Der Kampf um die Mindestvergütung pro Stream

Außenstehende mögen sich fragen, warum Gema und Youtube den Streit um die Vergütungen über Umwege vor Gericht austragen. Hört man die Youtube-Sprecherin Mounira Latrache, könnte man meinen, eine außergerichtliche Einigung wäre gar nicht so schwer. "Wir sind bei der Regelvergütung sehr nahe beieinander." Problematisch ist Latrache zufolge allerdings die Abrechnungsmethode. Die Gema will Mindestvergütungen pro Stream. Das heißt, jedes Mal, wenn sich ein Nutzer ein Youtube-Video mit Gema-geschützten Musikinhalten anschaut, müsste Youtube dafür eine Gebühr an die Gema abführen.

Youtube argumentiert, diese Abrechnungsmethode passe nicht zum eigenen Geschäftsmodell, da nicht mit jedem Video Werbeeinnahmen erzielt werden. Man will von der Gema anders behandelt werden als die Onlineshops iTunes oder Amazon, die an jedem einzelnen Musikdownload feste Beträge verdienen. "Die Gema beharrt weiterhin auf einer abrufbezogenen Mindestvergütung, einem Konstrukt, welches aus dem Paid-Download-Bereich kommt und mit der Realität von werbefinanzierten Services nichts zu tun hat", erklärt Latrache.

Ein Ausweg wäre, dass Youtube die Videos, die ihre Gema-Gebühren nicht über Werbung wieder reinholen, aus dem Angebot entfernt. Auf eine solche Angebotsbeschränkung will sich das Unternehmen aber nicht einlassen. Stattdessen möchte Youtube die Gema prozentual an den Werbeeinnahmen beteiligen. Diese Abrechnungsmethode praktiziert das Unternehmen mit 24 anderen Verwertungsgesellschaften weltweit.

Gema: Einnahmen im Ausland "erschreckend niedrig"

Die Gema ist damit allerdings nicht zufrieden. "Wir sehen, wie erschreckend niedrig die Einnahmen der Künstler in Ländern wie Großbritannien und Italien aus den Verträgen mit Youtube sind", sagt Gema-Vertreter Wolf. "Das bestätigt uns darin, dass wir die Youtube-Vorschläge nicht akzeptieren können."

Die Gema argumentiert, dass Youtube nicht nur im direkten Umfeld der Musikvideos Geld verdient. Entscheidend seien die Gesamteinnahmen des Unternehmens. Youtube beziehungsweise der Mutterkonzern Google verdiene auch mit den Nutzerdaten. "Googles Schatz sind die Daten, die das Unternehmen wiederum für andere Angebote nutzen kann, auch für gezielte Werbung an anderer Stelle", erklärt Wolf. Wegen dieser Daten sei Google mit einem Marktwert von mehreren 100 Milliarden Dollar eines der wertvollsten Unternehmen der Welt. "Man kann die Google-Tochter Youtube nicht isoliert sehen, sondern nur im Verbund mit dem Gesamtkonzern." Youtube und Google generierten mit Musik Milliardenumsätze.

Die Gema sieht in puncto "Mindestvergütung pro View" keinen Verhandlungsspielraum. "Von der Mindestvergütung pro Stream abzurücken, wäre mit einer enormen Vergütungsabsenkung verbunden", so Wolf.

Die Gema will kämpfen

Um welche Größenordnungen gerungen wird, ist schwer nachzuvollziehen. Beide Parteien haben Verschwiegenheit über die Details ihrer Verhandlungen vereinbart. Allerdings hat der Blogger Johnny Haeusler Vergleichszahlen recherchiert. Ein deutscher Musikverlag, der international tätige Urheber vertritt, hat ihm Einblick in seine Youtube-Abrechnungen aus Großbritannien gewährt. Demnach erhält der Verlag dort für eine Million Streams im Durchschnitt 190 Euro.

Ob der verfahrene Streit nach dem Urteil des Landgerichts Hamburg am 20. April schnell zu klären ist, bleibt fraglich. Auch wenn die Richter Youtube nicht als Content-Provider einstufen, will sich die Gema noch nicht geschlagen geben. "Die Gema wird auch weiterhin um eine angemessene Vergütung kämpfen und sich nicht mit extrem niedrigen Vergütungen abspeisen lassen", erklärt Wolf.

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 Warum Youtube nicht zur Schiedsstelle geht
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ingvo 09. Apr 2012

Die GEMA ist weltweit immer noch einer der erfolgreichsten Vertreter der kollektiven...

Trollfeeder 02. Apr 2012

Deshalb ist die Musikindustrie mit weniger zufrieden als die Künstler in Deutschland...

Vertex 30. Mär 2012

Werbung schaltet Google bei Videos nur in folgenden Fällen: Der Uploader des Videos...

spiderbit 30. Mär 2012

verstehe das was du sagst, nicht was das mit meinen Aussagen zu tun hat, nach meiner...



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