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Glasfaser: Die Telekom hat ihren Krieg gegen FTTH verloren

Im Jahr 2018 hat die Telekom mehrere große FTTH-Projekte angekündigt und kleinere bereits angepackt. Damit musste der Vectoring-Konzern seinen Widerstand gegen Glasfaser bis ins Haus aufgeben.

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Tim Höttges, Vorstand der Deutschen Telekom
Tim Höttges, Vorstand der Deutschen Telekom (Bild: Telekom)

Es war im Mai 2016, als der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Telekom, Timotheus Höttges, in der Telefonkonferenz mit Journalisten noch verärgert auf die Aufforderung von Golem.de reagieren konnte, Angaben zu den Fiber-To-The-Home-Anschlüssen des Konzerns zu machen. Höttges erhob die Stimme leicht und sagte: "Ich werde mich an der sinnfreien Diskussion über gute oder schlechte Glasfasertechnologie nicht beteiligen." Die Telekom hatte in ihrem Geschäftsbericht zufolge erneut VDSL (FTTC - Fiber To The Curb), Vectoring (FTTC) und FTTH (Fiber To The Home) zusammengerechnet und als Glasfaser-Anschlüsse ausgewiesen.

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Inzwischen musste der Konzern seinen Widerstand gegen den FTTH-Ausbau aufgeben. Die Unterscheidung zwischen FTTC und FTTH ergab wieder einen Sinn. Im Mai 2018 hatte Höttges auf der Hauptversammlung der Telekom erstmals konkrete Zusagen zu FTTH gemacht: "Ab 2021 wird die Telekom jedes Jahr rund zwei Millionen Haushalte direkt mit Glasfaser anschließen. Wenn die Politik den richtigen Rahmen setzt." Zuvor war vom Telekom-Management immer wieder erklärt worden, auf lange Jahre brauche niemand höhere Datenraten, als durch Vectoring erzeugt werden können.

Dann war aber sogar dieses neues Ziel nicht mehr hoch genug gesteckt: Der von der Telekom versprochene breite Ausbau von FTTH beginne nicht erst im Jahr 2021, sagte Finanzvorstand Thomas Dannenfeldt am 9. August 2018. "Ich glaube, es gibt insgesamt ein Missverständnis mit der Schlagzahl '2021 - zwei Millionen'. Es ist nicht so, dass wir bis 2021 warten und erst dann anfangen."

Die verschiedenen Ausbauformen griffen vielmehr ineinander, erklärte Dannenfeldt. "Wir sind heute noch unter Volldampf, um den Vectoring-Rollout abzuschließen und Super-Vectoring zu finalisieren. Das wird im Laufe des Jahres 2019 geschehen. Parallel fahren wir bereits im Jahr 2019 den FTTH/B - je nach Kundenwunsch - und die Glasfaseranschlüsse an die Unternehmen hoch. Nur die Schlagzahl, die wir genannt haben, werden wir in 2019 noch nicht sehen."

In Jahr 2019 seien - über das Jahr - die Vectoring-Kapazitäten heruntergegangen, FFTH/B und Glasfaser bei den Unternehmen würden hochgefahren. "Das geht im Jahr 2020 weiter, bis die vollständige Schlagzahl in 2021 erreicht wird. Also ja, natürlich warten wir nicht bis zum Jahr 2021, sondern es geht bereits jetzt los", sagte Dannenfeldt.

Die großen Glasfaserprojekte der Telekom

Der Konzern hatte im Jahr 2012 Glasfaser mit einer Datenübertragungsrate von 200 MBit/s im Download und 100 MBit/s im Upload angeboten. Unter den Ausbaustädten waren Braunschweig, Brühl/Baden, Hannover, Hennigsdorf, Ingolstadt, Kornwestheim, Mettmann, Neu-Isenburg, Offenburg, Potsdam, Rastatt und Stade. Danach konzentrierte sich der Konzern weitgehend auf das Vectoring und baute kaum noch Glasfaser bis zum Endkunden.

In diesem Jahr hat die Telekom dann mehrere große Ausbauprojekte für FTTH angekündigt. Doch alles begann mit vier Gemeinden: In kleineren Städten soll der Ausbau von Glasfasernetzen bis zu den Haushalten getestet werden. Begonnen wurde in Bad Staffelstein in Franken, es folgten Bruchsal, Markkleeberg und Hildburghausen. Überall gelang die Vermarktung. In drei Monaten mussten jeweils rund 30 Prozent der Haushalte einen Glasfaser-Tarif abschließen. Kunden, die innerhalb der Vorvermarktungsphase buchten, sparten die Hausanschlusskosten von 800 Euro.

Nun gab es kein Halten mehr: Im Juli kündigte die Telekom an, im Vogtlandkreis rund 23.000 Haushalte und im Landkreis Nordsachsen mehr als 43.000 Haushalte mit Glasfaser auszustatten. Die maximale Datenrate beim Herunterladen steige auf bis zu 1 Gigabit pro Sekunde (GBit/s). Der Ausbau werde laut Angaben der Telekom vom Bund und dem Freistaat Sachsen gefördert.

Danach gewann die Telekom im Festlandteil des Landkreises Vorpommern-Rügen die Ausschreibung. 40.000 Haushalte bekommen dort FTTH in der Farbe Magenta.

Auch im Landkreis Bautzen bekam die Telekom den Zuschlag, um rund 50.000 Haushalte und fast 5.500 Unternehmen mit Glasfaser anzuschließen. Der Parlamentarische Staatssekretär Steffen Bilger nannte es das größte FTTB-Ausbauprojekt (Fiber To The Building), das bisher in Deutschland gefördert wurde.

Im Raum Stuttgart kündigte die Telekom FTTH an: Mit staatlicher Förderung im Milliardenbereich baue sie die Region mit Glasfaser aus. Auch LTE und 5G sollten dort bevorzugt errichtet werden. Die Telekom wolle bis zu 1,1 Milliarden Euro im Festnetzbereich und den fünf umliegenden Landkreisen Böblingen, Esslingen, Göppingen, Ludwigsburg und Rems-Murr für alle 179 Städte und Kommunen investieren.

Die Region stelle für den Ausbau 500 Millionen Euro zur Verfügung. Das können auch Sachleistungen wie bereits verlegte Glasfaserkabel oder Leerrohre sein. Zudem können Fördermittel von Land oder Bund zum Einsatz kommen.

Und ein weiteres Großprojekt im Glasfaserausbau bekam in diesem Jahr eine Zusage der Bundesnetzagentur: Das Joint Venture von Telekom und Ewe will eine Million Privathaushalte in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Bremen versorgen. Die Kooperation muss jedoch noch vom Bundeskartellamt genehmigt werden.

Doch die Telekom hat wohl zu lange auf ihr altes Kupfer gesetzt: In Sachen Gigabit sei Deutschland ein großer weißer Fleck, erklärte selbst Bitkom-Chef Achim Berg erst im September 2018. Zu den Ursachen für den schlechten Stand beim Gigabit-Ausbau sagte der Verband nichts. Doch was anstünde, sei das größte privatwirtschaftliche Infrastrukturprojekt der vergangenen 50 Jahre. "Wir müssen 41 Millionen Haushalte mit Gigabit via Festnetz versorgen und parallel Superbreitband über neue Mobilfunktechnologien in die Fläche bringen."

Es müssen etwa eine Million Kilometer Kabel verlegt werden, in fast jeder Straße und durch fast jeden Vorgarten, erklärte Berg. Zum Vergleich: Die Telekom will im Jahr 2019 rund 60.000 km Glasfaser verlegen. Mal sehen, ob sie das schafft.



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michael_pfeiffer 18. Jan 2019

"Im Raum Stuttgart kündigte die Telekom FTTH an: Mit staatlicher Förderung im...

Prokopfverbrauch 08. Jan 2019

Die Sache muss doch nur sein, dass genug Fasern (am besten Point to point zu nem...

Prokopfverbrauch 08. Jan 2019

Naja im Backbone Bereich liegt Deutschlandweit schon massenhaft Dark fibre, die nur...

/mecki78 07. Jan 2019

Den, dass sie gesagt haben, wir machen kein FTTH, weil das ist Unfug. Und jetzt machen...


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