Gita Gopinath: Harvard-Ökonomin warnt vor hartem KI-Crash

Die Harvard-Professorin und Ökonomin Gita Gopinath fürchtet die Folgen einer platzenden KI-Blase. "Das wäre schlimmer als der Dotcom-Crash um die Jahrtausendwende, eben weil so viel Geld in US-Aktien geflossen ist" , sagte die ehemalige Vizechefin des Internationalen Währungsfonds (IWF) dem Spiegel. "Sollte sich die Einschätzung zu KI eintrüben, könnten in den USA 20 Billionen US-Dollar an Aktienvermögen verbrennen, im Rest der Welt 15 Billionen US-Dollar."
Lange Zeit habe sich die Diskussion nur um die Produktivitätsvorteile gedreht, die künstliche Intelligenz (KI) der Wirtschaft bescheren kann, so Gopinath. Doch der Produktivitätszuwachs gehe nicht zwingend Hand in Hand mit der Bewertung von KI-Aktien. "Inzwischen rücken immer mehr die KI-Kosten in den Vordergrund, vor allem die Kosten für Rechenzentren" , sagte Gopinath. "Dass KI die Produktivität erhöhen wird, ist das eine. Aber genauso wichtig ist, dass die KI-Firmen Gewinne machen und ihre Börsenbewertung rechtfertigen. Und genau da bin ich skeptisch, dass alles korrekt bewertet wird."
Gopinath sieht verschiedene Faktoren, die einen solchen Crash auslösen könnten – etwa einen zweiten Fall Deepseek, also eine Firma, die KI zu einem Bruchteil der Kosten produziert wie die US-Konkurrenten. "Ein weiterer Crash-Auslöser könnte auch sein, dass die Inflation stärker als erwartet steigt, die US-Notenbank Fed die Zinsen erhöht und für Unternehmen sowie Staaten die Finanzierung der enormen Schulden verteuert" , so Gopinath. "Oder dass die Rendite langfristiger US-Staatsanleihen steigt, weil die Menschen für die Zukunft höhere Inflationsraten erwarten. Das könnte schlimm werden."
Beratungsunternehmen Gartner erwartet weitere KI-Ausgaben
Laut dem Forschungs- und Beratungsunternehmen Gartner(öffnet im neuen Fenster) werden sich die weltweiten Ausgaben für KI im Jahr 2026 voraussichtlich auf 2,52 Billionen US-Dollar belaufen. Das entspricht einem Zuwachs von 44 Prozent gegenüber dem Vorjahr. "Da sich KI in 2026 in der Phase der Ernüchterung befindet, wird sie überwiegend von etablierten Unternehmens-Softwareanbietern vermarktet und nicht mehr als Bestandteil eines neuen Moonshot-Projekts angeschafft" , sagte John-David Lovelock, Vice President Analyst bei Gartner.
"Bevor KI in Unternehmen tatsächlich in großem Maßstab zum Einsatz kommt, muss die Vorhersagbarkeit des Return on Investment deutlich verbessert werden." Allein der Ausbau der KI-Infrastruktur werde die Ausgaben für KI-optimierte Server um 49 Prozent steigen lassen und damit 17 Prozent der gesamten KI-Ausgaben im Jahr 2026 ausmachen. Insgesamt wird die KI-Infrastruktur im Jahr 2026 zusätzliche Investitionen in Höhe von 401 Milliarden US-Dollar nach sich ziehen, da Technologieanbieter ihre KI-Infrastrukturen weiter aufbauen.
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