Glasfaser: FTTH-Betreiber in Deutschland wollen Preise erhöhen

Angesichts der steigenden Inflationsrate möchten Netzbetreiber gerne mehr für 1 GBit/s über FTTH verlangen. Doch sie sehen auch Probleme dabei.

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v.l.n.r.: Thorsten Dirks (DG), Jens Prautzsch (UGG), Sören Wendler (Deutsche Giganetz), Jürgen Hansjosten (Infrafibre Germany), Stefan Holighaus (DNS:NET)
v.l.n.r.: Thorsten Dirks (DG), Jens Prautzsch (UGG), Sören Wendler (Deutsche Giganetz), Jürgen Hansjosten (Infrafibre Germany), Stefan Holighaus (DNS:NET) (Bild: Breko)

Alternative Glasfasernetzbetreiber in Deutschland würden trotz aller Schwierigkeiten gerne die Preise erhöhen. Das erklärten die Teilnehmer des CEO-Panel auf den Fiberdays am 14. Juni 2022. Stefan Holighaus von DNS:NET berichtete von einer massiven Energiekostensteigerung in seinen Rechenzentren in Berlin. "Die Business Cases werden nicht rot, aber nächstes Jahr wird uns die Preissteigerung massiv einholen. Irgendwann werden wir beginnen, an die Kunden weiterzugeben"

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Die Frage sei nur, "wer ist der erste, der sich aus der Deckung wagt". Den würden alle verprügeln, auch die Kunden, und drei Monate später würden alle mitmachen, sagte Holighaus, der Mitglied der Geschäftsleitung ist.

"Wir haben es bisher nicht geschafft, Preissteigerungen durchzusetzen, nicht mal eine Inflationsbereinigung, da bin ich nicht so optimistisch", wandte der Chef der Deutschen Glasfaser, Thorsten Dirks, ein. Er sehe gegenwärtig "ein bisschen Kaufzurückhaltung". Die Glasfaserpreise lägen zwischen 70 und 90 Euro bei 1 GBit/s. Doch es gebe auch Wettbewerber auf anderer Infrastruktur, die 1 Gig für 39 Euro anböten, sagte er mit Bezug auf den Kabelnetzbetreiber Vodafone. "Morgen 100 Euro zu fordern, halte ich darum für sehr schwer", meinte Dirks. "Doch wir können es probieren, wir können die Preise natürlich etwas nach oben ziehen."

Nach den Worten von Stefan Holighaus (DNS:NET) "gehen die Take-Rates definitiv leicht herunter, das hat auch etwas mit der aktuellen Situation zu tun. Bisher haben wir Orte bearbeitet, wo die Leute nach Glasfaser geschrien haben und 97 bis 98 Prozent bei der Vermarktung hatten. Das waren aber kleine Orte, in den größeren hatten wir 60 Prozent." Das sei heute nicht mehr zu erreichen und werde zukünftig nur noch mit Open Access funktionieren.

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Auch laut Jens Prautzsch von UGG, dem Glasfaser-Joint-Venture von Allianz und dem spanischen Telefónica-Konzern, kann nur ein Drittel der Anschlüsse verkauft werden. Er betonte dabei die bekannten Probleme bei Preissteigerungen. "Bisher haben wir das nicht ansatzweise hinbekommen. Ich glaube aber, wir müssen sagen, liebe ISPs, habt den Mut, die Preise zu erhöhen." Es werde von UGG vielleicht auch Druck auf die ISPs geben, weil man die Preissteigerung in den Vorleistungspreisen abbilden werde, sagte er.

Jürgen Hansjosten von Infrafibre Germany erwartet nächstes Jahr im Baubereich zweistellige Inflationsraten. "Die Business Cases werden die Branche zwingen, die Vorleistungspreise zu erhöhen, das ist meine feste Meinung." Infrafibre kaufte im Jahr 2020 den Glasfaserbetreiber BBV Deutschland und zuvor Leonet.

Laut Sören Wendler von Deutsche Giganetz, die mit von der kanadischen Sunlife-Versicherungsgruppe mit 3 Milliarden Euro finanziert wird, spüre sein Unternehmen die Preissteigerung nicht so sehr, "weil die Branche nur 10 bis 15 Prozent Materialaufwand hat".

In der Telekommunikationsbranche seien die Preise seit Jahren kontinuierlich gesunken. "Warum ist das eigentlich so? Uns muss es doch gelingen, zu erklären, dass Glasfaser mit einem deutlich höheren Nutzen und Mehrwert auch mehr kosten darf." Eines der großen Unternehmen müsse aber damit anfangen, sagte er zum Chef der Deutschen Glasfaser. "Dann kommen die kleinen hinterher."

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