Glasfaser über P2P: Warum es in Deutschland keine 25 GBit/s für 70 Euro gibt
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Die Point-to-Point-Topologie ist den deutschen Netzbetreibern meist zu teuer und wird auch nicht wie in der Schweiz vom Regulierer angeordnet. Bei der P2P-Topologie von Init7 liegt von der Vermittlungsstelle (PoP) eine eigene, dedizierte Glasfaser bis in jede einzelne Wohnung. Der Kunde teilt sich das Kabel mit niemandem. Wenn der Provider am Ende der Glasfaser im PoP eine 25-GBit/s-Optik einsteckt, und der Kunde die passende Hardware hat, liegt diese Geschwindigkeit auch an, zu einem niedrigen Preis. So bietet Init7 symmetrische 25 GBit/s zum niedrigen Preis von rund 65 CHF (70 Euro) an.
Die Deutsche Telekom und viele andere deutsche Netzbetreiber setzen fast flächendeckend auf Point-to-Multipoint. Hier führt nur eine Faser aus der Zentrale in die Straße und wird dort über einen passiven Splitter auf 32 oder 64 Haushalte aufgeteilt. Bei der aktuellen GPON/XGS-PON-Technik teilen sich die Nachbarn dann eine feste Gesamtkapazität, zum Beispiel 10 GBit/s im Shared Medium. Echte 25 GBit/s dediziert pro Kunde sind in dieser Architektur nicht möglich, ohne das Netz komplett neu zu bauen.
Auch mit Point-to-Multipoint sind sehr hohe Datenraten möglich, wie DNS:Net hierzulande mit 10 GBit/s oder GFiber von Google in den USA mit ersten 20-GBit/s-Anschlüssen (symmetrisch) für 250 US-Dollar zeigen. Dennoch ist es ein Unterschied in der Topologie und für den Endnutzer, ob eine Technologie verbaut wird, bei der sich bis zu 32 oder 64 Nachbarn eine Glasfaserleitung und deren Bandbreite teilen müssen, oder ob eine P2P-Architektur vorhanden ist.
Der Deutsche-Telekom-Sprecher Adrian Sanchez verteidigte im Gespräch mit Golem die Topologie: "Die Telekom setzt beim großflächigen Glasfaserausbau auf eine moderne, standardisierte und international etablierte Architektur. Sie erlaubt eine effiziente, stabile und skalierbare Versorgung sehr vieler Haushalte und Unternehmen. Unsere Netze werden entsprechend der angebotenen Produkte dimensioniert, kontinuierlich überwacht und bei steigenden Bedarfen proaktiv in der Kapazität erweitert."
Telekom: Zugänge oberhalb von 10 GBit/s möglich
Bei der Gewährleistung der Bandbreite für jeden einzelnen Kunden liege der Schlüssel in der Dimensionierung der aktiven Technologie – nicht im passiven Netz. Technologisch sei man "in der Lage, Kunden Geschwindigkeiten oberhalb von 10 GBit/s zu ermöglichen. Wir bieten aktuell Glasfaseranschlüsse mit bis zu 2 GBit/s an – je nach Verfügbarkeit vor Ort". Zudem bestätigten unabhängige Festnetztests regelmäßig die Leistungsfähigkeit und Qualität des Netzes.
M-net: Ganz pragmatische Gründe
Dass die Stadtwerke München (SWM), die bereits 2007 damit begannen, das FTTB-Netz in der Stadt aufzubauen, keine P2P-Architektur wählten, hat laut M-net-Sprecher Andreas Dietrich pragmatische Gründe: "Für ein P2P-Netzwerk in einer Großstadt wie München wäre ein deutlich höherer Platzbedarf in der bestehenden Infrastruktur erforderlich als bei einem GPON-Netz. Während bei GPON bereits eine einzelne Glasfaser im Gehwegbereich ausreicht, um über Splitterstrukturen ein Gebäude mit bis zu 32 Wohnungen beziehungsweise Anschlüssen zu versorgen, müsste bei einem P2P-Netz für jeden einzelnen Anschluss eine eigene Glasfaser bis zum Gebäude geführt werden."
Für ein Gebäude mit 32 Anschlüssen wären somit 32 separate Fasern erforderlich. Was auf den ersten Blick überschaubar erscheine, summiere sich entlang einer Straße mit zahlreichen Gebäuden und mehreren Hundert Wohneinheiten schnell zu einem erheblichen zusätzlichen Platzbedarf.
Darüber hinaus wäre die Umstellung des heute bestehenden GPON-Netzes auf eine P2P-Architektur nur mit großem baulichen und infrastrukturellen Aufwand möglich. Neben umfangreichen Tiefbauarbeiten müssten große Teile der vorhandenen Netzstruktur angepasst oder neu errichtet werden, sagte Dietrich.
Netcologne-Sprecherin Verena Gummich erklärte: "Unsere Entscheidung ist auf PON gefallen, weil es aus unserer Sicht die optimale Balance aus Leistungsfähigkeit, Skalierbarkeit und Wirtschaftlichkeit bietet. Aktuell realisieren wir bei Netcologne per GPON Anschlüsse mit Geschwindigkeiten von bis zu 2 GBit/s."
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