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Gigabitförderung 2.0: Wildberger vergibt 1,8 Milliarden Euro für FTTH-Förderung

Eine neue Runde der Glasfaser -Förderung läuft. Doch es dauert im Durchschnitt sieben Jahre vom Antrag bis zur Fertigstellung.
/ Achim Sawall
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Bundesdigitalminister Karsten Wildberger (CDU) (Bild: Bundesdigitalministerium)
Bundesdigitalminister Karsten Wildberger (CDU) Bild: Bundesdigitalministerium

Bundesdigitalminister Karsten Wildberger (CDU) hat am 14. Januar 2026(öffnet im neuen Fenster) symbolisch Förderurkunden der sogenannten Gigabitförderung 2.0 übergeben. Es werden Bundesmittel in Höhe von rund 1,8 Milliarden Euro bereitgestellt. 40 ausgewählte Projekte wurden stellvertretend für die 536 bewilligten Vorhaben vorgestellt.

Das Förderprogramm der Bundesregierung soll Glasfaserausbau in unwirtschaftlichen Gebieten ermöglichen. Entscheidend ist laut Wildberger nun eine zügige und qualitativ hochwertige Umsetzung und eine enge Zusammenarbeit zwischen Bund, Ländern, Kommunen und Telekommunikationswirtschaft. Maßstab für den Erfolg sei nicht die Fördersumme selbst, sondern der tatsächlich realisierte Anschluss und die Nutzung der Netze, betonte der Minister.

Sven Knapp, Hauptstadtbüroleiter beim Bundesverband Breitbandkommunikation (Breko), sagte Golem: "Aktuell braucht ein Förderprojekt von Antrag bis Fertigstellung jedoch im Durchschnitt sieben Jahre. Damit die Fördermittel in Zukunft deutlich schneller in Form von leistungsstarken Glasfaseranschlüssen bei den Menschen vor Ort ankommen, sollte das Bundesdigitalministerium die Förderverfahren drastisch entbürokratisieren. Das würde die Kommunen und Unternehmen entlasten und den gesamten Prozess beschleunigen."

Fördermittel sollten noch gezielter als bisher dort eingesetzt werden, wo die bisherige Internetversorgung besonders schlecht und der Glasfaserausbau unwirtschaftlich seien. Ein weiterer Fokus solle auf der Schließung kleinerer Versorgungslücken liegen. Gleichzeitig seien angesichts der sehr angespannten Haushaltslage von Bund, Ländern und Kommunen klare Kostenobergrenzen pro geförderten Anschluss nötig.

Buglas: "Förderung noch zu bürokratisch und sperrig"

"An vielen Stellen ist die Förderung noch zu bürokratisch und sperrig, so dass Steuergelder nicht immer optimal genutzt werden" , sagte Max Bunse, Geschäftsführer des Buglas (Bundesverband Glasfaseranschluss). "Wir sind daher gespannt auf den kommenden Austausch mit Minister Wildberger über die Senkung der Baukosten zum Beispiel durch Beschleunigung von Genehmigungsverfahren, Anwendung alternativer Verlegemethoden, Vereinfachung im Baurecht und Brandschutz."

Die ausgewählten Projekte des jüngsten Förderaufrufes zeigten die Bandbreite des Gigabitausbaus in Deutschland, betonte Minister Wildberger: von der Stadt Rödental im oberfränkischen Landkreis Coburg mit dem größten Investitionsvolumen und den meisten Anschlüssen einer Einzelkommune bis hin zur Stadt Aachen, die das größte Projekt nach Bundesfördervolumen umsetze und dabei das gesamte Stadtgebiet abdecke. Ein besonderes Vorhaben verfolgt auch der Landkreis Wittmund mit der Glasfaseranbindung der Insel Spiekeroog per Seekabel – als letzte niedersächsische Insel.

Der Bund hat bislang insgesamt rund 21 Milliarden Euro in den Breitbandausbau investiert. Rund 3.850 Ausbauprojekte sind in der Förderung, wodurch rund 4,7 Millionen Anschlüsse neu angebunden werden sollen.

Förderprojekte nicht mehr umsetzbar

Am schärfsten ist die Kritik des VATM (Verband der Anbieter im Digital- und Telekommunikationsmarkt) an der neuen Förderpolitik. Geschäftsführer Frederic Ufer betonte, der Ausbau werde so "in nicht wenigen Fällen sogar ausgebremst statt beschleunigt. Rekordfördersummen, überkomplexe Verfahren, lange und realitätsferne Projektlaufzeiten sowie schlecht aufeinander abgestimmte Förderkulissen haben zu Verzögerungen, ineffizienten Doppelstrukturen und erheblichen Investitionshemmnissen geführt."

Von rund 40 Milliarden Euro, die Bund, Länder und Kommunen in den vergangenen zehn Jahren bereitgestellt haben, seien bislang lediglich etwa 30 Prozent tatsächlich verbaut worden. Noch schwerer wiege, dass eine Verzahnung von eigenwirtschaftlichem und gefördertem Ausbau fehle.

"Besonders dringlich ist zudem eine schnelle und tragfähige Lösung für die zahlreichen Förderprojekte, die infolge überlanger Laufzeiten und massiv gestiegener Bau- und Realisierungskosten mit den ursprünglich bewilligten Fördermitteln faktisch nicht mehr umsetzbar sind" , betonte Ufer. "Ohne kurzfristige Klarheit droht der Glasfaserausbau in vielen betroffenen Regionen vollständig zum Stillstand zu kommen" , sagte er.


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