Gigaset Mobile Dock im Test: Das Smartphone wird DECT-fähig
Wer in einem Haus oder einer Wohnung mit sehr schlechtem Mobilfunkempfang lebt, kann diesen mit dem Mobile Dock von Gigaset möglicherweise verbessern. Die Idee ist, dass das Smartphone an einer Stelle in der Wohnung oder im Haus abgelegt wird, wo der Mobilfunkempfang ausreichend ist. Innerhalb der Wohnung übernimmt dann eine DECT-Verbindung alles weitere; alle eingehenden Smartphone-Anrufe werden dann zum schnurlosen Festnetztelefon geleitet.
Wir haben uns angeschaut, ob das Mobile Dock die ihm gestellte Aufgabe lösen kann und wie gut sich das System in eine bestehende Telefonanlage einbindet. Uns interessierte auch, ob die Lösung auch Nutzern etwas bringt, die eigentlich keine Probleme mit dem Mobilfunkempfang haben.
Zwei Ausführungen verfügbar
Das Mobile Dock gibt es in zwei Ausführungen. Sie unterscheiden sich aber nur durch die mitgelieferten USB-Kabel zum Anschluss des Smartphones an das Dock. Das Kabel liegt bei, um den Akku im Smartphone bei Bedarf aufladen zu können. Der Android-Version liegt allerdings nur ein klassisches Mikro-USB-Kabel und noch kein USB-C-Kabel bei. Wer also bereits ein Smartphone mit USB-C-Anschluss hat, muss ein anderes Kabel nutzen, wenn er den Akku im Smartphone laden möchte.
Wir haben die Android-Version getestet. Das Smartphone muss mindestens mit Android 4.4 laufen, Geräte mit älteren Android-Versionen werden nicht unterstützt. Maximal zwei Smartphones können parallel mit dem Mobile Dock verbunden und genutzt werden. Die Ablagefläche auf dem Mobile Dock ist aus einer Gummierung, um ein Wegrutschen des Smartphones zu verhindern.
Die Einrichtung an der Fritzbox ist mühsam
Wir haben das Mobile Dock von Gigaset an einer Fritzbox 7490 von AVM und an der DECT-Station SL450A Go von Gigaset ausprobiert. Leider erklärt das beiliegende Handbuch die Einrichtung nur ungenügend, wichtige Aspekte fehlen. Für die Einrichtung muss die zugehörige Mobile-Dock-App(öffnet im neuen Fenster) auf dem Smartphone installiert sein. Das Mobile Dock wird dann über Bluetooth mit dem Smartphone verbunden, um dann mit Hilfe der App über DECT die Verbindung zur Basisstation aufzubauen. Am Mobile Dock befinden sich eine weiße LED für die DECT-Verbindung und eine blaue LED für die Bluetooth-Anbindung, die beide gut sichtbar sind und in dunklen Räumen sehr hell strahlen.
Wir haben uns zunächst an die Anleitung gehalten und wollten die DECT-Basis mit dem Mobile Dock verbinden – ohne die App. Aber das gelang nicht. Über die Mobile-Dock-App glückte es dann. Wer nicht von sich aus darauf kommt, es mit der App zu probieren, scheitert schon bei der Einrichtung. Die unzureichende Anleitung empfinden wir als Ärgernis, zumal die Mobile-Dock-App nach der Einrichtung ohnehin zwingend benötigt wird, um das System konfigurieren zu können.
Weiterleitung funktionierte nicht immer
Denn in der Mobile-Dock-App wird festgelegt, ob Anrufe vom Smartphone auf alle DECT-Mobiltelefone oder nur auf ein bestimmtes Gerät weitergeleitet werden sollen. Weitere Optionen sind nicht vorgesehen. Es gibt also keine Möglichkeit, Anrufe nur etwa auf zwei von drei DECT-Telefonen weiterzuleiten.
Bequemere Konfiguration mit Gigaset-Basis
Im Zusammenspiel mit der Gigaset-Basisstation waren die Bezeichnungen der DECT-Telefone auch in der Mobile-Dock-App zu finden und können entsprechend unkompliziert ausgewählt werden. Wesentlich mühsamer wird es hier beim Einsatz mit Nicht-Gigaset-Basisstationen.
Wer die Fritzbox als DECT-Basis nutzt, muss die interne Durchwahl des betreffenden DECT-Telefons in den Fritzbox-Einstellungen heraussuchen und diese manuell in die Dock-App eintragen. Eine direkte Auswahl der verfügbaren DECT-Telefone aus der App heraus steht nicht bereit.
Wenn alles eingerichtet ist, sollte das zugehörige DECT-Telefon klingeln, wenn auf dem Smartphone ein Anruf eingeht. Das klappte auch meist, allerdings nicht immer. Wenn in so einem Fall das Smartphone im anderen Teil des Hauses oder der Wohnung liegt, wird ein solcher Anruf verpasst. Diese Unzuverlässigkeit fanden wir ärgerlich.
Rufnummernanzeige verlangt nach dem richtigen Telefon
Nach Herstellerangaben funktioniert die Übermittlung der Rufnummer vom Smartphone auf das DECT-Telefon nur mit ausgewählten Gigaset-Mobilteilen. Gigaset gibt auf der Produkt-Webseite(öffnet im neuen Fenster) an, welche fünfzehn Telefone die Rufnummernübermittlung unterstützen.
Wer keines dieser fünfzehn Gigaset-Mobilteile hat oder ein DECT-Telefon eines anderen Herstellers verwendet, kann generell nicht erwarten, die Rufnummer angezeigt zu bekommen. Dann erscheint auf dem Display ersatzweise nur, dass der Anruf über die interne Rufnummer eingegangen ist, die dem Mobile Dock zugewiesen ist.
Es kommt auch auf die DECT-Basis an
Wenn eine Rufnummer übertragen wird, erfolgt die Identifizierung des Anrufers über das Telefonbuch im Smartphone. Das Telefonbuch auf dem DECT-Telefon wird dafür nicht herangezogen. Für die meisten Anwendungen dürfte das die sinnvolle Einstellung sein.
Auf einem Gigaset SL450A wurde die Rufnummer korrekt übermittelt, auf einem älteren Gigaset SL37H klappte das – wie erwartet – nicht. Wenn zwei Smartphones mit dem Mobile Dock verbunden sind, erscheint auf den unterstützten Telefonen dann auch, von welchem der beiden Smartphone der Anruf weitergereicht wird.
Wer auf die Anzeige der Rufnummer des Anrufers Wert legt, sollte sich vor dem Kauf des Mobile Dock erkundigen, ob er ein kompatibles Telefon besitzt. Es ist schade, dass das Mobile Dock dermaßen stark auf das richtige Zubehör angewiesen ist. Wir empfinden den Wegfall der Rufnummernübermittlung als gehörigen Komfortverlust.
Gute Sprachqualität
Die Telefonqualität der Anrufe war gut und Anrufer und Angerufene konnten sich gut verständigen. Prinzipiell ist das Mobile Dock nur dafür geeignet, Anrufe zu empfangen. Wer also über die Smartphone-Rufnummer telefonieren möchte, kann dafür nicht das DECT-Telefon nutzen.
Am Mobile Dock gibt es eine USB-Buchse, um mittels beiliegendem Kabel den Akku im Smartphone zu laden. Das mitgelieferte Kabel ist ungewöhnlich starr. Je nach Position der USB-Buchse am Smartphone wird dadurch das Anstöpseln erschwert. Wer sich daran stört, kann einfach ein anderes USB-Kabel anschließen. Drahtloses Aufladen unterstützt das Gerät leider nicht.
DECT-Reichweite abhängig von der Basis
Die DECT-Reichweite des Mobile Dock hängt stark von der verwendeten Basis ab. Wir testeten die Reichweite mit der Fritzbox und der Gigaset-Station des SL450A Go. Mit der Gigaset-Basis war die Reichweite deutlich größer als mit der Fritzbox. Auch die verbundenen DECT-Telefone hatten mit der Gigaset-Basis eine signifikant höhere Reichweite als mit der Fritzbox.
Die Go-Serie von Gigaset ist auf den Einsatz an All-IP-Anschlüssen optimiert und kann eine im Router enthaltene Telefonanlage ablösen, indem zwei Leitungen parallel genutzt werden können. Wer also die DECT-Funktion einer Fritzbox nutzt und Probleme mit der Reichweite hat, sollte mit den Go-Telefonen von Gigaset die Reichweite erhöhen können.
Das Mobile Dock LM550(öffnet im neuen Fenster) ist bei Gigaset und im übrigen Handel verfügbar. Der Hersteller verlangt den Listenpreis von 70 Euro, im Handel ist das Gerät für um die 40 Euro zu bekommen.
Fazit
Überzeugen konnte uns das Mobile Dock von Gigaset nicht. Wenn die unzureichend beschriebene Einrichtung erledigt ist, funktioniert die Weiterleitung der Anrufe vom Smartphone auf die DECT-Telefone zwar meist, aber eben nicht immer zuverlässig. Bei einem Gerät mit nur einer Funktion empfinden wir das als zu starke Einschränkung.
Bei schlechtem Mobilfunkempfang in den eigenen vier Wänden kann das Mobile Dock eine Abhilfe sein. Aber weniger mühsam ist das Ganze für alle Nutzer mit einer deutschlandweiten Telefon-Flatrate. Ohne weitere Kosten können damit einfach alle eingehenden Anrufe auf die Festnetzrufnummer umgeleitet werden.
Uns missfällt an der Gigaset-Lösung, dass das Übertragen der Rufnummer mit vielen DECT-Telefonen nicht möglich ist. Wer nicht das passende DECT-Telefon hat, muss darauf verzichten. Bezüglich der Zuverlässigkeit der Weiterleitung von Anrufen sollte Gigaset unbedingt nachbessern.
Die Grundidee des Mobile Dock ist lobenswert, hat sich aber durch die zunehmende Verbreitung von Flatrates in das deutsche Festnetz im Grunde schon überlebt.
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