Gig-Economy: Flink-Fahrer wollen einen Betriebsrat

Ein weiteres Start-up könnte eine Mitarbeiterorganisation bekommen. Das kündigten die Berliner Kuriere des Onlinelieferdienstes heute an.

Artikel veröffentlicht am , Daniel Ziegener
Gemeinsam ist man stärker.
Gemeinsam ist man stärker. (Bild: Flink)

Die Berliner Kurierfahrer des Essenslieferdienstes Flink wollen einen Betriebsrat gründen. Das kündigten sie heute nicht nur mit Aushängen in den Berliner Warenlagern an, sondern auch auf Twitter. Die Betriebsversammlung ist für den 22. Juli 2022 geplant. Dabei wird der Wahlvorstand bestellt - der erste offizielle Schritt zur Wahl des Betriebsrates.

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Flink reagierte auf Nachfrage von Golem.de gelassen auf die Maßnahmen. Man nehme den heute angestoßenen Prozess normal zur Kenntnis. Im März 2022 sagte Flink dem Tagesspiegel, man wolle sogenannte Op Committees an allen Standorten einrichten. Diese sollten "sicherstellen, dass die Belange der Mitarbeiter in den Hubs an die verantwortlichen Stellen herangetragen werden und so die Möglichkeit besteht, schnell auf etwaige Missstände zu reagieren." Offizielle Betriebsräte würden diese Komitees ersetzen.

Auf Twitter gratulierten die Arbeitnehmer-Organisationen anderer Lieferunternehmen wie Gorillas, Lieferando oder Dropp zu dem Schritt. Damit diese Start-ups ihr Versprechen schneller Lebensmittelbestellungen per App in Großstädten umsetzen können, benötigen sie ein Netzwerk aus Kurieren. Deren Arbeitsbedingungen gelten gemeinhin als schlecht. Die Initiative Fairwork bewertete Flink in ihrem letzten Jahresbericht besonders bei der Repräsentation im Unternehmen nicht gut. Insgesamt landete das Unternehmen mit 6 von 10 Punkten im oberen Mittelfeld.

Flink wurde 2020 in Berlin gegründet und ist ein Einhorn-Unternehmen, also ein Start-up, das mit mehr als einer Milliarde bewertet wird. Ende 2021 konnte Flink in den Umsätzen sogar den Konkurrenten Gorillas überholen. Dieser kürzte zuletzt Hunderte Stellen als Sparmaßnahme.

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Während Betriebsräte bei den meist gut bezahlten IT-Fachkräften in Start-ups kaum eine Rolle spielen, werden sie bei den Kurierfahrern im Onlineversandhandel trotz Widerständen aus der Branche immer üblicher. In der Vergangenheit haben Start-ups wie Gorillas oder das Fintech-Unternehmen N26 versucht, Betriebsratsgründungen zu verhindern. Befürchtungen, dass dies auch bei Flink der Fall sein könnte, wurden bereits auf Twitter laut. Das Flink Workers Collective hat für diesen Fall ein Unterstützungskonto eingerichtet.

Nachtrag vom 29. Juni 2022, 14:09 Uhr

Der Artikel wurde mit einer Stellungnahme von Flink aktualisiert.

Weitere Informationen zum Thema Startup gibt es hier in unserem Karriere-Ratgeber

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