Glasfaser: Nun hängt die Kabel doch endlich auf!

Zig Millionen Nutzer schnell und flächendeckend mit Kabel versorgen - das hat vor 25 Jahren schon mal geklappt. Beim Breitbandausbau funktioniert das nur nicht, weil die offensichtlich beste Lösung nicht genutzt wird.

Ein IMHO von veröffentlicht am
So schön könnte der Glasfaserausbau in Deutschland sein.
So schön könnte der Glasfaserausbau in Deutschland sein. (Bild: Danny Krull/Flickr.com/Ausschnitt/CC-BY-SA 2.0)

Alle debattieren über den Internetausbau. Die Telekom beschwert sich über mangelnde Tiefbaukapazitäten, das Baugewerbe widerspricht. Die Breitbandziele der Bundesregierung werden selbst über Mobilfunktechnik mit ihren inhärenten Nachteilen mancherorts nicht erreicht. Unzufriedene Kunden warten vergeblich auf schnelle Glasfaserleitungen. Dabei gäbe es eine einfache Lösung für das Problem: Masten.

Inhalt:
  1. Glasfaser: Nun hängt die Kabel doch endlich auf!
  2. Massenansturm und -investitionen bleiben aus

Ein Blick in die jüngere Vergangenheit zeigt, dass ein flächendeckender Netzausbau bis zum letzten Hof in nur wenigen Jahren erfolgreich umgesetzt werden könnte - mit Holzmasten, wie man sie reichlich sieht, sobald man Berlin verlässt. Im Osten Deutschlands gehören diese Masten für Telefonkabel seit 25 Jahren zum Landschaftsbild, in dünn besiedelten Gegenden im Westen sogar noch wesentlich länger. Die Infrastruktur ist also in einigen Gebieten Deutschlands bereits vorhanden.

Flächendeckenden Ausbau hatten wir schon mal

Damit sind die Bedingungen sogar noch günstiger als beim Aufbau Ost des Telefonnetzes, der ein Paradebeispiel dafür ist, wie ein völlig veraltetes und teils extrem marodes Netz schnell modernisiert werden kann. Denn wie bei vielen anderen Infrastrukturbereichen hatte die DDR aus unterschiedlichen Gründen kaum in den Ausbau des Telefonnetzes investiert. Einige Orts- und Teilnetze nutzten deshalb zur Wendezeit noch Technik aus den 20er Jahren.

Um den Ausbau schnell und kostengünstig voranzutreiben, wurden insbesondere auf dem Land die Kabel für die neuen Leitungen auf Masten verlegt. In nur acht Jahren entstanden so fast 9 Millionen Anschlüsse und das dazugehörige Netz nahezu von Grund auf neu: Ende 1989 gab es auf dem Gebiet der DDR lediglich 1,8 Millionen Anschlüsse bei rund 16,5 Millionen Einwohnern, wie aus dem Jahresbericht der Bundesregierung zum Stand der Deutschen Einheit von 1998 hervorgeht. Bei Gesamtinvestitionskosten von rund 50 Milliarden DM ist der Neuaufbau im Jahr 1997 offiziell beendet worden.

Wo nur noch Masten helfen

Stellenmarkt
  1. Projektleiter (m/w/d)
    wilhelm.tel GmbH, Norderstedt
  2. Teamleiterin / Teamleiter (w/m/d) im Systemmanagement Unix
    Informationstechnikzentrum Bund (ITZBund), Frankfurt am Main, Wiesbaden
Detailsuche

Die Entscheidung für Luftkabel statt Erdkabel war dabei eine reine Kostenfrage. Weite Teile der östlichen Bundesländer sind sehr dünn besiedelt. So gibt es Dörfer, die nur aus einigen wenigen Häusern bestehen oder gar nur lose Ansammlungen von Hofstellen sind, die jeweils mehrere Hundert Meter voneinander entfernt sind, sowie Häuser in Alleinlagen. Das Verlegen in der Erde ist dabei schlicht nicht wirtschaftlich.

Dieses Argument gilt heute wie damals und wird vor allem durch die steigende Verstädterung verstärkt. In ländlichen und unterversorgten Regionen betrügen die Tiefbaukosten bis zu 80 Prozent des gesamten Breitbandausbaus, erklärte der Bundesverband Breitbandkommunikation (Breko) im September 2015. Oberirdische Linien reduzierten die Kosten beim Netzausbau deutlich.

Erschwerend kommt hinzu, dass alternative Wege zum unterirdischen Verlegen auf dem Land nicht genutzt werden können. Leerrohre gibt es dort in der Regel nicht, selbst in Dörfern mit Hunderten Einwohnern gibt es nicht immer eine zentrale Kanalisation, und sogar zentrale Wasserleitungen sind nicht überall vorhanden; Frischwasser wird mitunter immer noch über eigene Brunnen auf dem Grundstück aufbereitet.

Masten dagegen kann man fast überall aufstellen, wo sie nicht ohnehin schon stehen, sie kosten auch weniger Geld. Zudem sind die Hauptverteiler und die zu Multifunktionsgehäusen (MFG) umgebauten Kabelverzweiger (Kvz), an denen die Kupferkabel für das Telefon jetzt noch angebunden sind, in den meisten Fällen selbst schon Teil des Glasfasernetzes.

Ebenso wird das Telefonkabel direkt bis an das Haus geführt. Der letzte Mast steht dabei oft nur 10 oder 20 Meter vom Gebäude entfernt. Warum also hängen nicht längst überall Glasfaserkabel an den Telefonmasten?

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed
Massenansturm und -investitionen bleiben aus 
  1. 1
  2. 2
  3.  


RxyzrYT 18. Jan 2021

Dann schau dir gerne die 10Gbit Tarife Salt Fiber an. Da zahlst du vllt. 60 Euro...

Thiesi 20. Jan 2017

Allerdings waren sechsstellige Nummern in Berlin in den 90ern schon eher die Ausnahme...

Thiesi 20. Jan 2017

"Ein Blick in die jüngere Vergangenheit zeigt, dass ein flächendeckender Netzausbau bis...

tonictrinker 16. Jan 2017

Wie wäre es dann, wenn Du Dir Dein Essen auf dem Balkon selbst anbaust? Wieso sollten...



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Metaverse
EU blamiert sich mit interaktiver Onlineparty

Rund 387.000 Euro an Kosten, fünf Besucher auf der Onlineparty: Ein EU-Projekt wollte junge Menschen als Büroklammer tanzen lassen.

Metaverse: EU blamiert sich mit interaktiver Onlineparty
Artikel
  1. Elektromobilität: Hyundai zeigt Elektrosportwagen Ioniq 5 N
    Elektromobilität
    Hyundai zeigt Elektrosportwagen Ioniq 5 N

    Hyundai hat erstmals ein Video mit dem Ioniq 5 N veröffentlicht. Das besonders sportliche Fahrzeug soll die N-Marke beleben.

  2. High Purity in der Produktion: Unter Druck reinigen
    High Purity in der Produktion
    Unter Druck reinigen

    Ob Autos, Elektronik, Medizin oder Halbleiter: Die Reinhaltung bis in den Nanobereich wird immer wichtiger. Das stellt hohe Anforderung an Monitoring und Prozesslenkung.
    Ein Bericht von Detlev Prutz

  3. Patches: Anti-Ruckel-Updates für Pokémon und Callisto zeigen Wirkung
    Patches
    Anti-Ruckel-Updates für Pokémon und Callisto zeigen Wirkung

    Warum nicht gleich so? Für die von Bugs geplagten Computerspiele Pokémon Karmesin/Purpur und The Callisto Protocol gibt es Updates.

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • PS5-Bundle vorbestellbar • Amazon-Geräte bis -53% • Mindstar: AMD-Ryzen-CPUs zu Bestpreisen • Alternate: Kingston FURY Beast RGB 32GB DDR5-4800 146,89€ • Advent-Tagesdeals bei MediaMarkt/Saturn: u. a. SanDisk Ultra microSDXC 512GB 39€ • Thrustmaster Ferrari GTE Wheel 87,60€ [Werbung]
    •  /