Abo
  • Services:

Gezielte Werbung: Deutsche Post testet Gesichtserkennung in Filialen

Die Werbung in den Warteschlangen von Postfilialen soll personalisierter werden. Die verwendete Gesichtserkennungssoftware ist umstritten, auch wenn sie Menschen nicht identifiziert.

Artikel veröffentlicht am ,
Partnerfilialen der Post sollen gezieltere Werbung ausspielen.
Partnerfilialen der Post sollen gezieltere Werbung ausspielen. (Bild: Sean Gallup/Getty Images)

Gleiche Werbung für alle: Dieses Motto soll bei den Anzeigen auf Infodisplays in Postfilialen künftig nicht mehr gelten. Wie die Münchner Abendzeitung und Heise.de berichteten, erfasst die Deutsche Post bereits in 40 Partnerfilialen in Berlin und Köln ihre Kunden mit einer Kamera und spielt je nach Alter und Geschlecht gezieltere Werbung aus. Weitere 60 Tests in Hamburg und München sind geplant.

Stellenmarkt
  1. SEW-EURODRIVE GmbH & Co KG, Bruchsal
  2. Lidl Digital, Neckarsulm

Eine weitergehende Identifizierung soll mit der Software Adpack des Berliner Startups IDA Indoor Advertising GmbH hingegen nicht möglich sein. Die Deutsche Post hat daher auch keine datenschutzrechtlichen Bedenken. "Kunden werden zu keinem Zeitpunkt im eigentlichen Sinne 'gefilmt', da die eingesetzte Technologie keine Bilder oder Bewegtbilder speichert. Die Technologie kann keine personenbezogenen Daten erheben, lediglich anonyme Metadaten werden erfasst. Deshalb besteht keine Notwendigkeit und keine rechtliche Erfordernis, die Kunden in der Testphase gesondert darüber zu informieren", sagte der Münchner Post-Sprecher Dieter Nawrath der Abendzeitung.

Grüne fordern Information der Kunden

Das Startup verweist darauf, für sein Produkt ein E-Privacy-Siegel zu haben. "Adpack ermöglicht die Erfassung der Betrachter von Public Displays nach Anzahl, Geschlecht und Altersgruppen. Das System kann unbewegte als auch bewegte Werbung (Video) zielgruppengenau und unmittelbar an die zuvor erfassten Betrachter ausspielen", heißt es in den FAQ. Adpack komme ausschließlich an Orten zum Einsatz, die als "videoüberwacht" gekennzeichnet seien. "Es speichert keine personenbezogenen Daten und ist zertifiziert datenschutzkonform", schreibt das Unternehmen.

Die datenschutzpolitische Sprecherin der Grünen im bayerischen Landtag, Verena Osgyan, kritisierte dennoch das Unternehmen. Die Post bewege sich ihrer Ansicht nach "mindestens im datenschutzrechtlichen Graubereich", sagte sie der Abendzeitung. Das Unternehmen solle seine Kunden in den Einsatzbereichen "proaktiv über diese Maßnahme informieren". Dass die Post dies nicht freiwillig tue, lasse Schlimmeres befürchten. Osgyan vermutet, dass die Software noch mehr Möglichkeiten bietet als nur zielgruppengenaue Werbeansprachen.

Echtzeitkontrolle möglich

Laut IDA Indoor Advertising ist Adpack in der Lage, die Werbewahrnehmung zu messen, "wie dies bis dato nur im Online Advertising möglich war". Mit Hilfe der Kamera kann das System demnach feststellen, ob Kunden sich ein Werbevideo tatsächlich anschauen. Die kostenintensive Ausstattung von Filialen mit Bildschirmen für Werbung und Infotainment soll sich durch gezieltere Anzeigen besser amortisieren.

Durch die Adpack-Technik würden die "Streuverluste minimiert und Konsumenten können situativ adressiert sowie Mediabudget effizienter eingesetzt werden", heißt es. Die Werbekunden können laut IDA ihre Filialkunden in Echtzeit überwachen. Das heißt, sie können jederzeit feststellen, welches Alter und welches Geschlecht die Kunden zu einem bestimmten Zeitpunkt haben.

Nachtrag vom 13. April 2017, 12:46 Uhr

Die Deutsche Post bestätigte auf Anfrage von Golem.de die Medienberichte. Mit den Tests solle herausgefunden werden, "ob eine solche Mischung aus Information, Unterhaltung und zielgruppenspezifischen Werbeinhalten die Zufriedenheit unserer Kunden mit den Partner-Filialen weiter erhöhen kann". Das Pilotprojekt solle bis voraussichtlich Mitte 2018 laufen. Anschließend werde in Zusammenarbeit mit dem Kooperationspartner IDA entschieden, "ob und in welcher Form die Kooperation weiter fortgeführt wird".



Anzeige
Top-Angebote
  1. 299€
  2. 499€ + Versand
  3. (-80%) 3,99€

Hu5eL 18. Apr 2017

angst werbung zu sehen, die dich interessiert?

virtrael 18. Apr 2017

(wkwt)

SuiCid 13. Apr 2017

- Google Analytics Wird nicht geladen. - Google Syndication Auch nicht. - InfoOnline...

flike 13. Apr 2017

Um Werbung gehts dabei nur mittelbar. Man muss zunächst flächendeckend eine...

flike 13. Apr 2017

Es fängt nicht an. Wir sind schon lange, lange mittendrin. Das heißer werdende Wasser hat...


Folgen Sie uns
       


iPad 2018 - Test

Das neue iPad hat vertraute Funktionen, die es teilweise zu diesem Preis aber noch nicht gegeben hat. Wir haben uns Apples neues Tablet im Test angeschaut.

iPad 2018 - Test Video aufrufen
Klimaschutz: Unter der Erde ist das Kohlendioxid gut aufgehoben
Klimaschutz
Unter der Erde ist das Kohlendioxid gut aufgehoben

Die Kohlendioxid-Emissionen steigen und steigen. Die auf der UN-Klimakonferenz in Paris vereinbarten Ziele sind so kaum zu schaffen. Fachleute fordern daher den Einsatz von Techniken, die Kohlendioxid in Kraftwerken abscheiden oder sogar aus der Luft filtern.
Ein Bericht von Daniel Hautmann

  1. Xiaoice und Zo Microsoft erforscht menschlicher wirkende Sprachchat-KIs
  2. Hyperschallgeschwindigkeit Projektil schießt sich durch den Boden
  3. Materialforschung Stanen - ein neues Wundermaterial?

Digitalfotografie: Inkonsistentes Rauschen verrät den Fälscher
Digitalfotografie
Inkonsistentes Rauschen verrät den Fälscher

War der Anhänger wirklich so groß wie der Ring? Versucht da gerade einer, die Versicherung zu betuppen? Wenn Omas Erbstück geklaut wurde, muss die Versicherung wohl dem Digitalfoto des Geschädigten glauben. Oder sie engagiert einen Bildforensiker, der das Foto darauf untersucht, ob es bearbeitet wurde.
Ein Bericht von Werner Pluta

  1. iOS und Android Google lanciert drei experimentelle Foto-Apps
  2. Aufstecksucher für TL2 Entwarnung bei Leica

Grenzenloser Datenzugriff: Was der Cloud-Act für EU-Bürger bedeutet
Grenzenloser Datenzugriff
Was der Cloud-Act für EU-Bürger bedeutet

Neue Gesetze in den USA und der EU könnten den Weg für einen ungehinderten und schnellen weltweiten Datenzugriff von Ermittlungsbehörden ebnen. Datenschützer und IT-Wirtschaft sehen die Pläne jedoch sehr kritisch.
Ein Bericht von Friedhelm Greis

  1. Elektronische Beweise EU-Kommission fordert weltweiten Zugriff auf Daten
  2. Panera Bread Café-Kette exponiert Millionen Kundendaten im Netz
  3. Soziale Netzwerke Datenschlampereien mit HIV-Status und Videodateien

    •  /