Glasfaser: Telekom baut nicht mehr nur bis zum Bürgersteig
Die Deutsche Telekom hat seit Jahresbeginn offenbar ihre Glasfaserausbaustrategie verändert. Telekom-Sprecherin Nicole Schmidt sagte Golem auf Anfrage: "Bereits seit Jahresbeginn 2026 geht die Telekom verstärkt den nächsten Schritt im FTTH-Ausbau an: Unsere Glasfaser soll vom Bürgersteig ins Wohnzimmer kommen. Dafür investieren wir weitere 800 Millionen Euro in den nächsten drei Jahren – zusätzlich zu den bestehenden Investitionen."
Ein zentraler Vorwurf der Konkurrenten beim Glasfaserausbau lautet, dass die Telekom im Wesentlichen nur Homes Passed ausbaue. Homes Passed bedeutet laut Telekom, dass Glasfaser mindestens im Straßenzug von Immobilien, teils aber auch schon direkt an der Grundstücksgrenze anliegt. Kunden müssen dann im schlimmsten Fall noch jahrelang auf den Hausstich warten. Dabei gehe es "vornehmlich um Handtuchwerfen zur Investitionsverdrängung und einer lukrativeren Weiterversorgung mit Kupfer-DSL", lautete die Kritik.
Einmal bauen, alles erledigen
Die Telekom setzt nun laut Schmidt "auch auf das Prinzip des Vollausbaus. Heißt: Wenn wir die nötigen Genehmigungen haben, statten wir möglichst alle Wohnungen eines Gebäudes direkt mit Glasfaser aus – einmal bauen, alles erledigen. So können auch Anschlüsse nach der Erschließung in kürzester Zeit aktiviert werden."
Sven Knapp, Mitglied der Geschäftsleitung beim Bundesverband Breitbandkommunikation (Breko), sagte Golem auf Anfrage: "Anfang 2026 lag die Take-up-rate der Telekom bei etwa 16 Prozent. Bei den Wettbewerbern nutzten schon Mitte 2025 mit circa 34 Prozent mehr als doppelt so viele der erreichbaren Haushalte einen Glasfaseranschluss. Wir gehen davon aus, dass sich die Take-up-Rate seither weiter gesteigert hat."
Dass in Mehrfamilienhäusern statt einzelner Haushalte gleich alle Wohnungen mit Glasfaser versorgt werden, sei bei den Breko-Mitgliedsunternehmen seit Jahren Standard, erklärte er. Diese effiziente Form des Ausbaus in Kooperation mit den Gebäudeeigentümern sollte weiterhin der Regelfall bleiben, forderte Knapp.
Höhere Aktivierungsrate der Wettbewerber
"Wir sehen, dass die Telekom weiterhin stark in den Homes-Passed-Ausbau investiert", sagte auch VATM-Geschäftsführer Frederic Ufer zu Golem. "Und wir nehmen wahr, dass die Telekom auf das hohe Ausbautempo der Wettbewerber mit einer höheren Aktivierungsrate reagiert. Die Zahl aktivierter Kundenverträge liegt aber weiterhin deutlich unter der Take-up-Rate der Wettbewerber".
Tatsächlich liegen auch noch keine Angaben der Telekom für die ersten vier Monate des Jahres vor, um die Aussage zu überprüfen. Zudem veröffentlicht der Konzern keine Zahlen zu wirklich angeschlossenen Haushalten (Homes Connected), sondern nur zu Homes Passed und zu Homes Activated. Auch kann die Telekom wie jedes andere Unternehmen aktuell rechtlich nur mit Zustimmung des Gebäudeeigentümers Wohnungen erschließen, in denen sie keine Kunden hat.
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