Gesundheitsapp: Trotz Zulassung Sicherheitslücken in App auf Rezept

Zwei Sicherheitsforscher finden in einer frisch geprüften Gesundheitsapp im DiGA-Verzeichnis gleich mehrere triviale Sicherheitslücken.

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Auch Anwendungen im DiGA-Verzeichnis können noch Sicherheitslücken enthalten.
Auch Anwendungen im DiGA-Verzeichnis können noch Sicherheitslücken enthalten. (Bild: BfArM)

In der Gesundheitsanwendung Velibra haben Sicherheitsforscher mehrere Sicherheitslücken entdeckt. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hatte die App, die Patienten mit Angst- und Panikstörungen helfen soll, erst kürzlich für sicher befunden und sie für eine Verschreibung auf Kosten der Krankenkassen zugelassen. Wirklich geprüft wurde offenbar nicht.

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Die Sicherheitsforscher Martin Tschirsich und André Zilch sahen sich die Web-App an, kurz bevor Velibra offiziell ins Verzeichnis für digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) aufgenommen wurde. Über die Angabe einer E-Mail-Adresse bei der Passwort-zurücksetzen-Funktion konnte Tschirsich herausfinden, ob die entsprechende Mailadresse bei dem Dienst registriert ist. Darüber lässt sich beispielsweise feststellen, ob jemand den Dienst nutzt und entsprechend psychische Probleme hat.

Konten ließen sich einfach übernehmen

Noch schwerwiegender war, dass der Code zum Zurücksetzen des Kontos, der an die registrierte E-Mail-Adresse geschickt wurde, nur vier Zeichen lang und 24 Stunden gültig war. Unbefugte hätten durch schlichtes Durchprobieren und Erraten des kurzen Codes das Konto des Betroffenen übernehmen können.

Über eine API konnten zudem ohne Authentifizierung die Nutzernamen und E-Mail-Adressen der registrieren Personen abgefragt werden. Selbst die DiGA-Vouchers, die die Krankenkassen für die Nutzung des Dienstes ausgeben, waren laut Tschirsich einsehbar - sowohl genutzte als auch ungenutzte. Der Velibra-Hersteller Gaia AG hat die Sicherheitslücken nach einer Meldung umgehend behoben. Eine zuvor beauftragte Pentesting-Firma hatte die offensichtlichen Sicherheitslücken nicht entdeckt oder angemahnt.

Prüft das BfArM überhaupt?

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Noch schwerer wiegt aus Sicht der Sicherheitsforscher, dass das BfArM die digitalen Gesundheitsanwendungen nicht einmal oberflächlich prüft. So dürften nach der DiGA-Verordnung ohne Privacy Shield keine Daten in die USA übertragen werden, auch nicht mit Standardvertragsklauseln, doch Velibra hatte externe Schriftarten und ein Tool zum Bugreporting aus den USA eingebunden.

Laut Handelsblatt sieht sich das BfArM nicht in der Verantwortung. Wie vom Gesetzgeber vorgegeben, prüfe man die Herstellerangaben auf Plausibilität: "Bei unwahren Angaben muss mit Konsequenzen, wie zum Beispiel der Streichung aus dem Verzeichnis, gerechnet werden", teilte die Behörde dem Handelsblatt mit. Für umfangreiche Prüfungen zu Datenschutz und Sicherheit habe das Bundesgesundheitsministerium das Bundesinstitut schlicht nicht ausgestattet.

"Bei Arzneimitteln verlässt man sich ja auch nicht auf die Herstellerangaben, sondern verlangt Evidenz", kritisierte Tschirsich. Er hofft, dass das BfArM in Zukunft seiner Funktion als herstellerunabhängige Prüfinstanz gerecht wird, beispielsweise durch interne oder externe Audits der Gesundheitsanwendungen. Das wäre eine Chance, um in dem mit Datenschutzproblemen und Sicherheitslücken geplagten Markt von Gesundheitsapps wieder etwas Vertrauen, Sicherheit und Datenschutz wettzumachen.

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