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Gesichtserkennung: Datenschützer rechnet mit Millionen Clearview-Betroffenen

Der US-Anbieter Clearview bekommt Post vom Hamburger Datenschützer wegen der umstrittenen Gesichtserkennungs-App.

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Millionen deutsche Nutzer könnten sich in der Clearview-Datenbank befinden.
Millionen deutsche Nutzer könnten sich in der Clearview-Datenbank befinden. (Bild: Pixabay/Montage: Golem.de)

Der Hamburgische Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar hat ein Prüfverfahren gegen den in den USA ansässigen Anbieter Clearview wegen dessen Gesichtserkennungsdienst eingeleitet. Das entsprechende Schreiben sei am vergangenen Donnerstag per E-Mail und am Freitag per Post versandt worden, sagte eine Sprecherin auf Anfrage von Golem.de. Bislang sei der Behörde lediglich ein betroffener Nutzer aus Deutschland bekannt. "Aber es wäre naiv anzunehmen, dass es nicht Millionen andere betrifft. Wir sind daher in eine Prüfung der dortigen Datenverarbeitung eingetreten", hieß es weiter.

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Die bis Januar 2020 kaum bekannte Firma Clearview soll in den vergangenen Jahren heimlich eine Gesichtsdatenbank mit Milliarden von Fotos aufgebaut haben. Einem Bericht der New York Times zufolge wurde der Zugang zu der Datenbank im vergangenen Jahr mehr als 600 Behörden als Service angeboten. Aus einem Leak der Kundenliste ging hervor, dass die Machine-Learning-Software bei insgesamt 2.200 Organisationen im Einsatz ist. Dazu gehören Behörden wie das FBI, aber auch US-Supermarktketten wie Walmart, Bestbuy und Macy's.

Auch Kunden könnten gegen Datenschutz verstoßen

Auch wurde inzwischen bekannt, dass einige Kunden ihren Zugang zur Datenbank privat verwendet haben sollen, um sie Freunden, Verwandten oder Bekannten zu zeigen. So sei sie zum Spaß auch auf Partys und sogar bei Dates genutzt worden.

Dem Datenschutzbeauftragten zufolge nehmen andere europäische Aufsichtsbehörden ähnliche Untersuchungen vor. Mit diesen Behörden wolle sich Caspar "natürlich abstimmen".

Der Behörde zufolge ist bislang noch unklar, ob bereits der normale Zugriff auf die Datenbank ein Problem darstellt oder lediglich die Nutzung der Gesichtserkennungs-App in der Öffentlichkeit. "Beim aktuellen Erkenntnisstand kann es hierauf noch keine definitive Antwort geben. Es besteht jedoch Grund zu der Annahme, dass die Verarbeitung biometrischer Daten von Millionen von Nutzern auf keiner tragfähigen rechtlichen Grundlage beruht und damit gegen Vorgaben der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) verstoßen wird", hieß es weiter. Das gelte gleichermaßen auch für diejenigen verantwortlichen Stellen, die das Angebot von Clearview nutzten, da sie einen Teil der datenschutzrechtlichen Verantwortung trügen.

Löschanfrage ohne Ausweiskopie möglich

Clearview gesteht Betroffenen unter anderem das Recht zu, "unter bestimmten Bedingungen" eine Löschung der gespeicherten Fotos zu verlangen. Entsprechende Anfragen sind per E-Mail oder Webformular möglich. Dies gilt auch für Nutzer aus der Europäischen Union. Allerdings muss dazu ein persönliches Foto hochgeladen werden, da Clearview nach eigenen Angaben keine anderen Informationen als öffentlich zugängliche Fotos gespeichert hat. Für eine solche Überprüfung ist neben einer E-Mail-Adresse zunächst kein weiteres Dokument zur Identifizierung erforderlich.

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