Glasfaser-Haustürwerber: Ohne Verträge drohe Rangern sofort die Kündigung
Die Haustürwerber der Ranger Marketing, die hauptsächlich für die Deutsche Telekom tätig sind, stehen wegen unseriöser Vertragsabschlüsse(öffnet im neuen Fenster) in den Medien in keinem guten Ruf. Eine Beschäftigte hat Golem Einblicke in ihre Erfahrungen der Unternehmenskultur gegeben.
Der Druck, Vertragsabschlüsse vorzuweisen, sei extrem hoch, sagte die junge Ranger-Beschäftigte, die ihren Namen nicht nennen wollte, Golem im März 2026. "Wenn man nicht liefert, bekommt man sofort Gespräche mit den Vorgesetzten und es wird gleich mit der Kündigung gedroht." Es gebe "unheimlich viel Druck von oben. Das kommt nicht von den Leuten selbst" , sagte sie mit Blick auf die Verkaufsmethoden mancher Ranger.
Bei den Rangern gebe es ein festes Gehalt und dazu noch Prämien, sagte sie. Laut Medienberichten liegt das feste Gehalt auf Höhe des gesetzlichen Mindestlohns, erst ein erfolgreicher Glasfaser-Vorvertrag oder ein Telekom-Tarifwechsel bringt demnach eine Prämie. Hier seien die Einnahmen nach oben hin offen.
"Alles eingestellt, was zwei Beine hat"
Dabei ist das Unternehmen der Insiderin zufolge nicht wählerisch bei der Personalauswahl. "Bei den Rangers wird alles eingestellt, was zwei Beine hat. Das ist natürlich auch ein Problem" , sagte sie.
Das ziehe offenbar auch Menschen mit offenen Suchtproblemen an. "Ich habe auch ein paar Kollegen, bei denen ich nicht weiß, was ich von ihnen halten soll, wegen Substanzen und Alkohol" , sagte die Rangerin in dem Gespräch. Wenn es zu zweifelhaften Vertragsabschlüssen komme, wisse sie oft schon vorher, wer dafür verantwortlich sei.
Für sie seien solche Praktiken nicht denkbar: "Ich will immer noch immer in den Spiegel gucken können. Und das kann ich kann nicht, wenn ich einer alten Oma einen Vertrag unterschiebe, den sie gar nicht braucht."
Unternehmen laut eigenen Angaben vorbildlich
Das Unternehmen weist die Kritik zurück und ist nach eigener Darstellung, trotz vieler kritischer Erfahrungsberichte in den Medien, in allen Bereichen vorbildlich. Ranger-Sprecher Niklas Vogel erklärte Golem auf Anfrage: "Es trifft zu, dass wir bei Ranger bewusst auch Menschen eine Chance geben, die auf etablierten Karrierewegen nicht zum Zuge gekommen wären – das sehen wir als gesellschaftliche Stärke, nicht als Schwäche."
Doch nur ein geringer Prozentsatz der Bewerber werde tatsächlich eingestellt. "Von Beliebigkeit kann in diesem Zusammenhang daher keine Rede sein" , sagte Vogel. Beschäftigte mit Alkohol- oder Drogenproblemen hätten "in dem Unternehmen keinen Platz" , betonte er.
Ranger größter Vermarkter von Glasfaseranschlüssen
Die Kundenberatung unterliege strukturierten Qualitätskontrollen. Vogel erklärte: "Jede Reklamation wird dokumentiert und führt ohne Ausnahme sofort zu einer Prüfung und gegebenenfalls zu weitergehenden Maßnahmen, wie etwa Nachschulungen unserer Vertriebsmitarbeitenden oder zu weitreichenderen Konsequenzen." Ranger sei größter Vermarkter von Glasfaseranschlüssen
Bei der Entlohnung spielten Faktoren wie etwa die Beratungsqualität "grundsätzlich eine Rolle" . Angaben zur Höhe der Entlohnung machte Vogel jedoch nicht. Auch zu internem Druck bei fehlenden Vertragsabschlüssen gab es keine Aussagen.
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