Untersuchung: Frauen werden bei Github diskriminiert
Frauen, die wollen, dass ihre Github-Pull-Requests akzeptiert werden, sollten ihr Geschlecht nicht zu erkennen geben. Das ist das Ergebnis einer wissenschaftlichen Studie(öffnet im neuen Fenster) . Forscher der San-Luis-Obispo- und der North-Carolina-State-Universität untersuchten dazu mehr als 4 Millionen Github-Accounts mit den Informationen des GHTorrent-Datensatzes und reicherten die Informationen an, indem sie den Status von Pull-Requests miteinbezogen.
Weil nicht bei allen Accounts das Geschlecht klar erkennbar war, glichen die Forscher die Profildaten mit Google+-Seiten ab, wenn diese ein Geschlecht auswiesen. Sie nutzten dazu die in GHTorrent ausgewiesenen E-Mail-Adressen und suchten damit nach den entsprechenden Google+-Accounts. Mit diesen Daten konnten sie rund 1,4 Millionen Nutzer, also etwa 35 Prozent des gesamten Datensatzes, als entweder männlich oder weiblich bestimmen.
Accounts auf erkennbaren Geschlechterbezug untersucht
Schließlich untersuchten sie die Accounts, die sich einem Geschlecht zuordnen ließen, daraufhin, ob Github-Nutzer dem Account ohne weitere Recherche ein Geschlecht zuordnen könnten. Dazu nutzten sie zufällig ausgewählte Profile und verschiedene Werkzeuge, unter anderem ein menschliches Panel, das Aussagen über einen möglicherweise erkennbaren Geschlechterbezug treffen sollte.
Sie fanden heraus, dass Pull-Requests weiblicher Github-Nutzer insgesamt höhere Merge-Raten aufwiesen als bei männlichen Nutzern: 78,6 Prozent der Vorschläge wurden akzeptiert, aber nur 74,6 Prozent bei Männern. Bei 25 Prozent der Programmiererinnen wurden sogar 100 Prozent der Vorschläge akzeptiert, bei Männern liegt diese Quote der Untersuchung zufolge nur bei 13,5 Prozent. Die Beiträge von Frauen waren im Schnitt länger als die von Männern, ihre Pull-Requests wurden auch in jeder Programmiersprache häufiger akzeptiert. Außerdem trugen Frauen eher zur Lösung bislang ungelöster Probleme bei als männliche Programmierer.
Werden Männer diskriminiert?
Die Ergebnisse legen nahe, dass Männer auf Github diskriminiert werden. Doch das scheint nicht der Fall zu sein. Denn die Wissenschaftler untersuchten abschließend, wie die Pull-Requests akzeptiert wurden, wenn die Projektleiter aus den Account-Informationen das Geschlecht ablesen konnten. Hatten die Github-Nutzer zuvor noch keinen erfolgreichen Pull-Request in einem Projekt, wurden sie als "Außenseiter" behandelt. War das Geschlecht nicht klar erkennbar, war auch hier die Akzeptanzquote bei von Frauen eingereichtem Code höher. Bei erkennbarem Geschlecht wandelte sich das Ergebnis jedoch: Auf einmal wurde der Code von männlichen Accounts offenbar als besser bewertet als der von Frauen.
Die Wissenschaftler stellten einige Thesen auf, um ihre Ergebnisse zu erklären. So würden die weniger kompetenten Frauen eher aus dem weiteren Studium der Informatik und der Programmiertätigkeit aussteigen, so dass nur die besten übrig bleiben und bei Github aktiv werden. Außerdem hätten Frauen im Schnitt höhere Abschlüsse als Männer – was durch andere Studien bereits belegt sei.
Die Studie wurde vom Institutional Review Board als ethisch verträglich bewertet, wurde aber bislang nicht dem wissenschaftlichen Peer-Review-Verfahren unterzogen.
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