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Gigabyte P35X v4 im Test: Mehr Gaming-Power geht unterwegs kaum

Einer der stärksten Mobile-Prozessoren und die stärkste mobile Grafikkarte sind im Gigabyte P35X v4 verbaut: Mehr Spieleleistung geht kaum. Dabei ist das Windows-Notebook immer noch vergleichsweise kompakt und leicht – aber leider nicht ohne Macken.
/ Sebastian Wochnik
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Gigabyte P35 v4 (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
Gigabyte P35 v4 Bild: Martin Wolf/Golem.de

Wer unterwegs Spiele wie GTA 5, Ryse oder Tomb Raider auf hoher oder sehr hoher Detailstufe spielen möchte, der benötigt ein Notebook wie das Gigabyte P35X v4. In dem Gaming-Notebook sind die leistungsstärksten mobilen Komponenten verbaut. An die Maße eines Ultrabooks kommt es natürlich nicht heran, allerdings ist es vergleichsweise kompakt und mit einem Gewicht von 2,5 kg nicht allzu schwer. Das hochauflösende 3K-Display dürfte vielen Spielern gefallen.

Gigabyte P35X v4 – Test
Gigabyte P35X v4 – Test (01:32)

Auf der Ifa 2015 wurde bereits der Nachfolger des Notebooks angekündigt, denn Intel hat die neue Generation der mobilen Prozessoren vorgestellt. Viel geändert hat sich beim P35X v5 nicht. Neu ist der Skylake-Prozessor. Welcher genau verbaut wird, wollte Gigabyte noch nicht sagen, wir gehen vom Core i7-6700HQ(öffnet im neuen Fenster) aus. Außerdem wird das neue Notebook zwei USB-Typ-C -Anschlüsse haben. Der Rest bleibt identisch – und damit leider auch die Macken des P35X v4 mit Broadwell-Prozessor.

Das 15,6-Zoll-Display mit IPS-Panel gehört aber nicht zu diesen Macken: Es löst mit 2.880 x 1.620 Pixeln auf, was einer hohen Pixeldichte von 212 ppi entspricht. Bei Anwendungen, die schlecht skalieren, resultiert das manchmal aber in sehr kleinen Schriften und Schaltflächen. Spiele sehen durch die hohe Auflösung sehr scharf aus. Und auch sonst gefällt uns das Display. Mit einer durchschnittlichen maximalen Helligkeit von 312 cd/m2 ist es heller als die meisten Konkurrenzgeräte.

Farben werden sehr ausgewogen und natürlich dargestellt. Lichthöfe konnten wir bei unserem Testgerät nicht feststellen. Eine Variante mit einer niedrigeren Auflösung von 1.920 x 1.080 Pixeln gibt es ebenfalls. Trotz des matten Displayglases sind immer wieder Spiegelungen zu sehen, besonders bei dunklen Bildschirminhalten. So nervig wie bei spiegelnden Displays sind sie aber nicht.

Die Displayscharniere gefallen uns weniger: Sie wirken zwar stabil, halten das Display aber nicht sehr gut in Position. Immer wieder klappt es nach hinten, auch wenn das Gerät einfach auf dem Schreibtisch steht. Hier sollte Gigabyte nachbessern.

Auch am restlichen Gehäuse sind uns störende Kleinigkeiten aufgefallen: Der Kunststoff wirkt etwas billig und Fingerabdrücke sind besonders auf dem Displaydeckel schnell zu sehen. Auch knarzt das Gehäuse an der Unterseite etwas, wenn das Notebook angehoben wird. Praktisch ist die Wartungsklappe auf der Unterseite, über diese kann leicht auf die beiden RAM-Slots zugegriffen werden.

Heiß, aber viel Leistung

Die vielen Anschlüsse an dem Notebook sind praktisch. Jeweils zwei USB-3.0- und USB-2.0-Anschlüsse, ein Ethernet-Port, Mikrofon- und Kopfhörer-Anschluss (Letzterer auch optisch), ein HDMI- und Mini-Display-Port-Ausgang und selbst ein VGA-Anschluss sollten für die meisten mehr als ausreichend sein. Außerdem sind sie gut positioniert: Im hinteren Bereich des Notebooks stören angeschlossene Kabel nur sehr selten. Bluetooth 4.0 wird von dem Notebook unterstützt, WLAN wird nach 802.11 a/b/g/n/ac, also sowohl auf dem 2,4-GHz- als auch auf dem 5-GHz-Band, gefunkt. Ein SD-Kartenleser ist vorhanden. Außerdem hat das Notebook ein optisches DVD-Laufwerk. Wer das nicht benötigt, kann an dessen Stelle eine weitere 2,5-Zoll-Festplatte verbauen.

Eine hat das Notebook bereits, sie ist 1 TByte groß. Dazu zwei m.2-SSDs mit 256 GByte Speicher im Raid 0(öffnet im neuen Fenster) , auf denen das Betriebssystem installiert ist. Sie sind zwar nur über das SATA-Protokoll angebunden, mit Leseraten von 842 MByte/s und Schreibraten von 655 MByte/s aber dennoch recht schnell. Die Gefahr bei einem Raid-0-Verbund ist allerdings, dass ein Ausfall einer SSD meist den Verlust aller Daten bedeutet. Die SSDs und die Festplatte sind nur schwer erreichbar, die gesamte Unterseite des Gehäuses muss abgenommen werden.

Um Spiele mit hohen Grafikeinstellungen auch bei der hohen Auflösung des Displays flüssig darstellen zu können, hat Gigabyte leistungsstarke Hardware verbaut. Dabei wird als Prozessor auf eine der stärksten mobilen CPUs von Intel gesetzt, den Core i7-5700HQ(öffnet im neuen Fenster) . Der benötigt zwar bis zu 47 Watt, dafür takten seine vier Broadwell-Kerne samt Hyperthreading mit 2,7 GHz, im Turbo mit 3,5 GHz. Unter Vollast taktet das Gigabyte-Notebook aber nur kurz hoch, denn der Prozessor wird sehr schnell mit einer Temperatur von fast 90° C sehr heiß und deswegen wieder auf den Basistakt heruntergetaktet.

Die Grafikeinheit ist ebenfalls leistungsstark: Es ist die Maxwell-GPU GM204 von Nvidia, besser bekannt unter dem Modellnamen GTX 980M. Der Chiptakt der GTX 980M beläuft sich auf 1.038 MHz, der Videospeicher ist mit 8 GByte erfreulich groß. Doch auch sie wird unter Vollast sehr heiß und erreicht ebenfalls schnell Temperaturen um 90° C. Bei nicht sehr rechenintensiven Anwendungen, wie etwa beim Abspielen von Videos, wird dank der Optimus-Technik von Nvidia die Grafikeinheit deaktiviert, stattdessen rechnet die deutlich sparsamere integrierte GPU der CPU.

Der Grund für die hohen Temperaturen ist der bauartbedingt recht kleine Kühler der Komponenten. Das Notebook ist mit einer Dicke von 21 mm recht kompakt für die verbaute Hardware, allzu viel Platz für die Kühlung ist deswegen nicht vorhanden. Das Problem dabei: Unter Vollast wird das Notebook auf der Ober- und Unterseite über 60° C heiß. Den oberen Bereich der Tastatur fasst man nicht sehr gerne an, auf dem Schoß ablegen kann man das Notebook dann auch nicht.

Und sehr laut werden die beiden Lüfter des Notebooks unter Vollast ebenfalls. Im Büro, aber etwa auch im Zug, dürfte das Lüftergeräusch die meisten Mitmenschen sehr nerven.

Spielen ist kein Problem

Das scheint der Preis für grafisch anspruchsvolle Spiele auf einem Notebook zu sein, denn immerhin hier schneidet das Notebook sehr gut ab. Thief lief bei nativer Auflösung und maximalen Grafikeinstellungen mit einer Bildrate von 40 fps, Tomb Raider mit 42 fps. Stellt man die Auflösung auf 1.920 x 1.080 Pixel herunter, laufen die Spiele mit 55 bzw. 60 Bildern pro Sekunde.

Benchmarks vom Gigabyte P35X v4
Gigabyte P35X v4 (Core i7-5700HQ, GTX980M) (2.880 x 1.620 Pixel) Gigabyte P35X v4 (Core i7-5700HQ, GTX980M) (1.920 x 1.080 Pixel) Razer Blade 2015 (Intel Core i7-4720HQ, GTX 970M) (1.920 x 1.080 Pixel)
Thief, integrierter Benchmark (Very High Details, kein SSAA) 40 fps 71 fps 66 fps
Tomb Raider, integrierter Benchmark (Ultimate Details) 41 fps 60 fps 58 fps
3DMark Fire Strike (Score) / 8.417 Punkte 6.532 Punkte
3DMark Fire Strike Ultra (Score) 2.310 Punkte / /

Auch das sehr anspruchsvolle GTA V konnten wir bei nativer Auflösung mit hoher Grafikeinstellung und erweiterter PC-Distanzdarstellung mit flüssigen 40 Bildern pro Sekunde spielen.

Wer unterwegs spielen möchte, sollte das klobige Netzteil nicht zu Hause vergessen. Nach rund einer Stunde macht der 75-Wh-Akku nämlich schlapp, signifikant niedrigere Bildraten konnten wir beim Spielen im Akkubetrieb nicht feststellen. Und auch im Office-Betrieb muss das Notebook nach spätestens vier Stunden wieder geladen werden. Selbst im Idle benötigt das Notebook nämlich noch durchschnittlich 20 Watt, unter Vollast werden es teilweise 170 Watt. Da das Netzteil nur mit 180 Watt spezifiziert ist, wird das Notebook unter voller Last kaum geladen.

Für längeres Tippen fanden wir die beleuchtete Tastatur nicht besonders gut. Der Tastenanschlag ist in Ordnung, das Tasten-Feedback aber nicht sehr präzise. Das Mauspad gefällt uns besser: Es ist groß genug und die Finger gleiten gut auf der Oberfläche. Allerdings wünschen wir uns bei einem Gaming-Notebook eine gesonderte linke und rechte Maustaste.

Die Lautsprecher funktionieren – mehr aber auch nicht. Zwar sollen sie einem 2.1-System entsprechen, klingen aber sehr blechern und unnatürlich, da hilft auch die Dolby-Digital-Plus-Home-Theater-Technik nichts. Selbst Sprecher werden verfälscht, Nutzer sollten immer Kopfhörer nutzen.

Verfügbarkeit und Fazit

Das Gigabyte P35X v4 wird mit zwei verschiedenen Displays angeboten: Eine Variante mit 1080p-Display und eine mit 3K-Display – diese haben wir getestet. In beiden sind der Intel Core i7-5700HQ und die GTX 980M verbaut. Außerdem gibt es unterschiedlich große Haupt- und Arbeitsspeicher-Varianten.

Das günstigste P35X v4 mit 1080p-Display ist für rund 1.740 Euro erhältlich. Die Variante mit 3K-Display ist zumindest in Deutschland nicht verfügbar. In Großbritannien wird sie für umgerechnet rund 2.500 Euro angeboten.

Eine breite Verfügbarkeit des Geräts soll laut Gigabyte in den kommenden Wochen gewährleistet werden, obwohl bereits das Nachfolger-Modell angekündigt wurde.

Fazit

Viel Leistung in einem kompakten Gehäuse bietet Gigabyte mit seinem neuen Gaming-Notebook der P-Reihe an. Der leistungsstarke Intel-Prozessor und die Nvidia-Grafikkarte genügen für anspruchsvolle Spiele in hoher bis sehr hoher Detailstufe. Das P35X v4 wird dabei allerdings sehr heiß – zu heiß, um es auf dem Schoß abzustellen. Auch werden die Lüfter sehr laut; wer ohne Kopfhörer spielt, wird schnell von dem Notebook genervt sein.

Das Display ist 15 Zoll groß und löst in 3K auf, das Spielen macht damit viel Spaß. Es sind aber immer wieder Spiegelungen zu sehen, obwohl das Display recht hell und auch matt ist. Außerdem sind die Scharniere mangelhaft, das Display kippt schnell nach hinten weg.

Die vielen Anschlüsse am Notebook gefallen uns, auch das optionale optische Laufwerk kann praktisch sein. Das Gerät kann problemlos transportiert werden, da es mit 21 mm nicht hoch und mit 2,5 kg vergleichsweise leicht ist. Das Netzteil ist aber recht groß und auch schwer. Die Akkulaufzeit ist nicht berauschend: Wer spielt, muss das Notebook nach spätestens einer Stunde an das Netzteil anschließen. Im Office-Betrieb hält der Akku rund vier Stunden.

Insgesamt ist das Gaming-Notebook solide, vor allem die kompakten Maße gefallen uns. Temperatur- und geräuschempfindlich sollten die Nutzer allerdings nicht sein. Wer das Notebook interessant findet sollte allerdings auf den Nachfolger warten, dieser wird die neuen USB-Typ-C-Anschlüsse besitzen und mit einem aktuelleren Prozessor ausgestattet sein.

Wer sich mit etwas weniger Leistung zufrieden geben kann und kein Problem hat, ein Notebook aus den USA zu importieren, sollte aber lieber zum Razer Blade (2015) greifen.


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