Abo
  • Services:

Glenn Greenwald: "Der Überwachungsstaat ergreift nun die Macht im Netz"

Gemeinsam mit Edward Snowden deckte er den NSA-Skandal auf. Im Interview spricht Glenn Greenwald über die Macht von Enthüllungen und journalistische Fehler.

Artikel veröffentlicht am , Florian Klenk/Zeit Online
Glenn Greenwald
Glenn Greenwald (Bild: Ueslei Marcelino/Reuters)

Zeit Online: Herr Greenwald, was war Ihre Reaktion, als Sie davon hörten, dass das Telefon der deutschen Bundeskanzlerin abgehört wird?

Inhalt:
  1. Glenn Greenwald: "Der Überwachungsstaat ergreift nun die Macht im Netz"
  2. Snowden hatte keinerlei Angst
  3. Alle Journalisten sind Aktivisten

Greenwald: Die NSA-Überwachung ist ausdrücklich dafür da zu garantieren, dass es nirgendwo und für niemanden eine echte Privatsphäre gibt. Der Fall Merkel ist nur ein weiterer Beweis.

Zeit Online: Wie steht es eigentlich um Sie selbst, sind Sie ein freier Mann?

Greenwald: Ja. Ich glaube schon. Ich kann tun, was ich will. Ich bin nicht im Gefängnis, es gibt allerdings möglicherweise ein paar Reisebeschränkungen für mich.

Stellenmarkt
  1. Swyx Solutions GmbH, Dortmund
  2. Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), Bonn

Zeit Online: Sie haben sich wie kaum ein anderer Journalist mit dem Überwachungsprogramm der NSA auseinandergesetzt. Wird man paranoid, wenn man all die Akten liest, die Ihnen Edward Snowden überreichte?

Greenwald: Man kann paranoid werden, wenn man nicht aufpasst. Schauen Sie, ein paar meiner Freunde haben Medizin studiert. Als sie immer mehr Krankheiten kennenlernten, haben sie sich selbst krank gefühlt. So ähnlich könnte es auch mir gehen, aber ich arbeite dagegen an.

Zeit Online: Werden Sie überwacht?

Greenwald: Ich vermute, dass meine elektronische Kommunikation abgefangen wird. Ich vermute auch, dass ich persönlich beschattet werde. Aber ich mache mich nicht verrückt und schaue nach, ob ein fremdes Auto vor meiner Tür parkt. Wenn ich paranoid werde, hätte der Überwachungsstaat sein Ziel erreicht und mich auf einen kleinen Bewegungsradius beschränkt. Das ist ja sein Ziel: den Bürger in eine kleine schwarze Box zu zwängen, wo er sich nicht frei bewegen kann. Diese Macht übertrage ich dem Überwachungsstaat nicht.

Zeit Online: Wie verarbeiten Sie die Belastung und Verantwortung? Bietet der Guardian eine Art Supervision?

Greenwald: Mein Partner, meine Freunde und meine Berater halten mich im Gleichgewicht. Und Edward Snowden.

Zeit Online: Sie sprechen mit ihm?

Greenwald: Ja, ich kommuniziere fast täglich mit ihm.

Zeit Online: Laura Poitras hat mit Ihnen und Snowden den NSA-Skandal aufgedeckt. Sie sagte im Sommer gegenüber einem Reporter der New York Times: "Mein Leben wird nie wieder wie früher sein. Ich weiß nicht, ob es so etwas wie Privatleben je wieder für mich geben wird." Gilt das auch für Sie?

Greenwald: Es ist ja nicht überraschend, dass ich ein Stück meines Privatlebens verliere, wenn ich einen Berg von Geheimdokumenten des mächtigsten Geheimdienstes des mächtigsten Staates dieser Erde veröffentliche. Ich wusste, dass das der Preis meiner Arbeit sein wird.

Zeit Online: Sie hätten den globalen Scoop fast vergeigt. Herr Snowden hat sie mehrmals anonym per E-Mail kontaktiert, aber sie antworteten ihm nicht.

Greenwald: Er schrieb mir im Dezember 2012 eine erste anonyme E-Mail. Ich antwortete ihm zunächst routinemäßig.

Zeit Online: Was wollte er?

Greenwald: Er bat mich, ein Verschlüsselungsprogramm zu installieren, damit er mir wichtige Information schicken könne. Aber das tat ich nicht.

Zeit Online: Warum?

Greenwald: Er teilte mir nicht wirklich mit, was er wollte. Er sagte, er würde mir mehr mitteilen, wenn ich das Verschlüsselungsprogramm installiere.

Zeit Online: Dachten Sie, er sei ein Wichtigtuer?

Greenwald: Ja, als Journalist wird man ja immer wieder von Leuten kontaktiert, die verrückte Storys erlebt haben wollen. Viele davon sind der Fantasie entsprungen. Deshalb habe ich auch diesmal nicht geglaubt, dass ich irgendetwas Bedeutsames versäume. Die Mails dieses unbekannten Mannes habe ich daher nicht wirklich ernst genommen.

Snowden hatte keinerlei Angst 
  1. 1
  2. 2
  3. 3
  4.  


Anzeige
Blu-ray-Angebote
  1. 34,99€

Zazu42 05. Nov 2013

Ich bin mir sicher dass es in einer totalen überwachen sehr friedlich zugeht ... wenn...

Sharkuu 01. Nov 2013

was hat der leak vor einigen tagen, das er mit dem ebay gründer ein neues medium macht...

Moriati 31. Okt 2013

Ich muss sagen, auch ich habe selten ein Interview gelesen wo ich dem Interviewpartner...

baem 31. Okt 2013

Ja Recht hast du.... ich war vom Gedankengang falsch. Tor an sich ist ja schon anonym.

schattenklinge 31. Okt 2013

... ich wäre dafür mal ein paar Mailbomben Würmer zu proggen, die einen PC befallen, alle...


Folgen Sie uns
       


Hallo Magenta - Präsentation auf der Ifa 2018

Auf der Ifa 2018 hat die Deutsche Telekom ihren eigenen smarten Assistenten gezeigt. Er läuft auf einem ebenfalls selbst entwickelten smarten Lautsprecher und soll zunächst trainiert werden. Telekom-Kunden können an einem Test teilnehmen und erhalten dafür den Lautsprecher kostenlos.

Hallo Magenta - Präsentation auf der Ifa 2018 Video aufrufen
iOS 12 im Test: Auch Apple will es Nutzern leichter machen
iOS 12 im Test
Auch Apple will es Nutzern leichter machen

Apple setzt mit iOS 12 weniger auf aufsehenerregende Funktionen als auf viele kleine Verbesserungen für den Alltag. Das erinnert an Google und Android 9, was nicht zwingend schlecht ist.
Ein Test von Tobias Költzsch

  1. Apple iOS 12.1 verrät neues iPad Pro
  2. Apple Siri-Kurzbefehle-App für iOS 12 verfügbar

Grafikkarten: Das kann Nvidias Turing-Architektur
Grafikkarten
Das kann Nvidias Turing-Architektur

Zwei Jahre nach Pascal folgt Turing: Die GPU-Architektur führt Tensor-Cores und RT-Kerne für Spieler ein. Die Geforce RTX haben mächtige Shader-Einheiten, große Caches sowie GDDR6-Videospeicher für Raytracing, für Deep-Learning-Kantenglättung und für mehr Leistung.
Ein Bericht von Marc Sauter

  1. Tesla T4 Nvidia bringt Googles Cloud auf Turing
  2. Battlefield 5 mit Raytracing Wenn sich der Gegner in unserem Rücken spiegelt
  3. Nvidia Turing Geforce RTX 2080 rechnet 50 Prozent schneller

Fifa 19 und PES 2019 im Test: Knapper Punktsieg für EA Sports
Fifa 19 und PES 2019 im Test
Knapper Punktsieg für EA Sports

Es ist eher eine Glaubens- als eine echte Qualitätsfrage: Fifa 19 oder PES 2019? Golem.de zieht anhand der Versionen für Playstation 4 den Vergleich - und kommt zu einem schwierigen, aber eindeutigen Urteil.
Ein Test von Olaf Bleich und Benedikt Plass-Fleßenkämper

  1. Fifa 19 angespielt Präzisionsschüsse, Zweikämpfe und mehr Taktik
  2. EA Sports Fifa 18 bekommt kostenloses WM-Update
  3. Bestseller Fifa 18 schlägt Call of Duty in Europa

    •  /