Gigafactory: Musk will Grünheide bei IG-Metall-Wahlsieg nicht schließen
Wenige Tage vor der Betriebsratswahl in der Gigafactory Grünheide hat sich Tesla-Chef Elon Musk mit einer Videobotschaft an die Belegschaft gewandt. In einem Gespräch mit Werksleiter André Thierig, der für die Aufnahme eigens zur Tesla-Fabrik im texanischen Austin geflogen sei, habe Musk indirekt vor der Wahl der Gewerkschaft IG Metall gewarnt und mit einem möglichen Ausbaustopp gedroht, berichten mehrere Medien unter Berufung auf Teilnehmer und Audioaufnahmen.
Einem Bericht des Handelsblatts(öffnet im neuen Fenster) (Paywall) zufolge sagte Musk auf die Frage, wie seine Visionen vom Ausbau der Fabrik umgesetzt werden könnten: "Nun, die Dinge werden sicherlich schwieriger, wenn es sozusagen externe Organisationen gibt, die Tesla in die falsche Richtung drängen. Ich meine, das ist einfach die Wahrheit, weißt du?" Nachdem Thierig die Frage bejaht habe, habe Musk erwidert: "Wir werden die Fabrik nicht schließen, aber realistisch gesehen werden wir auch nicht erweitern."
Mit der "externen Organisation" dürfte die IG Metall gemeint sein, die auf bessere Arbeitsbedingungen und einen Tarifvertrag für die Beschäftigten drängt. Doch das Unternehmen und die Gewerkschaft liefern sich derzeit sogar juristische Auseinandersetzungen um den angeblichen Mitschnitt einer internen Sitzung durch einen Gewerkschaftssekretär.
Neue Produkte neben Model Y
Inwieweit Musk seine Drohung wahrmacht, ist unklar. Denn trotz sinkender Verkaufszahlen des in Grünheide produzierten Model Y sieht er noch gute Perspektiven für den Standort. So kündigte er in der Videobotschaft an, dass in der Fabrik künftig das Robotaxi Cybercab, der humanoide Roboter Optimus oder der Elektro-Lkw Semi produziert werden könnten. Laut Handelsblatt sagte Musk: "Tesla hat also viele Produkte in der Pipeline, es gibt viel Potenzial. Ich denke, wenn die Dinge gut laufen, würden wir Giga Berlin so weit wie möglich ausbauen."
Sollten die Behörden und die Menschen die Pläne unterstützen, "dann würden wir wahrscheinlich erweitern, um es zum größten Fabrikkomplex in Europa zu machen" , sagte Musk.
Alles "krass" und "geil"
Laut einem Bericht des Spiegels(öffnet im neuen Fenster) (Paywall) dauerte die Veranstaltung etwa zwei Stunden. Nach dem Gespräch zwischen Musk und Thierig hätten noch weitere Tesla-Manager gesprochen. Dazu zählten Tom Zhu, Nummer zwei bei Tesla, sowie Verkaufschef Joe Ward und Lars Moravy, der Chef der Fahrzeugentwicklung. Die Manager seien im Gegensatz zu Musk bei der Veranstaltung anwesend gewesen und hätten betont, "wie krass und geil alles sei" , berichtet das Magazin unter Berufung auf Teilnehmer.
Abschließend hätten sich alle elf Listen, die bei der Betriebsratswahl antreten, kurz vorstellen dürfen. Dabei sei die IG Metall von Teilen des Auditoriums ausgebuht worden. Der lauteste Applaus habe Giga United gegolten. Diese Liste scheine auf einer Linie mit der Geschäftsführung zu stehen.
In Grünheide sind aktuell etwa 10.700 Mitarbeiter beschäftigt . Das sind rund 1.700 weniger als noch bei der Betriebsratswahl im März 2024.
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