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Ghost Recon Wildlands im Test: Willkommen in der wunderschönen Drogenhölle

Lauschige Wälder und brutale Mafiabosse, friedliche Dörfer und korrupte Militärs - und wir stehen zwischen allen Fronten. Ghost Recon Wildlands schickt Einzelspieler und Koop-Fans in eine offene Welt und einen faszinierenden Kampf gegen das Böse.
/ Peter Steinlechner
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Artwork von Ghost Recon Wildlands (Bild: Ubisoft)
Artwork von Ghost Recon Wildlands Bild: Ubisoft

Cotani, ein kleines Dorf in den Hochebenen von Bolivien. Die Sonne scheint, Hühner laufen gackernd über die Straßen, irgendwo spielt ein Radio einen Schlager. Ein paar Kinder spielen zwar Auftragskiller - aber davon abgesehen wirkt die Szene friedlich. Bis ein altes Transportauto heranrollt und vier bärtige Männer mit Sonnenbrillen und schwerer Kampfausrüstung auf dem Rücken aus dem Wagen springen - wir sind einer von ihnen.

Ghost Recon Wildlands - Fazit
Ghost Recon Wildlands - Fazit (02:01)

So schnell wie möglich rennen wir zu einer klapprigen Scheune, und tatsächlich: Dahinter versteckt sich Marco - der Informant, den wir gesucht haben. Eigentlich ist Marco nur ein armer Bauer. Aber weil er sich mit einem mächtigen Drogenkartell eingelassen hat, verfügt er über Wissen, das er beim Anblick unserer gezogenen Pistole dann auch herausrückt.

Heruntergekommene Dörfer, schwere Waffen, eine riesige Welt und gut organisierte, ungeheuer mächtige Verbrecherbanden: Das sind die Teile, aus denen das Entwicklerstudio Ubisoft Paris sein Actionspiel Ghost Recon Wildlands zusammengesetzt hat. Bevor wir näher auf Gameplay und Technik eingehen: Wildlands funktioniert prima als Unterhaltung, aber es vermittelt - soweit man das aus der Entfernung einschätzen kann - offenbar auch einen recht authentischen Eindruck von Teilen von Südamerika.

Unser Auftrag in der vollständig allein spielbaren Kampagne ist es, als Mitglied einer US-Spezialeinheit in dem Land nach und nach die Regionalfürsten des Drogenkartelles Santa Blanca zu eliminieren. Sobald wir eine bestimmte Anzahl der Gangster getötet und das riesige Spielgebiet damit zu einem Großteil befreit haben, können wir uns noch um den Rest kümmern oder uns im Endkampf dem Oberboss El Sueño stellen.

Das ist ein breitschultriger, brutal aussehender Typ, dessen Gesicht ein großes tätowiertes Kreuz ziert. Die Spielzeit bis zu diesem Einsatz beträgt mindestens 20 bis 30 Stunden - aber wer sich auch nur ein bisschen um die Massen an zusätzlichen Aufgaben und Missionen kümmert, kann in Wildlands noch deutlich mehr Zeit verbringen. Die Haupthandlung und ein paar der Nebenmissionen werden in längeren, ordentlich gemachten Zwischensequenzen erzählt.

Grundsätzlich treten wir in der Third-Person-Perspektive an, trotzdem ist das Spielgefühl - unter anderem wegen der Zielaufschaltung bei den Waffen - fast wie in einem Ego-Shooter. Wir befinden uns immer in Begleitung von drei weiteren Elitesoldaten, die entweder vom Computer oder von menschlichen Mitstreitern gesteuert werden.

Kameraden und Koop

Wir haben überwiegend allein gespielt und uns um die halbwegs schlau agierenden Kameraden schlicht nicht gekümmert - obwohl wir ihnen über ein Kreismenü auch Befehle erteilen können. Praktisch sind die Kollegen vor allem dann, wenn wir sterben und mit einer Spritze in den Brustkorb wiederbelebt werden müssen. Das ist übrigens pro Kampf nur einmal möglich. Danach heißt es Game Over und wir machen vom letzten, meist sinnvoll angelegten Checkpoint weiter; manuell speichern dürfen wir nicht.

Ghost Recon Wildlands - Trailer (Launch)
Ghost Recon Wildlands - Trailer (Launch) (01:17)

Der normale von vier Schwierigkeitsgraden ist anfangs durchaus herausfordernd, später - mit mehr und besserer Ausrüstung - fühlt er sich fast zu einfach an. Wer mag, kann dann aber einen höheren wählen. Die Gegner-KI wirkt ordentlich: Die Banditen machen wenig echte Fehler, vollbringen aber auch keine taktischen Glanzleistungen.

Der Aufbau von Wildlands ähnelt dem andere Sandbox-Spiele von Ubisoft, insbesondere an Far Cry werden Erinnerungen geweckt - allerdings gibt es keine Jagd auf Tiere. Auf der Übersichtskarte von Wildlands sind neben der nächsten Storymission noch Massen an kleinen Symbolen mit weiteren Aufgaben markiert. Da gibt es Hinweise auf Fertigkeitenpunkte, auf eine Mission für die Rebellen, auf eine Kiste mit Munition und Waffen oder auf geheime Dokumente und noch vieles mehr.

Die meisten dieser Sammel- und Suchaufgaben sind interessant in mehr oder weniger aufwendige Feuergefechte verpackt. Neben den Mitgliedern des Drogenkartells haben wir es übrigens auch mit der Armee zu tun, die unser Treiben gar nicht gut findet und je nach Fahndungslevel - was ein bisschen an Grand Theft Auto erinnert - mit mehr oder weniger Aufwand und schwerem Gerät gegen uns kämpft.

Die Nebenaufgaben sind wichtig, weil wir damit nach und nach bessere Fähigkeiten freischalten können. Wir benötigen nämlich nicht nur Fertigkeitspunkte, sondern je nach Skill noch Öl, Medizin, Radartechnik und Nahrung. Damit können wir dann unsere Schmerzgrenze und damit die Gesundheit verbessern, unserer Drohne mehr Reichweite oder Akkulaufzeit verpassen oder das Wiederbeleben von uns oder einem Teamkameraden im Kampf spürbar beschleunigen.

Eine ganze Welt ...

Die Grafik macht einen hervorragenden Eindruck - besonders auf schnellen PCs sieht die Welt atemberaubend aus. Neben den äußerst vielfältigen Landschaften mit kargen Hochebenen, mit Salzseen, tiefen Wäldern und weiteren Umgebungen tragen auch die Tag- und Nachtwechsel sowie das dynamische Wettersystem zur Stimmung bei.

Wenn wir uns mitten in der Nacht bei einem Gewitter an ein Dorf heranschleichen, wirkt das fast schon unheimlich echt. Was es übrigens nicht gibt: Städte - die größten Siedlungen sind mittelgroße Dörfer aus Hütten und einigen sehr wenigen, etwas größeren Gebäuden.

Laut Ubisoft soll Wildlands offline spielbar sein. Bei der Konsolenfassung ist uns das gelungen. Die PC-Version dagegen konnten wir nicht ohne Verbindung zu den Uplay-Servern starten - falls es irgendwo doch eine Option dafür gibt, haben wir sie nicht gefunden. In der laufenden Einzelspielerpartie konnten wir dann allerdings unser WLAN abschalten, ohne dass es zu einer Fehlermeldung gekommen wäre. Trotzdem sind wir sowohl auf Konsole als auch auf PC trotz ausführlichen Ausprobierens nicht endgültig sicher, dass es ohne Internet wirklich keine Probleme gibt.

Verfügbarkeit und Fazit

Insgesamt haben wir bis auf Kleinigkeiten wie ab und zu mal Kantenflimmern oder ähnliche Grafikfehler keine relevanten Bugs in Wildlands gesehen. Bis auf zwei Details in der PC-Version: Zum einen rutscht in der Charaktergenerierung unser Charakter immer hinter die Menüs und ist somit nicht sichtbar. Zum anderen gibt es mitten im Spiel immer wieder plötzlich auftretende, ein bis drei Sekunden lange Pausen, in denen alles stillsteht - danach geht es aber flüssig weiter. Beide Probleme hatten wir in den Konsolenfassungen nicht.

Tom Clancy's Ghost Recon Wildlands - Solo-Gameplay
Tom Clancy's Ghost Recon Wildlands - Solo-Gameplay (21:48)

Wenn wir online antreten, können wir im Koop-Modus mit bis zu drei anderen menschlichen Mitstreitern gemeinsam gegen die Drogenkartelle kämpfen. Das Ganze ist weitgehend nahtlos in die Kampagne eingebunden: Wir drücken an bestimmten Stellen eine Taste, dann laden Teile des Programms neu und wir treten mit Onlinekameraden an (einen lokalen Koop-Modus gibt es leider nicht).

Die Systeme zur Abstimmung und Kommunikation funktionieren gut, weit entfernte Kumpel können wir meistens per Schnellreise erreichen - in der riesigen Welt müssten die anderen Teilnehmer sonst ermüdend lange auf uns warten. Der Koop-Modus von Wildlands setzt ausschließlich auf Peer-to-Peer-Verbindungen statt auf dedizierte Server. Wegen des Fokus auf Player-versus-Enemy dürfte das aber langfristig viel weniger stören als zuletzt im PvP-lastigen For Honor.

Ghost Recon Wildlands ist für Windows-PC ( Systemanforderungen ), Xbox One und Playstation 4 (jeweils rund 60 Euro) erhältlich; Sammlerausgaben sind teils teurer. Wer die PC-Version bei Steam kauft, muss sie dort und bei Ubisoft aktivieren. Die USK hat dem Programm eine Freigabe ab 18 Jahren erteilt.

Fazit

Wenn in GTA 5 die Stadt Los Santos der eigentliche Hauptdarsteller ist, dann ist in Ghost Recon Wildlands natürlich das von den Drogenkartellen gebeutelte Bolivien die wichtigste Attraktion. Eine derart große und glaubwürdige, außerdem schlicht schöne Spiele-Sandbox auf Basis einer Echtweltvorlage hat es im Grunde noch nicht gegeben. Von kargen Hochebenen bis hin zu lauschigen Flusstälern: Die Landschaft sieht durchgehend hervorragend aus und lädt zum Erforschen ein.

Glücklicherweise stimmt aber auch das Gameplay. Wildlands macht als höchst motivierender Solo-Shooter mit seiner Kampagne und den vielen guten Nebenaufgaben ähnlich viel Spaß wie als Koop-Actiontitel, in dem die Spieler ihr Vorgehen aufeinander abstimmen müssen.

Natürlich fühlen sich einige der Zusatzaufgaben etwas generisch an - ganz vermeiden lässt sich das in so einem Titel wohl nicht. Aber unterm Strich wirkt der Kampf gegen die Kartelle erstaunlich lebendig und abwechslungsreich. Der Mix aus spielerischer Freiheit, motivierendem Sammeln und Jagen sowie der stimmigen Atmosphäre funktioniert in Ghost Recon Wildlands sehr gut.


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