eingegrenzt werden. Laut den Berechnungen der Forscher handelte es sich bei der Quelle des Signals um Cosmos 2546, einen russischen Satelliten, gestartet 2020.
Da er damit zu spät in den Orbit gelangt war, um die früheren Signalstörungen zu erklären, wird vermutet, dass er Teil des Netzwerks aus sechs Satelliten ist, die zum Raketenfrühwarnsystem Russlands gehören sollen.
Ziel der Störung unklar
Weitere Analysen der Daten der Bodenstation zeigten, dass diese Satelliten, die in hohen elliptischen Bahnen um die Erde kreisen, die Quelle des Störsignals sein dürften. Weil diese Konstellation in der Lage ist, auf großen Teilen der Nordhalbkugel die festgestellte Störung hervorzurufen, geht das Forschungsteam davon aus, dass es sich dabei weder um eine zufällige Überlappung noch um einen Fehler handeln dürfte.
Noch handelt es sich um Vermutungen und die zugrunde liegende Studie wurde noch nicht unabhängig überprüft. Es könnte sich beispielsweise auch um verschlüsselte Kommunikation handeln, die unbeabsichtigt das Frequenzband der Satellitennavigation stört.
Sollte sich die Analyse jedoch bewahrheiten, könnte Russland mit einer seit Jahren im Orbit befindlichen Satellitenkonstellation gezielt und großräumig die zivile und militärische Navigation stören.
Aufbereitet hat der Youtubekanal Veritasium die bisherigen Forschungen, ergänzt um Interviews und Hintergrundinformationen, in einem längeren Video.
Dieser Artikel wurde ursprünglich am 09.06.2026 veröffentlicht. Da das Thema für unsere Leserschaft weiterhin von hohem Interesse ist, spielen wir den Beitrag an dieser Stelle erneut aus.