Deutsche Glasfaser: Große Teile als Point-to-Point
Auch Deutsche Glasfaser-Sprecher Dominik Beyer sagte Golem: "Das Glasfasernetz der Deutschen Glasfaser ist bereits zu großen Teilen als Point-to-Point-Infrastruktur aufgebaut: Jede versorgte Adresse verfügt über eigene Glasfasern bis zum Netzknoten (PoP). Für die aktive Übertragung setzt Deutsche Glasfaser auf moderne PON-Technologien. Neue Ausbaugebiete werden seit mehreren Jahren standardmäßig mit XGS-PON erschlossen und ermöglichen heute bereits symmetrische Bandbreiten von bis zu 10 GBit/s. "
Durch die bestehende Glasfaser könnten künftig ohne erneuten Tiefbau auch 25G-PON und perspektivisch 50G-PON eingesetzt werden. Auch bestehende Netze würden schrittweise auf diese Technologien modernisiert. Dafür ist in erster Linie ein Austausch der aktiven Netztechnik erforderlich.
Auch bei Point-to-Point-Netzen würden Daten spätestens ab dem ersten Netzknoten über gemeinsame Transportinfrastrukturen geführt. Eine vollständig dedizierte Ende-zu-Ende-Verbindung für jeden Anschluss gebe es daher in modernen Telekommunikationsnetzen nicht.
Htp: Warum wir von P2P-Technik weg sind
Doch es gibt kein Schwarz und Weiß: Htp aus Hannover hatte zwischen 2018 und 2024 dort ausschließlich P2P-Technik ausgebaut, da GPON keine ausreichende Alternative darstellte. "Mit der Weiterentwicklung von XGS-PON-Systemen steht seit einigen Jahren jedoch eine leistungsfähige PON-Alternative zur Verfügung, die wir seit 2024 einsetzen. Das erste Ausbaugebiet war Mitte 2024 der Ort Börry im Landkreis Hameln-Pyrmont", sagte Unternehmenssprecherin Kathrin Mackensen Golem.
XGS-PON ermögliche pro Haushalt deutlich höhere und insbesondere symmetrische Bandbreiten. Individuelle Upgrades auf diese Bandbreiten können bei den Nutzern ohne aufwendige Systemwechsel umgesetzt werden. Sollte es künftig aufgrund steigender Bandbreitenbedarfe zu Engpässen in einzelnen Anschlusssegmenten kommen, lasse sich durch eine Anpassung der optischen Splitter die Anzahl der Kunden pro Segment reduzieren und damit die verfügbare Bandbreite je Nutzer erhöhen.
"Neben den hohen Bandbreiten bietet XGS-PON auch deutliche Nachhaltigkeitsvorteile", sagte Mackensen. "Im Vergleich zur bisher eingesetzten Glasfasertechnik benötigen die zentralen Systeme deutlich weniger Platz und nur etwa 15 Prozent der Energie. Zudem erzeugen sie weniger Abwärme. Dadurch lassen sich sowohl Bau- als auch Betriebskosten reduzieren, da erheblich weniger Technikstandorte mit Strom- und Klimatechnik ausgestattet werden müssen." Darüber hinaus ermögliche die PON-Struktur, bei Bedarf zukünftige Technologien wie beispielsweise 50G-PON, das sich derzeit bei einigen Herstellern in der Einführung befindet, parallel zu XGS-PON auf derselben Glasfaserinfrastruktur einzusetzen.
Fazit:
Während etablierte Netzbetreiber und Regionalanbieter aus Kosten- und Effizienzgründen auf Point-to-Multipoint setzen und auf künftige Upgrade-Pfade wie 50G-PON verweisen, nennen Kritiker wie Init7-Chef Fredy Künzler dies eine künstliche Verknappung zur Gewinnmaximierung. Dass Ausnahmen wie die Deutsche Giganetz dennoch auf reines P2P setzen, beweist: Die Frage nach der richtigen Topologie ist in Deutschland längst nicht mehr nur eine technische Entscheidung über den künftigen Open-Access-Wettbewerb und die Unabhängigkeit des Endnutzers.
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