Abo
  • Services:

Glibc: Fehlerhaftes Null-Byte führt zu Root-Zugriff

Mitgliedern von Googles Project Zero ist es gelungen, einen kleinen Fehler in der Glibc auszunutzen, um unter einem Linux-System Root-Zugriff zu erhalten. Dafür mussten zahlreiche Hürden überwunden werden.

Artikel veröffentlicht am , Hanno Böck
Ein Fehler in der Glibc-Bibliothek überschreibt ein einzelnes Byte an der falschen Stelle.
Ein Fehler in der Glibc-Bibliothek überschreibt ein einzelnes Byte an der falschen Stelle. (Bild: Screenshot)

Googles Project Zero hat einen Exploit entwickelt, mit dem man durch einen Fehler in der Glibc-Bibliothek unter manchen Linux-Systemen Root-Zugriff erhalten kann. Den Fehler hatte Google-Entwickler Tavis Ormandy bereits Mitte Juli öffentlich gemacht, doch bislang wurde er nicht behoben. Der Fehler schlummert wohl schon lange im Glibc-Code: Bereits 2005 wies ein Eintrag in der entsprechenden Mailingliste auf das Problem hin, damals erkannte aber offenbar niemand, dass es sich um ein Sicherheitsproblem handelt.

Stellenmarkt
  1. Bosch Gruppe, Schwieberdingen
  2. Fresenius Medical Care Deutschland GmbH, Sankt Wendel

Bei dem Fehler in der Glibc handelt es sich um einen Buffer Overflow in der internen Funktion __gconv_translit_find(), der ein einziges Null-Byte außerhalb des zulässigen Speicherbereiches schreibt. Dem Problem wurde die ID CVE-2014-5119 zugewiesen. Zunächst hatte es Diskussionen darüber gegeben, ob sich das Problem tatsächlich ausnutzen lässt. Chris Evans und Tavis Ormandy von Googles Project Zero haben daraufhin versucht, genau das zu beweisen, was ihnen letztendlich auch gelungen ist.

Um den Bug auszunutzen, mussten die Entwickler eine ganze Reihe von Hürden überwinden. Moderne Betriebssysteme haben verschiedene Mechanismen, die das Ausnutzen von Buffer Overflows erschweren. Für den Exploit wurde die Fedora-Distribution in der 32-Bit-Version genutzt.

Der Exploit nutzt den Befehl pkexec, der Teil des Policykit-Pakets ist. Die Datei hat das Setuid-Root-Flag, was bedeutet, dass der Befehl immer mit Root-Rechten ausgeführt wird, auch wenn es von einem Nutzer aufgerufen wird. Gelingt es, bei einem solchen Programm eigenen Code auszuführen, kann man Root-Rechte erlangen.

Moderne Betriebssysteme nutzen praktisch alle ALSR (Adress Space Layout Randomization), um Daten im virtuellen Speicher an zufälligen Stellen zu platzieren. Dadurch wird das Entwickeln von funktionierenden Exploits deutlich erschwert. Mit Hilfe des Befehls ulimit lässt sich ein Großteil der Randomisierungen des Speichers umgehen. Anschließend ist nur noch der Stack-Speicher randomisiert, der Heap und die Bibliotheken sind an festen, dem Angreifer bekannten Stellen im Speicher. Dass ein Angreifer mittels ulimit die Randomisierung einer Setuid-Datei beeinflussen kann, ist laut den Google-Entwicklern ein generelles Problem, das behoben werden sollte.

Neben dem Fehler in der Glibc nutzt der Exploit weiterhin ein Memory Leak in pkexec, um den eigentlichen Exploit-Code im Arbeitsspeicher zu platzieren. Daraus schließen Ormandy und Evans, dass generell Speicherlecks in Programmen mit dem Setuid-Root-Flag überraschend gefährlich sind.

Letztlich wollten die Entwickler von Project Zero mit dieser Demonstration zeigen, dass selbst Bugs, die auf den ersten Blick harmlos erscheinen, sich mit viel Aufwand ausnutzen lassen. Diskussionen darüber, ob ein Fehler tatsächlich für einen Angreifer ausnutzbar ist, würden oft Zeit und Energie kosten, die man besser in das Beheben der Fehler stecken sollte. Der Exploit in seiner jetzigen Form funktioniert nur unter 32-Bit-Systemen und nutzt auch einige Besonderheiten von Fedora. Evans schreibt, dass es gut möglich sei, dass der Bug sich mit anderen Methoden auch unter 64-Bit-Systemen ausnutzen lasse.

Mit Project Zero versucht Google, generell die Sicherheit der IT-Infrastruktur zu verbessern. Google hat hierfür einige Sicherheitsspezialisten engagiert, die ausschließlich mit der Suche nach sicherheitskritischen Bugs in Softwareprodukten aller Art beschäftigt sind. Zuletzt wurden von Project Zero Sicherheitsprobleme im Flash-Browserplugin, in Safari und in Mac OS X entdeckt und veröffentlicht.



Anzeige
Hardware-Angebote
  1. (reduzierte Überstände, Restposten & Co.)

dschinn1001 01. Sep 2014

wo findet man eine Anleitung dafür, wie man ein Netzwerk aufbaut (ohne Schweizer...

mnementh 28. Aug 2014

Tja, in Closed-Source hast Du ähnliche Sicherheitslücken. Nur hörst Du dann meist nichts...

Endwickler 28. Aug 2014

Nun, ich stimme dir voll und ganz zu: Probleme müssen sofort beseitigt werden und jedes...

b1n0ry 27. Aug 2014

die Lücke nicht im Linux Kernel ist... Sonst hätte uns Herr Torvalds wieder was zum...

Linuxschaden 26. Aug 2014

Nein, das war er nicht, aber ich wollte die Geschichte nicht endlos werden lassen...


Folgen Sie uns
       


Nubia Red Magic Mars - Hands on (CES 2019)

Das Red Magic Mars von Nubia ist ein Gaming-Smartphone mit guter Hardware - und einem ziemlich guten Preis.

Nubia Red Magic Mars - Hands on (CES 2019) Video aufrufen
Alienware m15 vs Asus ROG Zephyrus M: Gut gekühlt ist halb gewonnen
Alienware m15 vs Asus ROG Zephyrus M
Gut gekühlt ist halb gewonnen

Wer auf LAN-Partys geht, möchte nicht immer einen Tower schleppen. Ein Gaming-Notebook wie das Alienware m15 und das Asus ROG Zephyrus M tut es auch, oder? Golem.de hat beide ähnlich ausgestatteten Notebooks gegeneinander antreten lassen und festgestellt: Die Kühlung macht den Unterschied.
Ein Test von Oliver Nickel

  1. Alienware m17 Dell packt RTX-Grafikeinheit in sein 17-Zoll-Gaming-Notebook
  2. Interview Alienware "Keiner baut dir einen besseren Gaming-PC als du selbst!"
  3. Dell Alienware M15 wird schlanker und läuft 17 Stunden

Radeon VII im Test: Die Grafikkarte für Videospeicher-Liebhaber
Radeon VII im Test
Die Grafikkarte für Videospeicher-Liebhaber

Höherer Preis, ähnliche Performance und doppelt so viel Videospeicher wie die Geforce RTX 2080: AMDs Radeon VII ist eine primär technisch spannende Grafikkarte. Bei Energie-Effizienz und Lautheit bleibt sie chancenlos, die 16 GByte Videospeicher sind eher ein Nischen-Bonus.
Ein Test von Marc Sauter und Sebastian Grüner

  1. Grafikkarte UEFI-Firmware lässt Radeon VII schneller booten
  2. AMD Radeon VII tritt mit PCIe Gen3 und geringer DP-Rate an
  3. Radeon Instinct MI60 AMD hat erste Grafikkarte mit 7 nm und PCIe 4.0

Android-Smartphone: 10 Jahre in die Vergangenheit in 5 Tagen
Android-Smartphone
10 Jahre in die Vergangenheit in 5 Tagen

Android ist erst zehn Jahre alt, doch die ersten Geräte damit sind schon Technikgeschichte. Wir haben uns mit einem Nexus One in die Zeit zurückversetzt, als Mobiltelefone noch Handys hießen und Nachrichten noch Bällchen zum Leuchten brachten.
Ein Erfahrungsbericht von Martin Wolf

  1. Sicherheitspatches Android lässt sich per PNG-Datei übernehmen
  2. Google Auf dem Weg zu reinen 64-Bit-Android-Apps
  3. Sicherheitslücke Mit Skype Android-PIN umgehen

    •  /