Glasfaserausbau: Dann fühlt der Bürgermeister sich "vereimert"

Firmen sollten dem Bürgermeister keinen Glasfaserausbau von 100 Prozent der Haushalte versprechen, weil dies nicht umsetzbar ist. Das sagte Andreas Spiegel, Geschäftsführer Micus Strategieberatung am 15. März 2023 auf den Fiberdays des Breko in Wiesbaden(öffnet im neuen Fenster) vor Vertretern der Branche. "Wenn Sie das zusagen, bekommen Sie im Nachhinein Schwierigkeiten. Das wird faktisch nicht passieren, das wird ganz selten mal durchgesetzt. Und dann fühlt der Bürgermeister sich vereimert."
Durch die Zunahme des Wettbewerbs seien die Kommunen nicht mehr über jedes beliebige Angebot erfreut und nähmen es sofort an, erklärte sein Micus-Kollege Sebastian Fornefeld. "Kommunen stellen Fragen und wollen möglichst viel rausholen." Es gebe meist einen regionalen und zwei überregional angesehene Netzbetreiber als Anbieter.
Bei kleineren kommunalen Ausbauprojekten beobachte Spiegel zudem, dass die Netze an privatwirtschaftliche Unternehmen verkauft würden. Spiegel sagte Golem.de: "Große Zweckverbände auf Landkreisebene und andere sollten das Betreibermodell langfristig für einen guten Exit überdenken. Es macht Sinn, den Ausstieg zu finden, statt jahrelang in verzweifelter Konkurrenz zu Privaten auszuharren."
Exit oft eine gute Entscheidung
Laut Fornefeld sei diese Entscheidung manchmal emotional, wenn Landräte dächten, sie hätten das Netz für über 100 Millionen Euro praktisch selbst aufgebaut. "Aber das bisschen Schmerz ist es dann wert, dass man das Risiko loswird" , sagte er.
Offenlegung: Golem.de hat auf Einladung des Breko an der Veranstaltung in Wiesbaden teilgenommen. Die Reisekosten wurden von dem Branchenverband komplett übernommen. Unsere Berichterstattung ist davon nicht beeinflusst und bleibt gewohnt neutral und kritisch. Der Artikel ist, wie alle anderen auf unserem Portal, unabhängig verfasst und unterliegt keinerlei Vorgaben seitens Dritter.