Gnome: Selbstkritik und Pläne für Gnome 4

Gnome steht eine aussichtsreiche Zukunft bevor, lautet das Thema eines Vortrags(öffnet im neuen Fenster) auf der jährlichen Europa-Konferenz der Gnome-Entwickler Guadec 2012(öffnet im neuen Fenster) . Ganz einig ist sich die Gemeinschaft allerdings nicht. Einige beklagen einen Entwickler- und Benutzerschwund sowie eine fehlende Perspektive.
Einen konkreten Erscheinungstermin für Gnome 4.0 gibt es nun: Im März 2014 soll der freie Desktop mit der runden Versionsnummer erscheinen. Gleichzeitig wollen die Entwickler auch Gnome OS freigeben, ein Betriebssystem, das auf Gnome-Technologie basiert.
Ambitionierte Pläne
Bis 2020 könnte Gnome bis zu 20 Prozent Marktanteil im Desktopbereich erzielen, so die ambitionierten Pläne der Gnome-Entwickler, die Xan Lopez und Juan Jose Sanchez in ihrem Vortrag vorstellten. Denn das Gnome-Projekt könne auf eine fünfzehnjährige Erfahrung zurückgreifen, es habe eine starke Gemeinschaft und entwickle eine moderne Benutzerschnittstelle. Die Pläne erinnern an ein ähnlich gestecktes Ziel von 2005, bis 2010 Gnome auf 10 Prozent der Rechner weltweit installiert zu haben. Wie weit sie von diesem Ziel entfernt sind, zeigt eine entsprechende Wiki-Seite unter live.gnome.org(öffnet im neuen Fenster) .
Chancen auf dem mobilen Markt
Ihre Chance auf das neu gesteckte Ziel sehen die Entwickler darin, dass nicht alle mit iOS oder Android zufrieden sind und Projekte wie Maemo, Moblin, Limo oder Meego scheitern. Damit untermauern die beiden Vortragenden die Ziele des Gnome-Projekts, ihren Desktop im mobilen Markt zu etablieren. Allerdings ist der Gnome-Desktop auf mobilen Geräten gegenwärtig so gut wie nicht präsent.
Es gebe allerdings auch weitere Kritikpunkte und womöglich Anlass zur Sorge. Denn Gnome soll unter einem Benutzer- und Entwicklerschwund leiden. Außerdem werden Themen wie eine zu große Fragmentierung, Entwicklermangel und zu wenig Engagement durch Firmen diskutiert. Kritisiert wird vor allem, dass ein Großteil der Gnome-Entwickler bei Red Hat arbeitet. Dadurch soll das Projekt zu sehr von einem Unternehmen abhängig sein.
Benutzer- und Entwicklerschwund
Entwickler und Betreuer Benjamin Otte des GTK+-Projekts bemängelt in seinem Blog, dass nur etwa 20 Entwickler Vollzeit(öffnet im neuen Fenster) an Gnome arbeiten. Außerdem sollen wichtige Entwickler das Projekt verlassen haben, darunter der ehemalige Release Manager Vincent Untz und der Entwickler Emmanuele Bassi. Bassi hat inzwischen sein Fortgehen dementiert.
Den Benutzerschwund sieht Otte(öffnet im neuen Fenster) durch die Abkehr zahlreicher Distributionen von Gnome 3 beziehungsweise vor allem von der Gnome-Shell bestätigt. Explizit nennt er Linux Mint, das Alternativen wie Mate oder Cinnamon anbietet, die den Desktop aus Gnome 2 mit dem Gnome-3-Unterbau vereinen. Das prominenteste Beispiel sei der Unity-Desktop in Ubuntu.
Gnome 4 im März 2014
Im März 2014 soll Gnome 3.12 als Gnome 4.0 veröffentlicht werden. Pläne zur Umgestaltung der Gnome-Shell gibt es nicht. Stattdessen sollen die Shell und die Gnome-Anwendungen optimiert werden. Außerdem soll Gnome mit Touch-Eingaben gesteuert werden können und so für die Verwendung von Tablets optimiert werden. Für Programmierer soll es eine SDK geben, die die Entwicklung von Anwendungen für Gnome erleichtern soll. Dabei soll Gnome weiterhin sowohl native als auch Web-basierte Anwendungen unterstützen.
Mit Gnome 4.0 soll auch Gnome OS erscheinen. Das Betriebssystem soll auf Gnome-Technologie basieren und einen eigenen Installer samt Updater mitbringen. Gnome OS soll zwingend auf einen Linux-Kernel setzen, unter anderem, damit Systemd eingesetzt werden kann. Der Gnome-Entwickler Jon McCann plädierte dafür, dass die Unterstützung anderer Betriebssysteme wie BSD oder Solaris aufgegebenen werden.
Die Guadec 2012(öffnet im neuen Fenster) findet in Madrid vom 26. Juli bis zum 1. August statt.



