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Gesundheitspersonal empört: Drama um Phishing-Übung mit Extra-Urlaubstag

Eine Phishing-Übung der kanadischen NL Health Services stößt auf heftige Kritik. Sie hat das Personal genau dort getroffen, wo es gerade weh tat.
/ Marc Stöckel
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Der Köder muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler. (Bild: pixabay.com / caspowser)
Der Köder muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler. Bild: pixabay.com / caspowser

NL Health Services, die lokale Gesundheitsbehörde der kanadischen Provinz Neufundland und Labrador, hat sich für eine kürzlich durchgeführte Phishing-Übung entschuldigt(öffnet im neuen Fenster). Das gewählte Thema stieß innerhalb der Belegschaft auf massive Kritik. Die Initiatoren nutzten als Phishing-Köder das Versprechen eines zusätzlichen Urlaubstages – und das während einer Phase extremer Belastung für Ärzte und Krankenpfleger.

Nach Angaben(öffnet im neuen Fenster) der für das kanadische Gesundheitspersonal zuständigen Gewerkschaft RNU (Registered Nurses Union) wurden Ärzte und Krankenpfleger in der Phishing-Mail zunächst für ihre unermüdliche Arbeit gelobt. Aufgrund der Einführung eines neuen Systems namens Corcare(öffnet im neuen Fenster) war die Belastung für das Personal zuletzt wohl außerordentlich hoch.

In der Mail wurde dann auf ein Webportal verwiesen, auf dem die Empfänger als Würdigung für ihre Leistung augenscheinlich einen Antrag auf einen zusätzlichen bezahlten Urlaubstag im Juni einreichen konnten. Darauf scheinen viele Ärzte und Krankenpfleger hereingefallen zu sein – mit entsprechender Verärgerung, als bekannt wurde, dass die Mail nur ein Köder für eine Phishing-Übung war.

Eine geschmacklose Phishing-Mail?

Die RNU erhielt im Anschluss offenbar zahlreiche Beschwerden. RNU-Präsidentin Yvette Coffey erklärte daraufhin, sie habe Verständnis für die Aufregung. In dieser für viele Pflege- und Gesundheitsfachkräfte schweren Zeit sei es "äußerst geschmacklos" gewesen, das Versprechen eines zusätzlichen bezahlten freien Tages als Köder für eine Phishing-Übung zu nutzen, so Coffey.

Cybersicherheitsschulungen seien zwar wichtig, "aber sie müssen mit Urteilsvermögen und Respekt durchgeführt werden". Es gebe viele Möglichkeiten, das Bewusstsein für Phishing zu testen, "ohne den sehr realen Stress, die Erschöpfung und die Frustration auszunutzen, unter denen das Gesundheitspersonal leidet", erklärte die Präsidentin.

Der Golem-Blick

Was Coffey bei all der Kritik übersieht, ist der Umstand, dass reale Angreifer ebenfalls äußerst geschmacklos sein können. Sofern sich die Gelegenheit dazu ergibt, schrecken diese nämlich nicht einmal davor zurück, Spendengelder für lebenswichtige Behandlungen krebskranker Patienten zu stehlen. Das Versprechen eines Extra-Urlaubstages in einer Phishing-Mail wirkt dagegen geradezu harmlos.

Phishing-Köder, die bei dem Personal einen wunden Punkt treffen, wegen möglicher Beschwerden zu meiden, kann echten Angreifern sogar einen Vorteil verschaffen. Denn genau diese Köder sind es, die am Ende eine hohe Klickrate erreichen und einen Phishingangriff in der Praxis zum Erfolg führen. Wird das Personal gerade darauf nicht trainiert, so bleibt ein blinder Fleck zurück, den Angreifer nur allzu gerne ausnutzen.

Die NL Health Services entschuldigte sich infolge der kritischen Reaktionen aber dennoch für die Phishing-Übung und wird in Zukunft wohl lieber etwas weniger brisante Köder nutzen. "Wir erkennen an, dass der bei dieser speziellen Übung gewählte Ansatz nicht angemessen war, und entschuldigen uns aufrichtig bei den Mitarbeitern, Ärzten und Gewerkschaftsvertretern", erklärte der Geschäftsführer Ron Johnson.


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