Gesundheit: Amble Health verkauft Notfallset gegen Strahlenkrankheit
Das Telehealth-Unternehmen Amble Health bietet auf seiner Seite(öffnet im neuen Fenster) ein Notfallset namens Oh Sh*T Kit für 345 US-Dollar an, das Medikamente für radiologische Notfälle enthält. Das Set umfasst Jodtabletten, Berliner Blau zur Entfernung von radioaktivem Cäsium und Thallium sowie das Anti-Übelkeits-Medikament Ondansetron (Zofran).
Für den Kauf ist ein Rezept erforderlich, das über die herstellereigene Onlineplattform nach einer Konsultation mit lizenzierten Fachkräften ausgestellt werden kann. Amble wurde von Joey Stiver gegründet, der nach eigenen Angaben aufgrund des früheren Ankaufs und Verkaufs von Heil-Peptiden auf dem inoffiziellen Markt eine Anklage auf Bundesebene und eine Verurteilung wegen eines Verbrechens erhielt. Laut Amble richtet sich das Angebot primär an Personen, die beruflich Strahlung ausgesetzt sind, wie Arbeiter in der Medizin, im Bauwesen, im Bergbau, in der Schifffahrt, in der Landwirtschaft oder in der Energieerzeugung.
Kritik an Preis und Nutzen
Alex Wellerstein, außerordentlicher Professor für Wissenschafts- und Technikforschung (Science and Technology Studies) am Stevens Institute of Technology, bezeichnete das Set in 404 Media(öffnet im neuen Fenster) als überteuert. Kaliumjodid-Tabletten, die das Schilddrüsengewebe mit Jod sättigen und die Aufnahme von radioaktivem Jod-131 verhindern, seien rezeptfrei und deutlich günstiger erhältlich. Eine Flasche mit 60 Tabletten koste bei anderen Anbietern etwa 13 US-Dollar. Jod-131 entsteht bei der Kernspaltung und weist eine kurze Halbwertszeit auf.
Medizinische Einschränkungen bei den Inhaltsstoffen
Das im Set enthaltene Berliner Blau bindet zudem Schwermetalle wie Cäsium und Thallium im Darm, so dass diese ausgeschieden werden. Cäsium besitzt eine Halbwertszeit von 30 Jahren und fällt in die Kategorie der chronischen Karzinogene. Laut Wellerstein sollte dieser Wirkstoff von Ärzten verabreicht werden, da die korrekte Dosierung entscheidend ist. Das Mittel Ondansetron verringert letztlich das Erbrechen, bekämpft jedoch keine Ursachen der Strahlenkrankheit. Wellerstein weist darauf hin, dass Erbrechen auf ein akutes Strahlensyndrom hindeutet und das Unterdrücken des Symptoms eigene gesundheitliche Risiken birgt.


