Glasfaserausbau: Weniger Lärm, Störungen und Kosten durch neue Verlegemethode
Netzbetreiber verlegen Glasfaser besonders gern in Ortskernen. Bei einer hohen Dichte an Haushalten, also potenziellen Kunden, lassen sich die Fasern vergleichsweise günstig im Boden vergraben. Teuer wird es da, wo lange Strecken zurückgelegt werden müssen – vor allem auf dem Land. Kostentreiber ist dabei weniger das Material als vielmehr der Tiefbau an sich. Die Anwohner müssen zudem Verkehrsstörungen und Baustellenlärm ertragen. Die BBV Deutschland will mit dem Stufenschleifverfahren all dies reduzieren: Lärm, Störungen und Kosten.
Diese Verlegemethode ist in Österreich bereits etabliert und soll nun auch auf Grundlage der DIN 18220 nach Deutschland kommen. Die Norm war lange umstritten. Sie beschreibt sogenannte anerkannte Regeln der Technik für Trenching-, Fräs- und Pflugverfahren, also technische Standards für diese mindertiefen Verlegemethoden, zu denen auch das Stufenschleifverfahren zählt.
Vorteile gegenüber Trenching und konventionellem Tiefbau
Bei dieser Methode wird ein schmaler, abgestufter Schlitz in die Asphaltschicht geschliffen. Dieser Stufenschlitz ist zwischen 3 und 11 cm breit und zwischen 7 und 11 cm tief. Zum Vergleich: Bei der konventionellen Bauweise wird ein Graben ausgehoben, der 60 bis 80 cm tief und 30 cm breit ist.
Im Gegensatz zum Trenching wird beim Stufenschleifverfahren nicht die Trag- und Deckschicht der Asphaltdecke durchtrennt. Durch die Stufen in dem Schlitz wird zudem die Verkehrslast besser abgetragen. Die Straße ist also nach dem Einsatz des Stufenschleifverfahrens stabiler.
In den Stufenschlitz werden Leerrohre verlegt. Anschließend wird der Schlitz mit bitumenfreiem Asphaltmörtel verfüllt. Für diese Verlegemethode werden eine spezielle Schleif- und eine Verlege-Verfüllmaschine benötigt, die derzeit nur von Fiber Europe angeboten werden.
Mehr Glasfaser pro Tag im Boden
BBV Deutschland ist das erste und bisher einzige TK-Unternehmen, das hierzulande das Stufenschleifverfahren nutzt. In der rheinland-pfälzischen Verbandsgemeinde Dahner Felsenland kommt es erstmals zum Einsatz. Die Stadt Dahn sowie die 14 Ortsgemeinden erstrecken sich auf 215 km². "Gerade in diesen ländlichen Regionen zeigen sich die Vorteile des Stufenschleifverfahrens besonders deutlich" , sagte Jens Schwenker, Leiter Construction bei der BBV-Schwestergesellschaft Infrafibre Networks, die für den Netzbau verantwortlich ist.
Die Vorteile liegen vor allem in der Geschwindigkeit. Mit dem Stufenschleifverfahren können laut BBV pro Tag 600 Meter Glasfaser verlegt werden, im Optimalfall sogar doppelt so viel. Wird die Glasfaser jedoch auf 80 cm Tiefe vergraben, schaffen Tiefbauer nur 60 bis 80 m am Tag. Große Ausbauprojekte, insbesondere in dünn besiedelten Regionen, können schneller realisiert werden. Der BBV ist allerdings auch klar, dass es sich beim Stufenschleifverfahren um eine Ergänzung zum konventionellen Glasfaserausbau handelt.
Flächendeckender Ausbau und weniger Beeinträchtigungen
Trotzdem rückt mit solchen mindertiefen Verlegemethoden der flächendeckende Ausbau auch in Kommunen oder Regionen in greifbare Nähe, wo bislang mangels Rentabilität nur eine Glasfaserversorgung in den Ortskernen angedacht war. "Auch die CO2-Emissionen können um bis zu 90 Prozent reduziert werden" , ergänzt BBV-Pressesprecher Olaf Urban-Rühmeier. Da zum Beispiel weniger Aushub bewegt werden muss, verringert sich der Baustellenverkehr.
Ohnehin wird der gesamte Verkehr weniger beeinträchtigt. "Eine Straße, in der wir verlegt haben, ist nach zwei Tagen wieder befahrbar" , erklärt Konrad Matheis, COO der Fiber Europe. Bei der konventionellen Bauweise dauert es zwei bis sechs Wochen, bis die Straße wieder frei ist. Vollsperrungen will BBV sogar gänzlich vermeiden. "Gegebenenfalls gibt es eventuell halbseitige Sperrungen. Das bedeutet, dass die Straße in der Regel befahrbar bleibt" , sagt BBV-Pressesprecher Urban-Rühmeier.
Kommunen und Bauindustrie mauerten
Das Stufenschleifverfahren ist nicht die einzige und erste mindertiefe Verlegemethode, mit der Glasfasernetzbetreiber Zeit und Geld sparen wollen. Bislang sind sie damit aber häufig an der Skepsis der Kommunen gescheitert, die letztlich auch aus Haftungsfragen lieber auf den standardisierten konventionellen Tiefbau zum Verlegen von Glasfaser setzten.
Der wurde auch von der Bauindustrie bevorzugt, da er für die Unternehmen im Vergleich zum Trenching profitabler ist. Deshalb forderte der Bundesverband Breitbandkommunikation (BREKO) mit Inkrafttreten der DIN 18220 die Bauindustrie auf, ihre Blockadehaltung aufzugeben.
Vorbehalte werden weniger
Auch nach mehr als einem Jahr mit der DIN 18220 herrscht immer noch Skepsis. "In der Tat gibt es verschiedentlich Vorbehalte, diese werden allerdings stetig geringer" , sagte Urban-Rühmeier. Mit dem Referenzbeispiel Dahner Felsenland will BBV die Skeptiker überzeugen. "Und nicht zuletzt ist die DIN-Normierung für die zuständigen Behörden ein Argument, den Einsatz auch zu genehmigen" , ergänzt der Pressesprecher.
Michael Zwick ist bereits überzeugt. Der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Dahner Felsenland stellt fest, dass der Ausbau zügig vorankommt. "Wir registrieren auch, dass die Belastung durch die Bauarbeiten sehr überschaubar ist, für uns eindeutig ein Qualitätsmerkmal" , sagte Zwick. In Kürze will auch das BBV-Schwesterunternehmen Leonet bei einem Projekt in Bayern das Stufenschleifverfahren einsetzen.
Der Infrastrukturfonds Infrafibre Germany kaufte im Jahr 2020 den Glasfaserbetreiber BBV Deutschland und zuvor Leonet aus Bayern. BBV Deutschland baute unter der Marke Toni unterversorgte Gebiete in den Bundesländern Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Thüringen aus.
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