Gnome 3.6: Design ist das Einzige, was zählt

Mit der Veröffentlichung von Gnome 3.6 bleiben sich die Entwickler treu und entfachen mit neuen Funktionen Kontroversen unter den Nutzern und Distributoren. Das wird vor allem an den Änderungen deutlich, die am Dateimanager Nautilus vorgenommen wurden. Dieser wurde für Gnome 3.6 grundlegend überarbeitet, unter anderem haben die Entwickler dabei auch 500 Fehler behoben, wie Entwickler Matthias Clasen schreibt(öffnet im neuen Fenster) .













Zu den Neuerungen von Nautilus zählen zunächst einige Anpassungen an das Design der Gnome-Shell. So wird etwa die Titelleiste versteckt, wenn das Fenster maximiert wird, um Anwendern etwas mehr Arbeitsplatz zu schaffen. Ebenso kann nun besser nach Dateien gesucht werden. Zudem kann einfach auf kürzlich verwendete Dateien zugegriffen werden.
Den Neuerungen sind aber einige altbekannte Funktionen zum Opfer gefallen. Etwa das Anwendungsmenü, das den Zugriff auf Softwarestarter ermöglichte, die Baumansicht und die geteilte Ansicht im Dateimanager Nautilus. Statt dieser können nun die Tabs verwendet werden. Das hat das Linux-Mint-Team zu dem Fork Nemo veranlasst, der auf Nautilus 3.4 basiert. Nemo wird künftig der Dateibrowser für die Cinnamon-Oberfläche(öffnet im neuen Fenster) . Aus ähnlichen Gründen hat sich Canonical entschieden, in Ubuntu 12.10 vorerst Nautilus 3.4 einzusetzen.
GMenu für viele Anwendungen
Da das neue Designkonzept in Gnome 3.4 noch unfertig wirkte , haben die Entwickler dies in Gnome 3.6 besser umgesetzt. So haben die meisten Kernbestandteile nun keine eigene Menüleiste mehr, sondern nutzen das sogenannte GMenu. Es bietet die wichtigsten Funktionen über den Eintrag der Anwendung im oberen Panel der Gnome-Shell per Mausklick.
Die Menüs fehlen aber weiterhin bei Brasero oder auch im Systemmonitor. Bei dem vom Gnome-Projekt unter Apps geführten Anwendungen ist bisher nur etwa jede zweite Anwendung portiert worden. Das GMenu fehlt hier zum Beispiel beim E-Mail-Client oder dem Editor Gedit. Einen Überblick über die fortlaufenden Portierungen einzelner Anwendungen bietet das Gnome-Wiki(öffnet im neuen Fenster) .
Gnome-Shell Details
Die Aktivitätenübersicht zeigt in Gnome 3.6 zunächst nur virtuelle Arbeitsflächen an sowie die darauf geöffneten Fenster. Zu den Anwendungen gelangen Nutzer über das Gittersymbol in der linken Favoritenleiste und nicht wie bisher über einen Tab. Die Suchzeile rückt damit in den Mittelpunkt der Aktivitätenübersicht.
Die Benachrichtigungsleiste lässt sich etwas einfacher nutzen. Um sie zu erreichen, muss der Maus-Cursor nicht mehr umständlich die untere rechte Bildschirmecke treffen, vielmehr reicht es, die Maus an einer beliebigen Stelle gegen die untere Bildschirmkante zu ziehen. Das Feld mit den Benachrichtigungen selbst überdeckt nun auch nicht mehr die virtuelle Arbeitsfläche, diese wird stattdessen ausgegraut und leicht nach oben verschoben.
Die neue Bildschirmsperre der Gnome-Shell wirkt wie die eines Smartphones. Sie zeigt neben Datum und Uhrzeit auch Benachrichtigungen von Anwendungen an, etwa eingegangene Chat-Nachrichten oder E-Mails. Diese Funktion kann zur Sicherung der Privatsphäre auch abgeschaltet werden. Außerdem kann die Lautstärke verändert und das Abspielen von Musik aus der neuen Sperre heraus kontrolliert werden. Um die Sperre aufzuheben, kann der Bildschirm mit der Maus nach oben geschoben werden, darunter kommt dann die eigentliche Login-Zeile zum Vorschein.
Web, Boxes und Gstreamer 1.0
Der Browser Epiphany unterstützt nun auch Do-Not-Track. Eine der auffälligsten Änderungen des Browsers ist die neue Übersicht. Sie zeigt beim Öffnen eines neuen Tabs oder Fensters die meistbesuchten Seiten an. Ähnliche Funktionen bieten andere Browser wie Chrome oder Firefox bereits an.
Das Virtualisierungsfrontend Boxes war in Gnome 3.4 als Vorschau enthalten. In Gnome 3.6 ist es mit Boxes auch möglich, ohne KVM (Kernel-based Virtual Machine) virtuelle Maschinen zu erstellen. Dazu wird Qemu ohne die bei einigen Prozessoren integrierte Hardwarevirtualisierung genutzt. Die Nutzung des User Interface erschließt sich jedoch nicht immer sofort.













Gstreamer 1.0
Kurz vor Gnome 3.6 ist auch Gstreamer 1.0 erschienen(öffnet im neuen Fenster) . Die Version des Multimedia-Frameworks ist die erste große Überarbeitung seit Version 0.10, die erstmals Ende 2005 veröffentlicht wurde. Die Programmier- und Binärschnittstellen beider Versionen sind nicht kompatibel zueinander. Pakete beider Versionen lassen sich aber nebeneinander installieren.
Viele Anwendungen von Gnome 3.6 können das neue Framework bereits nutzen(öffnet im neuen Fenster) , etwa der Instant Messenger Empathy und der Multimediaplayer Totem. Pakete von Gstreamer 1.0 sollten in allen kommenden Linux-Distributionen verfügbar sein, allen voran Fedora 18 und Ubuntu 12.10, die auf Gnome 3.6 aufbauen.
Weitere Details zu den Neuerungen von Gnome 3.6 finden sich in den Release Notes(öffnet im neuen Fenster) des Projekts. Die Entwicklungsversion des kommenden Fedora 18 nutzt die Oberfläche bereits. Für Opensuse, Ubuntu und weitere Distributionen sollte Gnome 3.6 ebenfalls in Kürze zur Verfügung stehen. Zum Selbstkompilieren stehen der Quellcode auf den FTP-Servern des Projekts(öffnet im neuen Fenster) sowie die Umgebung Jhbuild(öffnet im neuen Fenster) bereit.