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GINT XT: Alle vier Mobilfunker wollen Gigabit in die Bahn bringen

Bei bisherigen Tests in Mecklenburg-Vorpommern ist für Gigabit im Zug ein Funkmast pro Kilometer nötig gewesen. Das will man durch Bündelung der 3,6 GHz-Frequenzen aller vier Netzbetreiber lösen.
/ Achim Sawall
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Reisender mit Smartphone im ICE 3neo mit mobilfunkdurchlässigen Scheiben (Bild: Deutsche Bahn / Oliver Lang)
Reisender mit Smartphone im ICE 3neo mit mobilfunkdurchlässigen Scheiben Bild: Deutsche Bahn / Oliver Lang

Mit Funkmasten direkt am Gleis und der Ausnutzung der 5G-Frequenzen aller vier deutschen Mobilfunkanbieter will die Deutsche Bahn künftig ihren Kunden im Zug Gigabit-Internet bieten. Das gaben die Partner des bundesweiten Forschungs- und Entwicklungsprojekts Gigabit Innovation Track XT (GINT XT) am 12. Juni 2025 bekannt. Marcel de Groot, CEO von Vodafone Deutschland, sagte: "Der Gigabit-Zug ist ein Leuchtturmprojekt für Deutschland."

An dem Projekt sind neben der Bahn und den Mobilfunkbetreibern 1&1, Deutsche Telekom, O2 Telefónica und Vodafone auch der Funkmastbetreiber Vantage Towers, der Mobilfunkausrüster Ericsson sowie das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und der Bahnnetzbetreiber Regio Infra Nord-Ost (RIN) beteiligt.

Gert Bikker, Direktor Schienensystemtechnik am Institut für Verkehrssystemtechnik beim DLR, sagte: "Wir bringen in GINT XT unter anderem unsere Erfahrung aus dem Testfeld Niedersachsen und Erkenntnisse aus dem Projekt KoTAM zur Koordinierung der Testfelder für automatisierte Mobilität in Deutschland ein."

Den Anfang macht die Suche nach konkreten technischen Lösungen zur Ausleuchtung der Bahnstrecke Hamburg-Berlin. Während der Generalsanierung der Strecke zwischen August 2025 und April 2026 nutzt die DB bereits die Sperrpause, um Funkmasten für den künftigen Bahnfunk FRMCS (Future Rail Mobile Communication System) aufzubauen, der GSM-R ersetzen soll. FRMCS soll laut Planung bis 2035 europaweit den heutigen Bahnfunk GSM-R ersetzen. Die Bahnstrecke Hamburg-Berlin ist eine der meistbefahrenen Strecken Deutschlands.

Nicht nur C-Band: Weitere Frequenzen kommen hinzu

Im Projekt GINT XT will man jetzt erproben, wie sich Basisstationen, Software und Antennen (Radio Access Network – RAN) durch alle vier Mobilfunknetzbetreiber gemeinsam nutzen lassen. Nötig sind die 5G-Frequenzen aller Mobilfunkanbieter bei 3,6 GHz. Ergänzend werden sowohl niedrigere Frequenzen mit größerer Reichweite als auch noch höhere Frequenzbereiche getestet. Auch die Verträglichkeit des öffentlichen Mobilfunks mit dem künftigen Bahnfunk FRMCS wird untersucht.

Masten und Versorgungscontainer sowie die Strom- und Datenleitungen, die für FRMCS errichtet werden, stellt die DB den Mobilfunkbetreibern bereit.

Auf dem Connect Congress in Dresden am 18. Juni 2024 wollten die Zuschauer von Vantage Towers wissen, ob 5G-Datenraten von 5 GBit/s im Zug auch dann erreicht werden, wenn man mit Höchstgeschwindigkeit fährt. "Ich kann keine Ergebnisse offenlegen, weil die Tests weiter laufen" , hatte Badiaa Bazarbacha vom Management von Vantage Towers Germany gesagt. Bei dem Gint-Projekt der Bahn sollten 5G-Datenraten von 5 GBit/s im Zug erreicht werden, wenn FRMCS eingeführt wird.

Doch auf der Teststrecke in Mecklenburg-Vorpommern fährt der Zug bislang nur 140 km/h und die Züge können bis zu 300 km/h erreichen.

Jeden Kilometer ein Funkmast benötigt

Die im Gint-Projekt genutzten 3,6 GHz-Frequenzen von O2 Telefónica, gemeinsam mit Campus-Spektrum der Bahn, ermöglichten die Datenrate, allerdings wurde jeden Kilometer ein Funkmast benötigt. "Bis 2030 sind 20.000 Funkmasten nötig" , sagte Bazarbacha.

Dabei blieb die Frage nach dem Tempo des Zuges: Tatsächlich gibt es eine Geschwindigkeitsabhängigkeit, aber 5G ist gegen Dopplereffekte "gehärtet" . Aber das Spektrum ist nur dann ausreichend für 5 GBit/s, wenn mindestens 200 MHz kombiniert werden. Daher will man jetzt alle Frequenzen zusammen testen.

Ein weiterer Vertreter von Vantage Towers erklärte im Juni 2024, Super Cells könnten einen Radius von 10 Kilometern ausleuchten. "Dann haben wir weniger Handover."

Daniela Gerd tom Markotten, Vorständin Digitalisierung und Technik der Bahn, erklärte nun: "Im vergangenen Jahr haben die GINT-Partner in Rekordzeit eine Teststrecke mit gleisnahen Mobilfunkmasten aufgebaut. Jetzt untersuchen erstmals alle deutschen Mobilfunkunternehmen entlang dieser Teststrecke, wie eine Gigabitversorgung gelingen kann."


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