• IT-Karriere:
  • Services:

Gesichtserkennung: US-Firma baut heimlich Datenbank mit Milliarden Fotos auf

Während automatisierte Gesichtserkennung auch in den USA umstritten ist, nutzen Behörden seit einiger Zeit eine enorme Datenbank für die Fahndung nach Verdächtigen. Die Nutzer wissen nichts vom Einsatz ihrer Bilder.

Artikel veröffentlicht am , / dpa
Demonstration von Gesichtserkennungstechnik auf der CES Asia
Demonstration von Gesichtserkennungstechnik auf der CES Asia (Bild: Aly Song/Reuters)

Eine bislang kaum bekannte US-Firma hat einem Bericht der New York Times zufolge rund drei Milliarden Bilder von Menschen aus dem Internet zusammengestellt, um eine umfassende Datenbank zur Gesichtserkennung zu entwickeln. Im vergangenen Jahr sei der Zugang dazu mehr als 600 Behörden als Service angeboten worden, schrieb die Zeitung am 18. Januar 2020 unter Berufung auf das Unternehmen Clearview AI.

Stellenmarkt
  1. Schwarz Dienstleistung KG, Raum Neckarsulm
  2. Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik, Bonn

Für die Datenbank seien öffentlich zugängliche Bilder bei Plattformen wie Facebook und Youtube, dem US-Bezahlservice Venmo sowie von Millionen Webseiten eingesammelt worden, hieß es weiter. Eine Sammlung in dieser Dimension würde bisher bekanntgewordene Datenbanken zur Gesichtserkennung übertreffen. Ein solches "scraping" verstößt allerdings in der Regel gegen die Nutzungsbedingungen von Anbietern wie Facebook oder Twitter.

In den USA etwa prüfen die Behörden die Identität der Einreisenden per Gesichtserkennung - greifen dabei aber auf die Bilder zurück, die speziell dazu aufgenommen wurden. Dem Bericht zufolge verfügt das FBI lediglich über 400 Millionen Bilder. Zudem liefere Clearview bessere Ergebnisse.

Peter Thiel als Geldgeber

Das Unternehmen wurde laut New York Times im Jahr 2016 von dem Entwickler Hoan Ton-That und Robert Schwartz gegründet, der auch für den früheren New Yorker Bürgermeister Rudolph Guiliani gearbeitet hatte. Ein Geldgeber war US-Milliardär Peter Thiel. Der Paypal-Mitgründer und Facebook-Investor ist einer der wenigen erklärten Unterstützer von Präsident Donald Trump aus dem Silicon Valley. Sein Sprecher sagte der Zeitung, Thiel habe Clearview im Jahr 2017 mit 200.000 Dollar unterstützt und dafür einen Anteil bekommen. Er sei ansonsten nicht beteiligt. Da Thiel gleichzeitig im Aufsichtsrat von Facebook sitzt, hat er damit ein Unternehmen finanziert, das bewusst gegen dessen Nutzungsbedingungen verstößt. Ton-That habe dazu lediglich gesagt: "Viele Leute machen das, und Facebook weiß es."

Nachdem das Unternehmen zunächst unschlüssig gewesen sei, wozu die Gesichtserkennungssoftware genutzt werden könne, habe die Polizei im US-Bundesstaat Indiana im Februar 2019 einen Test von Clearview gestartet. Dabei seien innerhalb von 20 Minuten mehrere Fälle aufgeklärt worden. So habe die Polizei in einem sozialen Medium das Gesicht eines Verdächtigen gefunden, von dem ein Zeuge bei der Tat ein Video mit seinem Handy aufgenommen hatte. Schwartz habe seine Kontakte zu den Republikanern genutzt, um das Tool bei den Behörden bekanntzumachen.

Treffergenauigkeit von 98,6 Prozent

In einem dreiseitigen FAQ-Dokument (PDF) nennt Clearview eine Treffergenauigkeit von 98,6 Prozent. Das sei "die höchste der Welt" und bedeute, dass es fast nie Falschtreffer gebe. In dem Dokument wird eine Trefferquote von 30 bis 60 Prozent angegeben. Allerdings verspricht Clearview eine Steigerung auf 80 Prozent, da bis Ende 2019 "Hunderte Millionen neuer Gesichter monatlich der Datenbank hinzugefügt werden".

Dem Bericht zufolge spionierte Clearview offenbar der recherchierenden Journalistin der New York Times hinterher, anstatt deren Fragen zu beantworten. Nachdem einige Polizisten auf Bitten der Journalistin mit ihrem Foto in der Datenbank nach Treffern gesucht hätten, seien sie von Clearview-Vertretern mit der Frage angerufen worden, ob sie mit der Presse sprächen. Der Firma zufolge hat die Software nur Alarm wegen ungewöhnlicher Suchanfragen geschlagen. Außerdem räumte Ton-That auf Anfrage der Zeitung ein, dass Clearview auch den Prototyp einer Computerbrille mit Gesichtserkennungsfunktion entwickelt habe - es gebe aber keine Pläne, diese zu vermarkten.

Der Bericht löste schon am Wochenende erste politische Reaktionen aus. US-Senator Ron Wyden, Mitglied der Demokratischen Partei, zeigte sich besorgt und forderte, Amerikaner müssten wissen, ob ihre Fotos heimlich in einer privaten Datenbank landeten.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed


Anzeige
Hardware-Angebote
  1. (u. a. 3er Pack Lüfter LL120 RGB für 102,90€, Crystal 680X RGB Gehäuse für 249,90€)
  2. (reduzierte Überstände, Restposten & Co.)

NativesAlter 21. Jan 2020 / Themenstart

Hm, abwarten, ich habe den Eindruck, es entwickelt sich auch bei der breiten Masse so...

Nobunaga 21. Jan 2020 / Themenstart

die bösen, und die sowas nur machen, das sind doch die Chinesen und Russen, oder habe...

Iruwen 20. Jan 2020 / Themenstart

Im Originalartikel steht ja auch, dass der Journalist der NYT Bilder von sich gefunden...

Micha_T 20. Jan 2020 / Themenstart

Wer meint solche Firmen würde es bei uns nicht geben lebt in falscher Sicherheit. Es...

neokawasaki 20. Jan 2020 / Themenstart

Ihr habt doch alle nichts zu verbergen, oder? Eure Daten gebt ihr schließlich...

Kommentieren


Folgen Sie uns
       


Macbook Pro 16 Zoll - Test

Das Macbook Pro 16 stellt sich in unserem Test als eine echte Verbesserung dar. Das liegt auch daran, dass Apple einen Schritt zurückgeht, das Butterfly-Keyboard fallenlässt und die physische Escape-Taste zurückbringt.

Macbook Pro 16 Zoll - Test Video aufrufen
Verkehr: Das Kaltstart-Dilemma der Autos mit Hybridantrieb
Verkehr
Das Kaltstart-Dilemma der Autos mit Hybridantrieb

Bei Hybridautos und Plugin-Hybriden kommt es häufiger zu Kaltstarts als bei normalen Verbrennungsmotoren - wenn der Verbrennungsmotor ausgeht und der Elektromotor das Auto durch die Stadt schiebt. Wie schnell lässt sich der Katalysator vorwärmen, damit er Abgase dennoch gut reinigen kann?
Von Rainer Klose

  1. Elektromobilität Umweltbonus gilt auch für Jahreswagen
  2. Renault City K-ZE Dacia plant City-Elektroauto
  3. Elektroautos EU-Kommission billigt höheren Umweltbonus

Unitymedia: Upgrade beim Kabelstandard, Downgrade bei Fritz OS
Unitymedia
Upgrade beim Kabelstandard, Downgrade bei Fritz OS

Der Kabelnetzbetreiber Unitymedia stellt sein Netz derzeit auf Docsis 3.1 um. Für Kunden kann das viel Arbeit beim Austausch ihrer Fritzbox bedeuten, wie ein Fallbeispiel zeigt.
Von Günther Born

  1. Hessen Vodafone bietet 1 GBit/s in 70 Städten und kleineren Orten
  2. Technetix Docsis 4.0 mit 10G im Kabelnetz wird Wirklichkeit
  3. Docsis 3.1 Magenta Telekom bringt Gigabit im Kabelnetz

Geforce Now im Test: Nvidia nutzt einzigartige CPU und GPU
Geforce Now im Test
Nvidia nutzt einzigartige CPU und GPU

Wer mit Nvidias Geforce Now spielt, bekommt laut Performance Overlay eine RTX 2060c oder RTX 2080c, tatsächlich aber werden eine Tesla RTX T10 als Grafikkarte und ein Intel CC150 als Prozessor verwendet. Die Performance ist auf die jeweiligen Spiele abgestimmt, vor allem mit Raytracing.
Ein Test von Marc Sauter

  1. Cloud Gaming Activision Blizzard zieht Spiele von Geforce Now zurück
  2. Nvidia-Spiele-Streaming Geforce Now kostet 5,49 Euro pro Monat
  3. Geforce Now Nvidias Cloud-Gaming-Dienst kommt noch 2019 für Android

    •  /