Glasfaserausbau zu dritt: Anwohner schließen offene Baustellen in Selbsthilfe

In Puchheim, einer Stadt im oberbayerischen Landkreis Fürstenfeldbruck, sind Baustellen für den Glasfaserausbau mehrerer Unternehmen schon so lange offen, dass Anwohner zur Selbsthilfe greifen. Das berichtet die Tageszeitung Merkur unter Berufung(öffnet im neuen Fenster) auf Anwohner. Aktiv in Puchheim-Ort sind GVG Glasfaser mit ihrer Marke Teranet, Vodafone sowie künftig auch die Deutsche Telekom, wenn auch in einem anderen Stadtteil.
Anwohner Am Griesfeld berichten, dass zur Selbsthilfe gegriffen, Erde aufgeschüttet und Gehwegplatten selbst verlegt wurden, um über Dreck und Stolperfallen zu kommen. Wie lange dieser Zustand noch anhalten soll, könne niemand sagen.
Bis 2023 will GVG rund 3.500 Haushalte in Puchheim an das Glasfasernetz anschließen. Die Vermarktungsquote betrage über 40 Prozent. Im Juni 2022 sind laut Unternehmensangaben(öffnet im neuen Fenster) die Arbeiten gestartet, die von dem ortsansässigen Tiefbauunternehmen VPT Consulting Tiefbau ausgeführt werden. Der Ausbau finde eigenwirtschaftlich statt. Weder würden Fördermittel genutzt noch entstünden Kosten für die Stadt. Martin Schwenke, GVG-Gebietsleiter Bayern, sagte der Süddeutschen Zeitung, dass etwa 3.500 von 6.000 Gebäuden in der Kommune angeschlossen würden. Durch Puchheim-Ort verläuft die Hauptader der GVG-Leitung in Nord-Süd-Richtung.
Auch Vodafone verlegt(öffnet im neuen Fenster) laut Merkur seit dieser Woche eigene Kabel in einigen Straßen von Puchheim-Ort.
Stadtverwaltung gefordert
Die Stadtverwaltung Puchheim erklärte(öffnet im neuen Fenster) : "Im Stadtgebiet Puchheim werben derzeit mehrere Telekommunikationsunternehmen für einen eigenwirtschaftlichen Glasfaserausbau. In diesem Zusammenhang sind bei der Stadtverwaltung in den vergangenen Wochen verstärkt Anfragen eingegangen. Die Stadtverwaltung Puchheim ist bemüht, diese Telekommunikationsunternehmen an einem 'Runden Tisch' von einem koordinierten Ausbau zu überzeugen. Aufeinanderfolgende Bauarbeiten durch wiederholte Eingriffe in den Straßenkörper im Rahmen der Verlegung von Glasfaserleerrohren der verschiedenen Anbieter liegen nicht im öffentlichen Interesse." Doch: Der freie Markt sehe vor, dass Telekommunikationsunternehmen jederzeit eigenwirtschaftlich ausbauen dürfen.
"Pünktlich zum Spatenstich von GVG-Teranet platzierte die Telekom" laut Süddeutscher Zeitung(öffnet im neuen Fenster) eine Ankündigung(öffnet im neuen Fenster) , wonach sie in den kommenden zwei Jahren in Puchheim ein Glasfasernetz für weitere 4.100 Haushalte in den Jahren 2023 und 2024 einrichten will. "Die Anwohner*innen im Ausbaugebiet von Puchheim haben jetzt die Chance auf einen Glasfaseranschluss" , sagte Bernhard Multerer, Regionalmanager der Telekom. Doch die Telekom baut nicht in Puchheim-Ort, erklärte ein Sprecher Golem.de auf Anfrage.
GVG Glasfaser wurde im Jahr 2011 in Kiel gegründet und baut insbesondere in ländlichen Regionen mit ihrer regionalen Marke Nordischnet und ihrer bundesweiten Marke Teranet aus. Geboten werden Internet, Telefonie sowie Fernsehen. Die Datenübertragungsrate reicht bis zu 1 GBit/s symmetrisch.
Die GVG Glasfaser habe Anfang Januar dieses Jahres bekannt gegeben, die Stadt Puchheim mit ihrer Marke Teranet praktisch flächendeckend mit FTTH zu versorgen, sagte uns Unternehmenssprecher Marc Kessler. "Seit Juni laufen die Bauarbeiten und kommen gut und planmäßig voran - zahlreiche Hausanschlüsse sind bereits fertiggestellt" , sagte Kessler. Die beiden PoPs (Points of Presence) wurden im Oktober errichtet. Die Baumaßnahmen würden voraussichtlich Ende 2023 vollständig abgeschlossen sein.
Man öffne seine Glasfasernetze grundsätzlich für den Wettbewerb als Open Access, erklärte der Sprecher, was sich an den Entgelten orientiere, die die Telekom ihren Mitbewerbern in Rechnung stellt.
Von einem Bau-Chaos könne nicht gesprochen werden: "Um einen Flickenteppich im späteren Stadtbild zu vermeiden, wurde die finale Deckschicht, der Asphalt, bislang noch nicht aufgebracht. Hier wünscht sich die Stadt Puchheim ein einheitliches Erscheinungsbild der Straßen beziehungsweise Gehwege, nachdem unsere Tiefbauarbeiten abgeschlossen wurden. Die Oberflächen werden von unserem Tiefbaupartner schnellstmöglich geschlossen. Wir planen, diesen Vorgang flächendeckend noch im November vollständig abzuschließen - und damit noch vor Wintereinbruch."



