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Gewerkschaft warnt: Italo-Züge könnten kleinere Städte vom Fernverkehr abkoppeln

Italo plant Fernverkehrsfahrten in Deutschland. Dadurch könnten kleinere Städte ihre Bahnanbindungen verlieren.
/ Ingo Pakalski und dpa
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Italo will bald Bahnfahrten in Deutschland anbieten. (Bild: Gabriel Bouys/AFP via Getty Images)
Italo will bald Bahnfahrten in Deutschland anbieten. Bild: Gabriel Bouys/AFP via Getty Images

Der geplante Einstieg des italienischen Bahnunternehmens Italo könnte im deutschen Fernverkehr aus Sicht der Gewerkschaft EVG zu deutlichen Einschränkungen führen. Mindestens 16 Städten drohe die Abkopplung vom ICE- und IC-Verkehr, heißt es laut Bild am Sonntag in einer Analyse der Bahngewerkschaft.

Unter anderem könnten bayerische Städte wie Augsburg, Ingolstadt oder Bamberg betroffen sein. Die Ingolstädter CSU-Fraktion wandte sich in einem offenen Brief an Oberbürgermeister Michael Kern.

Ein EVG-Sprecher betonte auf Anfrage, dass dies eine erste Analyse sei und nur Bahnhöfe aufgeführt würden, bei denen sich die Gewerkschaft nach jetzigem Stand sicher sei, dass es zu erheblichen Auswirkungen käme. Die tatsächlichen Folgen dürften weitreichender sein.

Politik will negative Folgen verhindern

Der Vorsitzende der Verkehrsministerkonferenz, Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU), ist ebenfalls besorgt(öffnet im neuen Fenster). Der Wettstreit um bestehende Trassen könnte auch in Bayern zu Streichungen im Fernverkehr führen und den Nahverkehr beeinträchtigen.

"Ich kämpfe dafür, dass keine neuen Trassen vergeben werden, solange es so viele Baustellen im Netz gibt, schon gar nicht zulasten des Schienenpersonennahverkehrs", sagte Bernreiter. "Dem Fernverkehr muss auferlegt werden, dass die Regionen in der Fläche angebunden sind." Dafür setze sich nicht nur Bayern ein, dafür stünden alle Länder.

Mögliche Folgen eines stärkeren Wettbewerbs

Der Fernverkehrs-Chef der Deutschen Bahn, Michael Peterson, sprach im Tagesspiegel jüngst von 120 möglicherweise betroffenen Bahnhöfen. Die Bahn betont seit Wochen, dass sie nichts gegen Wettbewerb habe, warnt aber, dass Fernverkehrsfahrten in der Fläche wegfallen könnten, wenn lukrative Trassen an Konkurrenten gingen.

Italo will ab 2028 in Deutschland Fernverkehrsfahrten anbieten. Das Unternehmen will dafür umfangreich in Züge investieren, aber auch eine gewisse Sicherheit haben, dass es lukrative Trassen bedienen dürfe. Diese Trassen vergibt die Bahn-Tochter Infrago unter Aufsicht der Bundesnetzagentur. Italo will zunächst die Strecken München-Frankfurt-Köln-Dortmund und München-Berlin-Hamburg befahren.

EVG-Chef warnt vor Rosinenpickerei

EVG-Chef Martin Burkert warnte: "Wenn Italo hier Rosinenpickerei betreiben darf und die Bahn von den Hauptstrecken verdrängt wird, zerlegt das unseren Fernverkehr." Die Deutsche Bahn könne dann Fernzugverbindungen in der Provinz weniger quersubventionieren, sagte er der Zeitung.

Der EVG-Vorsitzende forderte Paketlösungen bei der Streckenzuteilung, mit denen Italo verpflichtet wird, auch Zuglinien in der Provinz zu bedienen: "Wer auf den Hauptstrecken ordentlich Kasse machen will, darf sich nicht zu fein sein, um Städte wie Schwerin, Augsburg oder Jena anzufahren."

Bahn-Chefin fordert bessere Rahmenbedingungen

Ähnlich argumentiert der bundeseigene Bahn-Konzern. Bahn-Chefin Evelyn Palla rief die Politik jüngst auf, bessere Rahmenbedingungen zu schaffen. "Sonst droht ein ungesteuerter Wettbewerb, dessen Folgen sich am Ende womöglich für die Mehrheit negativ auswirken", sagte sie.


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