Glonass: Russische Satellitennavigation fällt stundenlang aus
Das russische Satellitennavigationssystem Glonass ist am Mittwoch ausgefallen. Mehrere Stunden war eine Positionsbestimmung mit dem System nicht möglich. Das betraf auch Nutzer im Ausland.
Der Ausfall habe am 2. April gegen 1 Uhr Moskauer Zeit (1. April, 23 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit) begonnen, berichtet das auf Satellitennavigation spezialisierte US-Magazin Inside GNSS(öffnet im neuen Fenster) . Die Störung dauerte über zehn Stunden. Erst am späten Vormittag war sie behoben.
Unzulässige Ephermeriden
Die Übersicht der russischen Glonass-Überwachung(öffnet im neuen Fenster) zeigte die Fehlermeldungen "Ausfall" oder "Unzulässige Ephermeriden" an. Auf einem Screenshot(öffnet im neuen Fenster) , den das Magazin GPS World(öffnet im neuen Fenster) veröffentlicht hat, ist zu sehen, dass alle 24 Satelliten, die in der Konstellation im Einsatz sind, betroffen waren.
Der Ausfall habe das ganze System betroffen und sei simultan gewesen. Es habe deshalb Spekulationen gegeben, dass fehlerhafte Ephemeriden(öffnet im neuen Fenster) an die Satelliten verteilt worden seien, berichtet Inside GNSS. Ephemeriden(öffnet im neuen Fenster) sind Tabellen, in denen die Positionen von Himmelskörpern angegeben sind. Sie geben in dem Fall die Position der Satelliten im Orbit an.
Nacheinander korrigiert
Die Satelliten konnten erst nach und nach wieder in Betrieb genommen werden. Das habe daran gelegen, dass ein Satellit erst in Reichweite einer Bodenstation habe kommen müssen. Erst dann sei es möglich gewesen, die nötigen Korrekturen vorzunehmen, erklärt Inside GNSS.
Die Auswirkungen seien weltweit zu spüren gewesen, sagte Drew Davies vom kanadischen Geodaten-Dienstleister Rx Networks dem US-Magazin PC World(öffnet im neuen Fenster) : Viele GPS-Empfänger und Smartphones nutzen nicht nur die Signale der GPS-, sondern auch die der Glonass-Satelliten zur Standortbestimmung. Das gelte gerade in Großstädten: Wenn das Smartphone zwischen den Häusern nicht genug GPS-Satelliten finde, weiche es auf Glonass aus. Deshalb seien auch Nutzer außerhalb Russlands betroffen gewesen.
Satellitenverluste
Es ist wieder ein Rückschlag für das russische Satellitennavigationssystem und das ohnehin in der Krise steckende russische Raumfahrtprogramm . Im vergangenen Jahr war eine Proton-M-Rakete mit drei neuen Glonass-Satelliten an Bord kurz nach dem Start abgestürzt . Im Dezember 2010 war schon einmal eine Rakete ebenfalls mit drei Satelliten abgestürzt.
Nach dem Absturz 2010 sowie wegen Korruptionsvorwürfen hatte die russische Regierung vor einigen Jahren für die Entlassung einiger hochrangiger Amtsinhaber aus der Weltraumbranche gesorgt. Darunter war der Direktor der Weltraumagentur Roskosmos sowie der Chef von JSC Russian Space Systems. Das ist das Unternehmen, das für Glonass verantwortlich ist.
Neuer Satellit gestartet
Gerade sah es so aus, als hätten sich die Schwierigkeiten gelegt: Ende März wurde ein neuer Glonass-M-Satellit in die Umlaufbahn geschossen und in Betrieb genommen. Außerdem hat JSC dieser Tage angekündigt, dass die lange erwartete neue Satellitengeneration Glonass-K Ende des Jahres startklar sein werde.
Unterdessen hat die US-Raumfahrtbehörde Nasa die Zusammenarbeit mit Russland weitgehend beendet. Sie wolle lediglich noch die Versorgung der Internationalen Raumstation (ISS) gemeinsam mit Russland erledigen. Ansonsten seien die Kontakte ausgesetzt worden, berichtet die New York Times(öffnet im neuen Fenster) . Auf der ISS sind die USA auf Russland angewiesen: Astronauten können nur mit den russischen Sojus-Kapseln zur ISS und zurück zur Erde transportiert werden.
- Anzeige Hier geht es zu Die Geschichte der Raumfahrt bei Amazon Wenn Sie auf diesen Link klicken und darüber einkaufen, erhält Golem eine kleine Provision. Dies ändert nichts am Preis der Artikel.