Glasfaser: Kupferabschaltung durch fehlenden Hausstich erschwert
Es gelingt nur schwer, Haushalte zur Umstellung auf Glasfaser zu gewinnen, wenn der Hausstich noch nicht gemacht worden ist. Das geht aus dem Bericht des Gigabitforums bei der Bundesnetzagentur hervor(öffnet im neuen Fenster) , der am 19. November 2024 vorgestellt wurde. Zudem wollen oder können viele Haushalte für einen schnelleren Internetzugang nicht mehr zahlen.
In zwei Gebieten in Deutschland begann ab Februar 2024 die Kupferabschaltung als Testlauf. Dies betraf Haushalte in Bad Salzungen in Thüringen und im hessischen Wiesbaden (1 und 2). Vectoring konnte dort nicht mehr gebucht werden, das Koaxialkabelnetz von Vodafone wurde jedoch weiter betrieben.
Bei der Kupfer-Glas-Migration wird laut dem Bericht, der zusammen mit WIK-Consult erstellt wurde, "auf Netze migriert, die im Regelfall noch nicht vollständig ausgebaut sind" . Die Migration von Endkunden zu Glasfaser, wo der Ausbau von Homes Passed auf Homes Connected noch erfolgen muss, "wurde durch Wartezeiten erschwert" . Nach Meinung einiger Pilotteilnehmer stellt die Schere zwischen Homes Passed und Homes Connected "daher für die Bereitschaft der Endkunden zur Migration ein relevantes Problem dar" . Aus Sicht der Deutschen Telekom stützt der Pilot diese Einschätzung nicht. Dies müsse durch unabhängige Kundenbefragungen untersucht werden.
In Bad Salzungen, wo Endkunden der Kupferanschluss gekündigt und abgeschaltet wurde, ging die Anzahl der Kupferkunden laut Bericht auf etwa die Hälfte zurück. Gleichzeitig wurde die Anzahl der Glasfaseranschlüsse mehr als verdoppelt.
In Wiesbaden 1 stehe die Nachverdichtung von Homes Passed auf Homes Connected noch aus. "Daher sind hier wenige Kunden überhaupt gewechselt. Es gibt hier noch keine aktiven Glasfaseranschlüsse. Wenige Kunden haben einen Glasfaseranschluss bestellt und wenige Kunden sind auf einen Kabelanschluss gewechselt" , heißt es in dem Bericht.
"In Wiesbaden 2 konnte die Zahl der Glasfaserkunden im Pilotzeitraum von 18 auf 57 mehr als verdreifacht werden. Von den 189 Kupferkunden bei Start des Pilotprojekts konnten 49 von einem Wechsel überzeugt werden. Darunter sind 27 bestellte Anschlüsse, die noch nicht aktiviert sind." Der Weg zu einer vollständigen Migration sei auch dort noch lang.
Vereinzelt hätten Endkunden kritisiert, dass bei einem Wechsel von 16 MBit/s auf 50 MBit/s die Preise höher seien. Nur wenige hätten deswegen allerdings den Wechsel verweigert. Vor allem Endkunden mit 16 MBit/s, die in Bad Salzungen mindestens auf 50 MBit/s wechseln müssen, nahmen die Migration hin, klagten aber über den höheren Preis.
Endkunden verbanden den Wechsel auf Glasfaser oder HFC-Kabel selten damit, höhere Bandbreiten zu buchen, wie es in dem Bericht vom WIK und Gigabitforum heißt. "Die Nachfrage nach Bandbreiten über 250 MBit/s war sehr gering. Die hohe Preisspreizung zwischen niedrigeren und höheren Bandbreiten erschwert die Vermarktung von hochbitratigen Glasfaseranschlüssen."
Nur wenige wollen Koaxialkabel
Bei den Kunden, die ihren kupferbasierten Anschluss gekündigt hätten, sei zu beobachten, dass ein Großteil auf Glasfaser wechsele. Nur vereinzelt wechselten Haushalte zum Kabel.
In Bad Salzungen wurden Endkunden zunächst angeschrieben, um die bevorstehende Kündigung des Kupferanschlusses anzukündigen. Manche Carrier sendeten ein zweites Anschreiben mit der Ankündigung der Kündigung aus.
"Insbesondere in den Pilotgebieten Wiesbaden 1 und 2 haben Eigentümer den Zugang zum Gebäude sowie den Anschluss nachfragebereiter Kunden verweigert" . Sie haben dies mit der Ablehnung von Umbauten im Haus begründet. Ein großer kommerzieller Gebäudeeigentümer der Wohnungswirtschaft habe angegeben, dass er bereits mit einem anderen Betreiber einen Vertrag zur Aufrüstung auf Glasfaser abgeschlossen habe.
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